Airbus A350-Interessent aus Russland

Airbus winkt ein weiterer Großauftrag für den A350 XWB. Nach der arabischen Fluggesellschaft Qatar Airways hat nun auch die russische Aeroflot angekündigt, eine Bestellung für den Langstreckenjet aufgeben zu wollen. Damit sticht Airbus erneut das Boeing-Konkurrenzmodell Dreamliner aus.

Paris - Insgesamt will die russische Fluglinie 22 Maschinen des neuen Langstreckenjets A350 bestellen. Aeroflot wolle die Kaufverträge mit Airbus "in den kommenden Wochen" unterzeichnen, erklärte Fluglinien-Chef Waleri Okulow. Verhandlungen mit Boeing  über den 787 Dreamliner hätten sich festgefahren.

Beobachter hatten allerdings mit dem Zuschlag für Airbus gerechnet, da Russland die Hilfe des Airbus-Mutterkonzerns EADS  bei der Modernisierung seiner Flugzeugindustrie sucht. Die russische Staatsbank VTB hält gut fünf Prozent des EADS-Kapitals.

Für Airbus kommt die Nachricht trotzdem zu einem guten Zeitpunkt. Zuvor hatte schon Qatar Airways angekündigt, trotz aller Verzögerungen bei der Entwicklung des A350 an einer bereits früher geplanten Bestellung für den Langstreckenflieger festzuhalten - und sogar noch mehr Maschinen zu kaufen als zuvor angekündigt. Die Fluggesellschaft aus dem Emirat Katar hatte bereits 2005 eine Vorvereinbarung zum Kauf von 60 A350 vereinbart. Das zunächst als Weiterentwicklung der A330 geplante Modell musste nach Kundenkritik aber völlig überarbeitet und als A350 XWB neu aufgelegt werden. Die Entwicklung wurde dadurch mit zehn Milliarden Euro doppelt so teuer wie vorgesehen.

Aeroflot will auch A330-Flieger kaufen

Trotz dieser Probleme stehe man kurz davor, eine Absichtserklärung für den Kauf von A350-Maschinen zu unterzeichnen, sagte der Chef von Qatar, Akbar al-Baker, der britischen "Financial Times" heute. Dem Blatt zufolge geht es inzwischen sogar um die Bestellung von 80 Maschinen und damit um ein Transaktionsvolumen von rund 16 Milliarden Dollar - wobei Qatar sicherlich hohe Rabatte aushandeln konnte, weil das neue Langstreckenflugzeug nun erst ab 2013 bereit steht und damit fünf Jahre später kommt als das Konkurrenzmodell 787 von Boeing.

Weil die ersten A350 erst so spät fertig werden und auch die Boeing 787 auf fünf Jahre hinaus ausverkauft ist, will die russische Aeroflot auch noch 15 Flugzeuge des A350-Vorgängers A330 bestellen. So kann Aeroflot nach den Worten Okulows bei einer Bestellung im Frühjahr seine ersten A330 bereits im vierten Quartal 2008 erhalten. Auch Finnair hatte vergangene Woche neben zwei A350 XWB zur Lieferung ab 2014 noch sechs A330 und A340 bestellt, weil diese früher zur Verfügung stehen.

Airbus will wegen der hohen Nachfrage nach Langstreckenjets die Fertigung des A330 sogar bis Anfang 2008 von sieben auf acht Maschinen im Monat hochfahren. Für Mitte 2009 sind neun Flugzeuge je Monat geplant. Der Airbus A300 steht dagegen vor dem Aus. Ende Juli 2007 soll die Fertigung des ersten zweistrahligen Großraumflugzeugs der Welt eingestellt werden.

manager-magazin.de mit Material von SPIEGEL ONLINE und dpa-afx