Private Equity Warnung vor Überhitzung

Firmenjäger nehmen immer höhere Schulden auf, um Übernahmen zu stemmen: Der Verschuldungsgrad mancher Transaktionen sei inzwischen "grenzwertig", mahnt die Royal Bank of Scotland, europaweiter Marktführer bei der Finanzierung solcher Deals. Der Markt droht zu überhitzen.

Frankfurt am Main - "Der Markt muss vorsichtig sein", sagte Jochen König, zuständig für kreditfinanzierte Übernahmen (Leveraged Finance) bei der RBS in Deutschland.

Zwischen den Finanzinvestoren - aber auch den finanzierenden Banken - herrsche ein massiver Konkurrenzkampf. Mittlerweile gebe es Transaktionen, bei denen der in Kauf genommene Verschuldungsgrad "grenzwertig" sei.

Dennoch gehen die Experten der Royal Bank of Scotland  davon aus, dass die Private-Equity-Branche auch 2007 zulegen wird.

Beteiligungskapitalfonds kaufen Firmen, bauen sie um, senken Kosten, ergänzen sie durch Akquisitionen und verkaufen sie dann meist wieder mit hohem Gewinn. Renditen von über 30 Prozent sind keine Seltenheit. Möglich werden sie, indem die Käufe weitgehend über Bankkredite finanziert werden, die die erworbenen Firmen selbst schultern müssen.

Notenbanker und Finanzmarktexperten warnen, dass Private Equity Unternehmen wie ihre Kreditgeber immer gewagtere Wetten - wodurch die Risiken steigen, dass ein übernommenes Unternehmen in die Krise gerät.

Kredite reichen für Dax-Übernahme

Die jüngsten Einbrüche an den Aktienmärkten und die Krise im US-Immobilienmarkt dürften dem Boom der Branche nach Einschätzung Königs kaum einen Dämpfer geben. "Ich gehe davon aus, dass das nicht der Auslöser für eine größere Verwerfung sein wird", sagte der Banker. Bislang habe es keine Auswirkungen auf die Kreditmärkte gegeben. Er gehe davon aus, dass Finanzinvestoren in Europa - falls sie sich zusammenschließen - heute Kredite von bis zu 40 Milliarden Euro erhalten könnten.

Damit wären unter Einbeziehung von Eigenkapital Transaktionen von etwa 60 Milliarden Euro möglich - ein Volumen, mit dem die meisten Dax-Werte wohl zu stemmen wären.

Entschuldung schafft Begehrlichkeiten

Die Tatsache, dass deutsche Firmen in den vergangenen zwei Jahren ihre Verschuldung zurückgefahren haben und deutlich profitabler geworden sind, macht sie dabei nach Einschätzung der RBS als Ziel noch begehrter.

Die Konzerne hätten sich so zwar Handlungsspielraum geschaffen, sagte Achim Klüber, der das Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft im deutschsprachigen Raum leitet. Würden die Mittel jedoch nicht für Zukäufe, höhere Dividenden oder Aktienrückkäufe genutzt, rufe das Finanzinvestoren auf den Plan. Diese agierten nach dem Motto "Dann nutzen wir die Chancen für euch", sagte Klüber.

manager-magazin.de mit reuters

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