Volkswagen Porsche baut seinen Einfluss aus

Porsche erhöht seinen Volkswagen-Anteil auf 31 Prozent. Damit muss der Stuttgarter Sportwagenhersteller ein öffentliches Übernahmeangebot abgeben. Das Unternehmen dementiert Interesse an einer Mehrheit an VW. Doch Porsche hält sich alle Optionen offen.

Stuttgart/Hannover - In einem spektakulären Kurswechsel stockt der Sportwagenbauer Porsche  seine VW-Beteilung abermals auf. Der Aufsichtsrat habe den Porsche-Vorstand in einer außerordentlichen Sitzung ermächtigt, die Beteiligung an Volkswagen  von 27,3 Prozent auf bis zu 31 Prozent der Stammaktien zu erhöhen, teilte Porsche am Samstag in Stuttgart mit. "Der Vorstand beabsichtigt, diese Ermächtigung kurzfristig auszunutzen", hieß es.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nannte das einen "logischen Schritt". "Eine engere Anbindung von VW bringt für beide Partner Vorteile, ohne die Identität von Porsche zu gefährden", sagte der Porsche-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Porsche strebe aber keine Mehrheitsübernahme an, sagte ein Unternehmenssprecher. Vielmehr wolle sich Porsche damit schon jetzt für den zu erwartenden Fall des VW-Gesetzes vorbereiten. Dieses Gesetz beschränkt die Stimmrechte von VW-Aktionären auf maximal 20 Prozent, unabhängig von der Zahl der tatsächlich gehaltenen Aktien.

Das deutsche Börsengesetz schreibt bei Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle die Vorlage eines öffentlichen Übernahmeangebots an alle außenstehenden Aktionäre vor. Weil der Sportwagenhersteller nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis für die VW-Aktien zahlen will, rechnet er mit einer nur geringen Annahmequote. Dafür kann er in Zukunft weiter aufstocken, ohne ein neues Angebot vorzulegen. "Wir halten uns damit alle Optionen offen", so der Sprecher. Meldungen, Porsche wolle Volkswagen übernehmen, seien aber eine "Fehlinterpretation".

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag", das sei "der vorletzte Schritt zur Übernahme". Die eilige Entscheidung zeige, dass die Sache für Porsche angesichts des steigenden Kurses der VW-Aktie "sehr heiß geworden" sei. Nun werde Porsche relativ schnell versuchen, die Mehrheit an Volkswagen zu bekommen. "VW wird ein österreichisches Familienunternehmen werden", sagte Dudenhöffer mit Blick auf den österreichischen Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch.

Porsche-Chef Wiedeking hatte noch Anfang März auf dem Genfer Autosalon bekräftigt, dass ein solcher Schritt nicht geplant sei und die Beteiligung unter der 30-Prozent-Marke gehalten werden soll. Porsche war im September 2005 bei VW eingestiegen und hatte damals zunächst maximal 20 Prozent des stimmberechtigten Kapitals angepeilt. Auch damals war schon betont worden, dass die Beteiligung "auf keinen Fall" die Schwelle erreichen werde, bei der ein öffentliches Übernahmeangebot nötig sei.

Neue Konzernstruktur für Porsche

Neue Konzernstruktur für Porsche

Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge hat sich Porsche bei einem Bankenkonsortium unter Führung von Merrill Lynch vorsorglich einen Kreditrahmen von 35 Milliarden Euro für das Übernahmeangebot gesichert.

Mit dem Ausbau der VW-Beteiligung ändert Porsche seine Konzernstruktur. Künftig sollen die Beteiligungen von einer Holding geführt werden, die als europäische Aktiengesellschaft ("Societas Europaea"/SE) mit Sitz im Großraum Stuttgart firmieren soll. Das operative Geschäft werde in eine 100-prozentige Tochtergesellschaft mit Sitz in Stuttgart ausgegliedert, teilte Porsche mit. Die Holding werden Vorstandschef Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter führen, kündigte ein Sprecher an. "Porsche bleibt Porsche", betonte der Vorstand.

Die Entscheidung über den gesellschaftsrechtlichen Umbau soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung voraussichtlich im Juni fallen. Da die Familien Porsche und Piëch im Besitz der gesamten stimmberechtigten Stammaktien von Porsche sind, dürfte diese Versammlung nur eine Formsache sein. Außerdem wollen die Familien mit der neuen Rechtsform der Holding erreichen, dass die bisherige Größe des Aufsichtsrats von zwölf Mitgliedern beibehalten werden kann.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) begrüßte die Pläne. "Angesichts der weltweiten Herausforderungen ist es ein Segen, dass die Volkswagen AG mit der Porsche AG und dem Land Niedersachsen zwei verlässliche Partner hat", sagte Wulff am Samstag. Niedersachsen ist mit knapp 21 Prozent zweitgrößter VW-Aktionär. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sagte, Porsche tätige "wie jeder Investor in die Volkswagen-Aktie ein gutes Investment". Auch der VW-Betriebsrat reagierte positiv. Angesichts eines möglichen Wegfalls des VW-Gesetzes seien die beiden Großaktionäre Porsche und Niedersachsen extrem wichtig, um VW vor einer feindlichen Übernahme zu schützen, erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters, dow jones und ddp