Eon/Endesa Merkwürdige Einigung mit Großaktionär

Im Übernahmepoker um den spanischen Energiekonzern Endesa gibt es weitere Verwirrung. Großaktionär Caja Madrid will seine Anteile an Eon verkaufen - jedoch erst in zwei Jahren. Finanzexperten sind unterdessen uneins über den ökonomischen Sinn der Eon-Pläne.

Düsseldorf/Madrid - Im Übernahmekampf um den größten spanischen Stromversorger Endesa  hat der deutsche Energiekonzern Eon  eine Einigung mit dem Endesa-Großaktionär Caja Madrid erzielt. Der drittgrößte Anteilseigner erklärte sich grundsätzlich bereit, seinen Anteil von 9,9 Prozent in zwei Jahren an Eon zu verkaufen.

Die Einigung mit der Madrider Sparkassen-Kette ist aber komplex. Caja Madrid will für zwei Jahre die Stimmrechte in den Führungsgremien von Endesa behalten. Sie werde aber die ökonomischen Rechte, die sich aus dem Aktienbesitz ergeben, für die kommenden zwei Jahre an Eon abtreten, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Nach Ablauf der Frist könne der Düsseldorfer Konzern entscheiden, ob er Caja Madrid die Endesa-Anteile zum angebotenen Preis von 40 Euro pro Stück abkaufen oder - bei Begleichung des Wertunterschieds, der sich in dieser Zeit eingestellt hat - an die Sparkasse zurückgeben wolle.

Schon mehr als ein Jahr dauert der Übernahmekampf um das größte spanische Stromunternehmen. Nachdem zunächst die nationale Energiekommission dem deutschen Konzern mit umfangreichen Auflagen Steine in den Weg legte, versuchen nun die Rivalen Enel  und Acciona  den Eon-Plan zu durchkreuzen.

Der italienische Energiekonzern und das spanische Mischunternehmen kündigten ein gemeinsames Angebot für Endesa von mindestens 41 Euro pro Aktie so bald wie möglich an. Am Montag kamen neue Entwicklungen Schlag auf Schlag: Nur drei Stunden zuvor hatte der Düsseldorfer Konzern sein Angebot auf 40 Euro je Aktie aufgestockt.

Enel-Chef Fulvio Conti zeigte sich in Rom sehr zufrieden über die Einigung mit Acciona über ein gemeinsames Angebot. "Dies stellt die Grundlage für Enels Entwicklung auf dem europäischen Elektrizitätsmarkt dar", sagte der Vorstandschef.

Bernotat legt immer mehr Geld für Endesa auf den Tisch. Bereits drei Mal besserte Eon das Angebot auf. Ende Februar 2006 hatte Eon eine Offerte mit einem Volumen von 29,1 Milliarden Euro angekündigt, inzwischen sind es über 40 Milliarden Euro geworden. Bei deutschen Aktionärsschützern wächst unterdessen die Sorge, dass der Eon-Chef bei Endesa zu weit gehen könnte. "Der betriebswirtschaftliche Sinn gerät immer weiter außer Sicht", mahnte der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, am Montag angesichts der weiter steigenden Übernahmekosten. "Es ist schon ein sehr gefährliches Spiel, auf das sich Eon einlässt."

"Markt wird jetzt verteilt"

"Der Markt wird jetzt verteilt"

Die Fondsgesellschaft Union Investment begrüßte hingegen die Aufstockung des Angebots. Eon  treffe aus strategischer Sicht die langfristig richtige Entscheidung, sagte Fondsmanager Thomas Deser am Montag der Nachrichtenagentur dpa-afx. "Der Markt in Europa wird jetzt verteilt." Da müsse ein Unternehmen auch bereit sein, einen strategischen Aufpreis zu bezahlen.

Während Eon einen langwierigen Weg durch die Genehmigungsinstanzen ging, kauften Enel  und Acciona  fleißig Endesa-Aktien. Sie halten inzwischen zusammen knapp 46 Prozent an dem spanischen Stromriesen. Auch wenn es Eon mit seiner aufgebesserten Offerte bis zum 3. April gelingen sollte, über 50 Prozent zu kommen und damit die Mehrheit zu erringen, wäre das Problem nicht automatisch gelöst. Dem Düsseldorfer Konzern stünde bei Endesa ein starker Block gegenüber. Ein denkbares Szenario wäre nach ihrer Ansicht, dass sich Enel und Eon Endesa aufteilen. Oder: Eon müsste versuchen, das Problem mit Beharrlichkeit auszusitzen.

Doch inzwischen könnten sich die politischen Rahmenbedingungen erneut verschieben. Spanien will in den kommenden Wochen ein neues Gesetz über Firmenübernahmen einführen. Das Vorhaben wurde bereits im Unterhaus des Parlaments einstimmig verabschiedet, der Beschluss im Oberhaus scheint nur eine Formsache zu sein. Es könnte die Eon- Rivalen Enel und Acciona in die Lage versetzen, weitere Endesa-Aktien zu kaufen, ohne ein offizielles Übernahmeangebot vorlegen zu müssen. Damit wäre die Entscheidung der Madrider Börsenaufsicht, dass Enel und Acciona erst nach Ablauf von sechs Monaten eine Offerte für Endesa vorlegen dürfen, teilweise praktisch ausgehebelt.

Dass Eon nicht das Handtuch wirft, könnte nach Meinung von Aktionärsschützern an mangelnden Investitionsalternativen liegen. Der Düsseldorfer Konzern besitzt eine prall gefüllte Kriegskasse und könnte damit selbst zu einem Übernahmeziel werden. Bislang hat der Übernahmekampf Eon schon über 100 Millionen Euro gekostet. Beim Ausgang entscheidet sich nach Ansicht von Marktbeobachtern auch die Zukunft von Bernotat. Der Eon-Chef zieht alle Register und ließ juristische Schritte einleiten. "Das rechtswidrige Vorgehen von Acciona und Enel ist ein Versuch, die Endesa-Aktionäre zu täuschen und den Preis der Aktie zu manipulieren", erklärte Eon am Montag.

Unterstützung von Endesa

Unterstützung von Endesa

Eon  beantragte eigenen Angaben zufolge bei der Madrider Börsenaufsicht die Eröffnung eines Verfahrens gegen Enel und Acciona wegen Irreführung des Marktes, Verstoßes gegen das Übernahmerecht und Insider-Handels. Eon forderte, dass Acciona und Enel ihre Endesa-Aktien wieder veräußern müssen und weitere Aktien-Käufe untersagt werden. Beide Unternehmen, die 21,03 Prozent beziehungsweise 24,9 Prozent der Endesa-Aktien halten, sollten von der Möglichkeit eines öffentlichen Übernahmeangebots ausgeschlossen werden, forderte Eon.

Außerdem verklagt Eon nach eigenen Angaben Acciona und Enel bei einem Bundesgericht in New York wegen Verletzung amerikanischer Offenlegungsregeln.

Der Düsseldorfer Energieriese erhielt unterdessen Unterstützung von Endesa. Der Verwaltungsrat des spanischen Konzerns gab den Aktionären einstimmig die Empfehlung, die Eon-Offerte anzunehmen und ihre Kapitalanteile an den Düsseldorfer Konzern zu verkaufen. Das aufgestockte Eon-Angebot gebe "in adäquater Weise" den Wert von Endesa wieder. Die Mitglieder des Gremiums, die selbst Endesa-Aktien des Unternehmens besitzen, kündigten einen Verkauf ihrer Papiere an Eon an.

Spaniens Industrieminister Joan Clos versicherte, die Madrider Regierung werde sich neutral verhalten und in den Übernahmekampf nicht eingreifen. Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes betonte, es sei nicht das erste Mal, dass es bei solchen Übernahmeschlachten zu raschen Veränderungen komme, die auf Kurswechseln der beteiligten Unternehmen beruhten. Derzeit müsse sich die Börsenaufsicht CNMV ihre Meinung bilden.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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