Oerlikon Forschungszentrum nach Deutschland

Das Schweizer Technologieunternehmen Oerlikon hat kräftig zugekauft. Firmenchef Thomas Limberger sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum er jetzt die komplette Forschung des Konzerns samt seiner neuen Tochtergesellschaften in Deutschland ansiedeln will.
Von Karsten Stumm

mm.de: Herr Limberger, Sie sind Chef eines der bekanntesten Schweizer Industrieunternehmen. Jetzt wollen Sie ein neues Forschungszentrum für Oerlikon errichten lassen - ausgerechnet in Deutschland. Halten Sie den Plan durch?

Limberger: Ich darf Ihnen heute sagen, dass wir unser Forschungszentrum in Deutschland bauen werden. Und zwar noch größer als bisher gemutmaßt worden ist.

mm.de: Schwimmen Sie im Geld?

Limberger: Nie genug, nein. Aber wir haben zuletzt den Schweizer Textilmaschinenhersteller und Autozulieferer Saurer übernommen. Jetzt legen wir die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der alten Oerlikon mit denen von Saurer zusammen. Das bedeutet, dass wir nun in Deutschland ein Zentrum für beide Firmen errichten. Mit mehr als 300 Forschern und Entwicklern und einem Jahresbudget von weit mehr als jenen 70 Millionen Franken, die wir ursprünglich planten.

mm.de: Wie viel Geld werden Ihre Forscher und Entwickler denn künftig zur Verfügung haben?

Limberger: Eine Summe, die in zweistelliger Millionenhöhe über jenen 70 Millionen Euro liegen wird.

mm.de: In welcher Stadt werden Sie Ihr Forschungszentrum errichten?

Limberger: Die endgültige Entscheidung wird im Laufe der kommenden Wochen fallen. Im Rennen sind Standorte in Baden-Württemberg, Brandenburg, Bayern und Sachsen.

Deutsche Standortvorteile

mm.de: Was macht Sie so zuversichtlich für den Forschungsstandort in Deutschland?

Limberger: Vor allem die Auswahl an Spitzenforschern und die Vernetzung der Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik untereinander. Das finden Sie so weder in der Schweiz noch in Frankreich oder Großbritannien. Und das ist wichtig für ein Hightech-Unternehmen, wie wir es sind.

mm.de: Sie bezeichnen Ihr Unternehmen Oerlikon dann auch gern als "vollintegrierten Technologiekonzern". So ähnlich nannte der ehemalige Daimler-Chef Edzard Reuter seine Firma auch, bis das Konglomeratkonzept scheiterte. Haben Ihre Aktionäre schon Angst vor Ihnen?

Limberger: Soviel ich weiß, nein. Vielleicht deshalb, weil wir mit unserem Konzept bisher Erfolg haben - obwohl Oerlikon nicht auf ein einzelnes Geschäftsfeld fokussiert ist, wie es bei den Finanzanalysten im Moment tatsächlich in Mode ist. Aber wir haben aus einem Verlust von rund 120 Millionen Schweizer Franken im ersten Halbjahr 2005 einen Gewinn von zuletzt 128 Millionen Franken gemacht, und das wissen auch unsere Aktionäre zu schätzen.

mm.de: So mancher Firmenlenker in Deutschland würde von seinen Finanzinvestoren dafür ebenfalls Beifall erhalten. Aber kurz darauf aufgefordert werden, das Unternehmen dennoch aufzuspalten - noch mehr Rendite halber. Lässt es sich als Firmenchef in der Schweiz gemütlicher arbeiten als in Deutschland?

Limberger: Das glaube ich nicht. Wir haben bei Oerlikon ja auch einen Großteil Finanzinvestoren in unserem Aktionärskreis. Aber bisher kann ich als Chef eines integrierten Hightech-Konzerns gut leben, sicher auch dank unserer Effizienzsteigerungsprozesse und unserer Marktkenntnisse.

Deutsche Tochterfirma vor Einschnitt

mm.de: Sie spüren keinen Druck, kurzatmiger agieren zu müssen?

Limberger: Nein, das sehen Sie ja beispielsweise an unserem großen Forschungsvorhaben in Deutschland. Die Ergebnisse daraus werden sich bestimmt erst in einigen Jahren richtig bemerkbar machen.

mm.de: Sie haben in der vergangenen Woche einige Oerlikon-Tochtergesellschaften in Deutschland besucht, unter anderem die Firma Schlafhorst in Mönchengladbach. Man hört, Sie hätten einen tiefen Blick in die Geschäftsbücher geworfen. Stimmt die Rendite dort nicht?

Limberger: Das Unternehmen steht ganz gut da, aber wir glauben, dass es besser geht. Deshalb werden wir in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Betriebsrat führen.

mm.de: Planen Sie Entlassungen?

Limberger: Nein, auch keine Fertigungsverlagerungen nach Osteuropa oder Asien. Ich glaube, wir können die Produktionsprozesse bei unserem Mönchengladbacher Tochterunternehmen optimieren - und damit sehr weit kommen. Das haben wir bei anderen Tochtergesellschaften in Deutschland ja schon einmal geschafft, bei Leybold in Köln zum Beispiel. Heute zählt die Firma zu den besten im Vakuumpumpengeschäft überhaupt. Und entlassen mussten wir dafür niemanden.

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