Aker Norweger will Werften verkaufen

Der größte Schiffbaukonzern Europas ist zu kaufen. Großeigner Kjell Inge Røkke will überraschend seinen 40-Prozent-Anteil an Aker Yards abstoßen. Davon sind auch zwei deutsche Werften betroffen. Beschäftigte fürchten den Einstieg eines Finanzinvestors.

Oslo/Wismar - Der norwegische Aker-Konzern  will seine Schiffbausparte Aker Yards verkaufen und stellt damit auch seine beiden deutschen Werften in Rostock-Warnemünde und Wismar mit zusammen 2300 Beschäftigten vor eine ungewisse Zukunft. Unmittelbar nach der überraschenden Bekanntgabe des Ausstiegs von Aker-Eigner Kjell Inge Røkke aus dem Schiffbau äußerten deutsche Gewerkschaftsvertreter am Mittwoch die Sorge, dass nun als "Heuschrecken" gefürchtete Finanzinvestoren zum Zuge kommen können.

Aker begründete die Verkaufsabsicht seines 40,1-Prozent-Anteils am größten europäischen Schiffbaukonzern mit der Absicht, Mittel zur Erschließung "neuer Geschäftsfelder" zu beschaffen. Der Werftenverbund hat seinen Börsenwert in den letzten drei Jahren verfünffacht. Der IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat von Aker Yards Germany, Rüdiger Klein, zeigte sich von der Entscheidung überrascht: "In der vergangenen Woche hatten wir eine Sitzung mit Vertretern aus Norwegen, da war von einem Verkauf noch keine Rede."

Selbst für Unternehmenschef Karl Erik Kjelstad kam die Mitteilung von der Muttergesellschaft überraschend: "Wir wussten wirklich von nichts." Auch Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) räumte ein, von der Nachricht überrascht worden zu sein. Er habe sofort Kontakt zur Werftleitung aufgenommen und werde in den nächsten Tagen weitere Gespräche führen.

Es sei ein ungeheuerlicher Vorgang, dass der Aufsichtsrat nicht im Vorfeld informiert worden sei, sagte Klein. "Das ist ein klarer Verstoß gegen das Prinzip der Mitbestimmung." Der norwegische Betriebsratschef Arne Otto Rogne forderte, Aker Yards zu verstaatlichen.

Auf den beiden deutschen Werften sind die Auftragsbücher bis 2010 gefüllt. Klein sagte, er glaube nicht, dass sich in Europa ein Schiffbaukonzern findet, der die Aker- Schiffbausparte übernehmen und die notwendige Umstrukturierung der deutschen Werften vom Container- zum Spezialschiffbau durchsetzen könne. Ein Sprecher des Stahlkonzerns ThyssenKrupp , der vier Großwerften in Deutschland betreibt, winkte am Mittwochnachmittag ab.

Stattdessen könnten Finanzinvestoren Interesse zeigen. "Und was dabei herauskommt, wissen wir ja", wetterte Klein. "Der Kredit für den Kaufpreis wird auf das Unternehmen abgewälzt, es gibt keine Investitionen mehr und das Unternehmen wird ausgeplündert, bis nichts mehr da ist."

Nach Osloer Medienangaben erwartet Aker, für die angebotenen 9,1 Millionen Aktien fünf Milliarden Kronen (616 Millionen Euro) einzunehmen. Weltweit betreibt das norwegische Unternehmen 17 Werften mit 20.000 Mitarbeitern und setzte 2006 25,9 Milliarden Kronen (3,2 Milliarden Euro) mit einem Nettogewinn von einer Milliarde Kronen um. Die Aktie von Aker Yards  fiel am Mittwoch um rund 12 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dow jones

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