Escada Zerreißprobe

Der Machtkampf an der Spitze des Modekonzerns Escada steuert auf seinen Höhepunkt zu. Gelingt es Großaktionär Rustam Aksenenko vor der Hauptversammlung einen AR-Vormann seiner Wahl zu installieren, könnte der Posten von Vorstandschefs Frank Rheinboldt schnell frei werden.

München - Der Aufsichtsrat des Luxusmodeherstellers Escada  hat sich nach Angaben des Unternehmens doch noch auf sechs Kandidaten für den künftigen Aufsichtsrat geeinigt. Damit könne die Hauptversammlung des vom Streit zwischen Großaktionär Rustam Aksenenko und dem Management gebeutelten Unternehmens am 14. Mai abgehalten werden, teilte Escada am Montag mit.

Das Aktionärstreffen war ursprünglich für den 3. April angesetzt, musste aber abgesagt werden, da sich der Aufsichtsrat nicht rechtzeitig auf Kandidaten einigen konnte.

Aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr manager-magazin.de, die Verzögerung habe sich ergeben, weil kurzfristig zwei Kandidaten erklärt hätten, sie ständen für die Wahl nicht mehr zur Verfügung. Namen wurden nicht genannt. Einig waren sich die Aufsichtsräte aber auch im zweiten Anlauf nicht. Der Beschluss sei mehrheitlich - also nicht einstimmig - gefallen, betonte Escada.

Die sechs Vertreter der Kapitalseite im Escada-Aufsichtsrat müssen in diesem Jahr turnusmäßig neu gewählt werden. Aufsichtsratschef Peter Zühlsdorff hat erklärt, er stehe nach zehn Jahren nicht mehr zur Verfügung. Der 66-Jährige gilt als Unterstützer des amtierenden Vorstandschefs, Frank Rheinboldt, der seit 16 Jahren bei Escada ist. Das Verhältnis zwischen Zühlsdorff und Escada-Großaktionär Aksenenko, der mit 25,5 Prozent den größten Aktienanteil hält, gilt dagegen nicht als freundschaftlich.

Sechs Anonyme für den Aufsichtsrat

Die Namen der sechs Kandidaten nannte Escada auch auf Nachfrage nicht. Sie sollen in den nächsten Tagen mit der Tagesordnung veröffentlicht werden. Im Unternehmensumfeld hieß es, dass der 32-jährige Großaktionär Aksenenko und der Unternehmensberater Jean-Marc Loubier als gesetzt gälten. Beide gehören dem Gremium seit dem vergangenen Jahr an.

Aksenenko hatte kritisiert, der Umbau des Unternehmens gehe ihm nicht schnell und weit genug. Er könnte den 40-jährigen Vorstandschef Rheinboldt ablösen und durch einen Gefolgsmann ersetzen lassen, wie manager magazin bereits im Februar exklusiv berichtete. Dazu habe er sich bereits die Unterstützung des 69-jährigen Unternehmensgründers Wolfgang Ley gesichert, der mit knapp zehn Prozent an Escada beteiligt ist.

Die anderen Großaktionäre Schroders Fund (17 Prozent) und die spanische Investorengruppe Bestinver (14 Prozent), die ihre Anteile in den vergangenen Jahren beständig aufgestockt hatten, äußerten sich bisher nicht zu dem Disput über den Escada-Vorstandschef. Allerdings ist bereits bekannt, dass beide Investoren mit einer vom Beratungsunternehmen Bain vorgelegten Studie zu Escada vertraut sind.

Die von Aksenenko in Auftrag gegebene Analyse weist nach Informationen von manager magazin unter anderem aus, dass Mitbewerber von Escada im Schnitt 15.000 Euro Umsatz pro Quadratmeter erwirtschaften - der Münchener Modekonzern kommt laut Bain-Bericht nur auf 8000 Euro.

Rückstand zu Vuitton, Hermès, Prada

Rückstand zu Vuitton, Hermès, Prada

In dem Machtkampf um die Neuausrichtung der Luxusmarke steht also auf der einen Seite Konzernchef Rheinboldt, der behutsam versucht, die Marke von ihrem angestaubten "Goldknopf-Image" aus den 80er Jahren zu befreien. Auf der anderen Seite steht Aksenenko, dem die angestrebten Veränderungen nicht schnell und weit genug gehen.

Der Ausgang der Streits könnte darüber entscheiden, ob die Mode aus Deutschland in der internationalen Liga der Luxusmarken wie Louis Vuitton, Hermès oder Prada wieder mitspielen kann.

Mit seinem Anteil kann Großaktionär Aksenenko bei der Neuausrichtung von Escada ein wichtiges Wort mitreden. "Herr Aksenenko glaubt an Escada", sagte ein Sprecher seiner Finanzgesellschaft Finartis. Zu Spekulationen über eine geplante Ablösung des Vorstandschefs wollte er sich nicht äußern. Auch ein Escada-Sprecher gab dazu gegenüber manager-magazin.de keinen Kommentar ab.

Accessoire-Geschäft als Zankapfel

Rheinboldt hat sich dem steigenden Druck des Großaktionärs bisher nicht gebeugt. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet der Betriebswirt an einem Facelifting-Programm für die Marke Escada: Die Mode wurde neu gestylt, Escada-Shops von ihren alten Fassaden befreit und komplett renoviert, die Firmenstrukturen abgespeckt.

Das lukrative Geschäft mit Accessoires wie Gürteln und Taschen, mit denen die Konkurrenz viel Geld verdient, soll deutlich ausgebaut werden. Um die bestehende Kundschaft nicht zu verschrecken, will Rheinboldt aber auch nicht zu radikal vorgehen. "Evolution statt Revolution", ist sein Motto.

Aksenenko reicht das offenbar nicht. Nach einem Umsatzrückgang im ersten Quartal machte er seinem Ärger auch öffentlich Luft. Die Zahlen könne man nicht als Erfolg werten, ließ er erklären.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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