DIW-Studie Klimawandel kostet Deutschland 800 Milliarden Euro

Der Klimawandel wird einer wissenschaftlichen Studie zufolge in Deutschland bis zum Jahr 2050 volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von insgesamt fast 800 Milliarden Euro verursachen, wenn keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Berlin - "Der Klimawandel würde damit in den kommenden 50 Jahren durchschnittlich zu realen gesamtwirtschaftlichen Wachstumseinbußen von bis zu 0,5 Prozentpunkten pro Jahr führen", erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin. Fast alle Wirtschaftszweige würden unter dem Temperaturanstieg leiden, vor allem die Finanzbranche und energieintensive Unternehmen. "Wir benötigen nichts Geringeres als eine Energierevolution", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert.

Zentrale Maßnahmen zum Gegensteuern seien Energiesparen, mehr Effizienz, ein Umstieg auf CO2-freie Kraftwerke und Antriebsstoffe sowie der Ausbau erneuerbarer Energien. "Die Kosten des Klimaschutzes sind deutlich geringer als die Kosten des Klimawandels", sagte Kemfert. Bis 2050 seien rund 260 Milliarden Euro notwendig, also sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Der Klimawandel verursache einerseits direkte Schäden: Durch Stürme und Hochwasser werden Infrastruktur und Gebäude beschädigt, heiße Sommer mit wenig Niederschlägen sorgen für Ernteausfälle. Das DIW beziffert diese Kosten für die kommenden 50 Jahre auf 330 Milliarden Euro. Hinzu kommen 170 Milliarden Euro für die Anpassung an die neuen Bedingungen. Beispielsweise müssten Deiche gebaut, Hitzewarnsysteme eingerichtet, Gebäude besser isoliert und gekühlt werden. Schließlich wird nach Einschätzung des DIW Energie deutlich teurer, weil den Kraftwerken bei Wasserknappheit das Kühlwasser fehlt und der Ölpreis durch Wirbelstürme erheblichen Preissprüngen ausgesetzt ist. Die erhöhten Energiekosten belasten die Volkswirtschaft bis 2050 mit rund 300 Milliarden Euro. Davon müssten die Verbraucher einen Großteil tragen: Ein Durchschnittshaushalt hätte pro Jahr 250 Euro mehr für Strom und Wärme zu schultern.

Die meisten Wirtschaftszweige wären mit negativen Folgen konfrontiert. Die höchsten Anpassungskosten würden energieintensive Branchen wie Metallerzeugung und Chemie haben.

Große Rückversicherer etwa könnten bis 2050 mit Zusatzkosten von bis zu 100 Milliarden Euro rechnen. Das Gesundheitswesen müsste sich unter anderem auch auf Krankheiten wie Malaria vorbereiten, die es bisher nur in tropischen Gebieten gab. Einbußen würde auch der Skitourismus erleiden: "Eine globale Temperaturveränderung um ein Grad würde dazu führen, dass etwa 60 Prozent der heutigen Wintersportgebiete in Deutschland keinen Schnee mehr aufweisen", schrieb das DIW. Schließlich würde bei extremer Hitze auch die Arbeitsproduktivität sinken. Profitieren dürften hingegen einige Tourismusgebiete in Nord- und Ostdeutschland, sowie die Anbieter erneuerbarer Energie.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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