Altana Jetzt muss die Chemie stimmen

Ein Konzern schrumpft: Nach dem Verkauf seiner gewinnträchtigen Pharmasparte konnte Altana noch einmal mit Rekordzahlen glänzen. Doch trotz einer Sonderdividende von 33 Euro je Aktie bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Hamburg – Noch stehen die Zeichen bei Altana  überwiegend auf Abschied. Nachdem die Pharmasparte mit dem Magenmedikament Pantoprazol an den dänischen Konzern Nycomed verkauft wurde, wird der Konzern aus dem Börsenindex Dax fallen und spätestens ab September als Chemieaktie im MDax notieren.

Auch die Konzernzentrale wird verlegt. Der bisherige Hauptstandort Bad Homburg wird aufgegeben, Altana wird als reiner Spezialchemiekonzern ab dem 1. Juli aus Wesel in Nordrhein-Westfalen geführt. Bis dahin wird die zweigliedrige Holdingorganisation bei Altana allerdings noch beibehalten.

Abschied nehmen wird auch Vorstandschef Nikolaus Schweickart, der mit der Hauptversammlung Anfang Mai die Spitzenposition des Konzerns, den er 17 Jahre geführt hat, verlassen wird. "In den vergangenen zehn Jahren konnte Altana den Ebit-Gewinn jährlich um durchschnittlich 21 Prozent steigern - unterm Strich sicher eine Erfolgsbilanz für Nikolaus Schweickart", sagt Hanns Frohnmeyer, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, gegenüber manager-magazin.de.

Eine Erfolgsbilanz mit Wermutstropfen. Denn die ständigen Rekordzahlen waren vor allem einem Produkt zu verdanken, dem Blockbuster Pantoprazol. Schon früh warnten Branchenkenner vor der "Panto-Lücke", die entstehen würde, wenn die Patente für das Medikament ablaufen. Die Altana-Führung steuerte dieser Entwicklung jedoch viel zu spät und mit wenig Erfolg entgegen.

"In Deutschland ist der Umsatz mit Pantoprazol zuletzt wegen der Gesundheitsreform um 23 Prozent eingebrochen, in den USA ist der Absatz allerdings weiter steigend", berichtet Analyst Frohnmeyer. Doch die Aussichten sind schlecht, da die Patente auslaufen und gleichwertige Nachfolger nicht in Sicht sind.

"Die neuen Produkte haben die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Vielleicht hat der Erfolg des Gewinnbringers Pantoprazol hier etwas geblendet, es war aber auch Pech dabei", so der Branchenkenner. Die Konsequenz daraus wurde allen Beteiligten schnell klar, nachdem eine Partnersuche für die Pharmasparte gescheitert war. Mehrheitsaktionärin Susanne Klatten stellte daher die Weichen für den Verkauf des Bereichs mit den mauen Zukunftsaussichten.

Geldregen für Susanne Klatten

Geldregen für Susanne Klatten

Der aus dem Verkauf an die Dänen resultierende Veräußerungsgewinn wird nun komplett an die Aktionäre ausgeschüttet, zusammen mit der regulären Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr sind das insgesamt 4,7 Milliarden Euro – die Hälfte dieses Geldregens kassiert die Quandt-Erbin Klatten.

Für den verbliebenen Konzernteil heißt es nun, den Blick nach vorn zu richten. Der designierte Altana-Chef Matthias Wolfgruber, bislang Leiter der Chemiesparte, durfte am Donnerstag in Bad Homburg bereits das Zahlenwerk des abgelaufenen Geschäftsjahres und damit den letzten Rekord der beendeten Schweickart-Ära präsentieren.

Auf ihm liegen jetzt die Hoffnungen der Mitarbeiter für die Zukunft. Und die Zukunft heißt Spezialchemie. Hier soll der Umsatz von 1,34 auf 1,39 Milliarden Euro steigen – bescheidene Zuwächse im Vergleich zu dem, was man sonst bei Altana gewohnt war.

Die Weichen für ein stetiges Wachstum wurden hier jedoch schon vor zwei Jahren gestellt, als Altana Chemie für 630 Millionen Euro die Eckart-Gruppe übernommen hatte. Übernahmen in dieser Größeordnung dürften zunächst einmal nicht finanzierbar sein, ohne sich zu verschulden oder das Eigenkapital zu erhöhen.

Die Hürde liegt also fast unerreichbar hoch für Wolfgruber und das geschrumpfte Unternehmen: "Das letzte Geschäftsjahr der alten Altana AG war das erfolgreichste in der 30-jährigen Konzerngeschichte", so Schweickart, der künftig als Honorarprofessor tätig sein will.

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