Mittwoch, 18. September 2019

Werksschließung "Tschüss AEG"

Der letzte Geschirrspüler ist bei AEG Nürnberg vom Band gelaufen. Nach 85 Jahren zieht der Elektrolux-Konzern die Traditionsmarke nach Italien und Polen. Streiks und Krankmeldungen en masse blieben Protestzeichen, die nur ein vorgezogenes Aus bewirkten. Die Stimmung, die Ex-Angestellte vor dem Werkstor schildern, ist düster.

Nürnberg - Das Nürnberger AEG-Werk ist Geschichte. Am Mittwoch lief in der traditionsreichen Fabrik das letzte Hausgerät vom Band. Mit dem Ende der Geschirrspüler-Herstellung sei nun auch die letzte Produktionslinie gestoppt worden, sagte AEG-Betriebsratschef Harald Dix. Die Waschmaschinen-Fertigung war bereits am vergangenen Freitag beendet worden. Demontage-Trupps haben inzwischen mit dem Abbau der Anlagen für die Waschmaschinenfertigung begonnen. "In den leeren Hallen herrscht Friedhofsstille", schilderte Dix.

Schatten auf dem Marken-Logo: AEG-Schriftzug am Dach des Werks Nürnberg
Ursprünglich sollte die Fabrik mit ehemals 1700 Beschäftigten erst Ende 2007 geschlossen werden. Die Produktion wird nach Polen und Italien verlagert. Wegen des andauernd hohen Krankenstandes im Nürnberger Werk zog der schwedische Mutterkonzern Electrolux Börsen-Chart zeigen die Schließung aber um neun Monate vor. Nachdem das Produktionsziel von mehreren tausend Hausgeräten von Januar bis März mit Hilfe von Leiharbeitern erfüllt worden sei, wurden die Bänder laut Dix jetzt abgeschaltet.

Am Mittwochvormittag wurde der letzte Geschirrspüler hergestellt. Daran klebte ein Zettel: "Tschüss AEG!!! Letztes Gerät aus Nürnberger Produktion. 14. März 2007", stand darauf. Nach 85 Jahren AEG-Produktion in Nürnberg geht ein Stück Industriegeschichte zu Ende.

150 Millionen Euro für den Sozialplan

Ende März wechseln die 500 noch verbliebenen Mitarbeiter in die Qualifizierungsgesellschaft GPQ. 130 Mitarbeiter gehen in den Vorruhestand.

Er fühle sich sehr schlecht, sagt der Arbeiter Wolfgang Mirschberger vor dem Werkstor. "Ich bin 53 Jahre alt. Wer stellt mich denn jetzt noch ein?" Zwölf Jahre hat er im AEG-Werk gearbeitet. In Zukunft müsse er sich vielleicht mit Leih- und Zeitarbeit durchschlagen, fürchtet er. Auch für Mahmut Bayrak ist es nach 22 Jahren AEG ein bitterer Moment. Es sei unmöglich, nicht traurig zu sein. "Jetzt bin ich 56 Jahre, mit 60 gehe ich in Rente. Wie die Zeit dazwischen aussehen wird, weiß ich noch nicht", sagt er.

Auch aus Firmensicht sei "ein schwieriger Prozess zu Ende gegangen", stellt AEG-Sprecher Michael Eichel fest. Am 12. Dezember 2005 hatte Electrolux-Europachef Horst Winkler in Nürnberg das Aus für die Fabrik verkündet. Belegschaft und IG Metall kämpften im Winter 2006 mit einem 46-tägigen Streik gegen die Schließung, konnten sie aber nicht verhindern. In einem Sozialtarifvertrag wurden Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Vorruhestandsregelungen im Volumen von 150 Millionen Euro ausgehandelt.

Von Thomas Meiler und Britta Gürke, dpa

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