ABN Amro/Barclays "Hoch ergänzende Partnerschaft"

Die Banken Barclays und ABN Amro kommen einander näher und bestätigen exklusive Gespräche. Ziel sei eine hoch ergänzende Partnerschaft. Doch nicht alle Anleger sollen mit dieser Entwicklung einverstanden sein.

New York - Auf dem europäischen Bankenmarkt bahnt sich womöglich eine Großfusion an, die die internationale Bedeutung deutscher Kreditinstitute sinken lassen könnte. Die niederländische ABN Amro  bestätigte erste Gespräche mit der britischen Barclays Bank .

Im Falle des Erfolges wäre es einer der größten grenzüberschreitenden Zusammenschlüsse der Branche in Europa. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" könnte eine Übernahme von ABN durch Barclays einen Wert von mehr als 80 Milliarden US-Dollar haben und mit Aktien und Barmitteln finanziert werden.

ABN Amro hat einen Börsenwert von derzeit rund 57 Milliarden Euro, die drittgrößte britische Bank Barclays kommt auf 44,3 Milliarden Pfund. Das sind umgerechnet 65 Milliarden Euro. Durch einen Zusammenschluss würde das nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Bankhaus Europas nach der HSBC entstehen.

Die vorerst letzte internationale Großfusion europäischer Banken war die Übernahme der HypoVereinsbank  durch die italienische Unicredit  im Jahr 2005. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte für sein Haus erst kürzlich einen Zusammenschluss mit einer anderen europäischen Großbank ausgeschlossen. Für ihn komme eine Fusion mit einer europäischen Großbank nicht in Frage, da mögliche Partner zu einem Umzug nach Deutschland nicht bereit seien. "Für uns ist dann damit das Gespräch beendet", sagte Ackermann.

Falls die Aktionärsmehrheit der Meinung sein sollte, dass es nicht mehr sinnvoll sei, die Deutschen Bank  von Deutschland aus zu führen, müsse sich das Management jedoch der Diskussion stellen.

ABN Amro steht dagegen durch den Einstieg des Hedgefonds TCI unter Druck, der in Deutschland vor Monaten die Fusion der Deutschen Börse  und der London Stock Exchange  verhindert hatte. TCI hatte eine Zerschlagung des holländischen Kreditinstitutes gefordert.Beobachter zeigten sich dennoch skeptisch, was den Erfolg der Gespräche anbelangt. Sie wiesen darauf hin, dass es schon seit längerem Gerüchte über ein Interesse von Barclays an dem niederländischen Konkurrenten gebe, bisher aber kein Deal zu Stande gekommen sei.

Auch in diesem Fall sollen die Aktionäre der beiden Unternehmen große Bedenken gegen eine mögliche Milliardenfusion der beiden Großbanken haben. Die Anteilseigner von ABN seien besorgt, dass sie bei einem Zusammengehen keine angemessene Prämie erhalten, schreibt die Zeitung "Daily Telegraph", ohne Quellen zu nennen. Die Barclays-Aktionäre ihrerseits befürchteten, dass ihr Investment unverhältnismäßig verwässert würde.

Mit ihrer globalen Reichweite gilt ABN Amro allerdings als eine attraktive Ergänzung für eine Reihe europäischer Banken. So sollen bereits die französischen Finanzkonzerne Societe Generale und BNP Paribas  Interesse an einem Deal signalisiert haben. ABN Amro ist im Mittleren Osten, Asien, Brasilien und Teilen Europas präsent, wie etwa in Italien. Zudem gehört die Chicagoer US-Bank LaSalle zum Konzern.

Der ABN-Amro-Aktienkurs stieg heute bisher um 4 Prozent, Barclays-Titel legten dagegen um gut 5 Prozent zu.

manager-magazin.de mit Material von dow jones, dpa, reuters und vwd