Endesa-Poker Die Hoffnung stirbt zuletzt

Eon gibt sich im Ringen um Endesa zuversichtlich. Der Energiekonzern kämpft mit satten Gewinnen und Unterstützung der EU im Rücken weiter um eine Übernahme des spanischen Konkurrenten. Sollten die Pläne scheitern, schloss Eon erstmals nicht aus, auch eine Minderheitsbeteiligung zu akzeptieren.

Düsseldorf - Nach langem Kampf gegen politische Widersacher in Spanien will sich Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat die Übernahme von Endesa  auch nicht durch immer neue Konkurrenz vereiteln lassen. Eon  habe seine Pläne trotz aller Widerstände konsequent vorangetrieben, sagte Bernotat am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. "Von diesem Kurs lassen wir uns auch durch die Entwicklung der letzten Woche nicht abbringen."

Der italienische Konkurrent Enel hatte in der vergangenen Woche 22 Prozent von Endesa gekauft. Darüber hinaus hält der spanische Mischkonzern Acciona, der die Eon-Akquisition verhindern will, ein Paket von 21 Prozent. Enel  und Acciona  könnten Eon daher zusammen mit einigen anderen Anteilseignern die Mehrheit an Endesa streitig machen. Beide haben erklärt, ihr Paket möglicherweise auf je knapp 25 Prozent auszubauen.

Erstmals schloss Eon allerdings öffentlich nicht aus, bei Endesa auch eine Minderheitsbeteiligung zu akzeptieren. Nach dem Ablauf der Angebotsfrist am 29. März werde der Konzern die Lage prüfen, sagte Bernotat. Theoretisch sei es möglich, dass Eon auch eine Minderheitsbeteiligung akzeptiere. Ein Ausstieg aus dem Projekt sei ebenso denkbar wie die Erlangung einer Mehrheit, sagte der Vorstandschef.

Er habe keine Hinweise, dass Enel, Acciona und andere Gruppen zusammenarbeiteten, sagte Bernotat weiter. Eon werde sich nun um Kontakt zu Enel bemühen, um die Motive für den Einkauf bei Endesa herauszufinden. Spekulationen über einen Einstieg bei Enel wies er zurück. "Wir haben keine Enel-Aktien", sagte er. Eon sei allerdings mit Acciona und dem weiteren Endesa-Großaktionär Caja Madrid im Gespräch.

Gute Geschäftszahlen geben Rückenwind

Gute Geschäftszahlen geben Rückenwind

Bislang sind Eon nach den Worten von Vorstandschef Wulf Bernotat lediglich rund ein Prozent der Endesa-Aktien zum Kauf angeboten worden. Die Offerte über insgesamt 41 Milliarden Euro läuft bis zum 29. März und ist an eine Mindestannahme von 50,1 Prozent gekoppelt. Eine niedrige Annahmequote sei normal in so einem frühen Stadium eines Übernahmeangebots, begründete Bernotat die geringe Resonanz. Zudem hätten viele Anleger auf die Hauptversammlung von Endesa gewartet.

Die eigentlich für den 20. März geplante außerordentliche Hauptversammlung, auf der über die bisher von Eon geforderten Satzungsänderungen entschieden werden sollte, sagte Endesa am Mittwoch wieder ab. Eon war von dieser Bedingung am Dienstagabend im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung aber wieder abgerückt - mit der Begründung, den Übernahmeprozess beschleunigen zu wollen. Bernotat verwies aber darauf, dass die "nicht mehr zeitgemäßen" Beschränkungen bei den Stimmrechten zu einem späteren Zeitpunkt nach einer Übernahme noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt werden sollten.

Eon sind derzeit die Hände gebunden: Weder dürfen die Düsseldorfer nach spanischem Recht Endesa-Aktien während des laufenden Angebots kaufen, noch dürfen sie ihre Offerte über 38,75 Euro je Aktie erhöhen.

Rückenwind erhält der größte deutsche Energiekonzern durch die Ergebnisse des vergangenen Jahres, die es in der prall gefüllten Konzernkasse weiter klingeln lassen. Der Umsatz stieg dank erhöhter Strom- und Gaspreise um 21 Prozent auf 67,8 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte zwölf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro zu. Im laufenden Jahr sollen das bereinigte Ebit und der Überschuss leicht zulegen.

Während die Geschäftszahlen über den Erwartungen der Analysten lagen, war bei der Dividende von einigen mehr Großzügigkeit erwartet worden. Der Dax-Konzern will 3,35 Euro je Papier zahlen. Analysten hatten mit 3,43 Euro gerechnet. Für 2005 hatte Eon einschließlich einer Sonderdividende sieben Euro gezahlt. Die Aktie des Energieversorgers legte zwischenzeitlich um 1,4 Prozent zu.

Brüssel macht Druck

Brüssel macht Druck

Mehr als die Zahlen stand jedoch die weitere Strategie bei der Endesa-Übernahme im Mittelpunkt der Bilanzpressekonferenz, zu der auch zahlreiche spanische Journalisten anreisten. Eon hatte am Vorabend seine Forderung nach einer Satzungsänderung bei Endesa fallen gelassen, die Enel und die spanische Acciona mit ihren 21 Prozent möglicherweise verhindern könnten. "Deshalb konzentrieren wir unsere Anstrengungen jetzt auf das Erreichen einer größtmöglichen Annahmequote", sagte Bernotat.

Unterdessen setzte Brüssel der spanischen Regierung eine letzte Frist von sieben Tagen, um eine Reihe von Auflagen zurückzuziehen, die sie Eon gemacht hatte. Zieht Madrid diese nicht zurück, will die EU-Kommission nach Angaben vom Mittwoch eine Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) anstrengen. Es wäre bereits die zweite Klage in diesem Fall.

Die Forderungen der spanischen Regierung an Eon seien illegal, sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Mittwoch in Brüssel. Deshalb werde das laufende Verfahren der Kommission wegen des Bruchs von EU-Recht verschärft. Die Brüsseler Wettbewerbshüter sehen durch die Hürden ihre alleinige Kompetenz zur kartellrechtlichen Freigabe der Übernahme verletzt, die Kroes bereits gewährt hat.

Die Auflagen Madrids für Eon schreiben unter anderem vor, dass Endesa-Vermögenswerte auf den Balearen und den Kanarischen Inseln sowie in den nordafrikanischen Exklaven Melilla und Ceuta nach einer Übernahme während fünf Jahren nicht verkauft werden dürfen. Auch müsse die Marke Endesa für ebenfalls fünf Jahre beibehalten werden. In den Kraftwerken dürfe nur Kohle aus heimischer Produktion verfeuert werden. Die Regierung in Madrid ist der Ansicht, dass die Bedingungen legal sind und unter anderem dazu dienen, die heimische Stromversorgung zu sichern.

"Wir werden nicht einfach dastehen und zusehen, wie den Unternehmen illegale Hürden auferlegt werden", sagte der Kommissionssprecher. Bereits im September hatten die Wettbewerbshüter frühere Hürden für unrechtmäßig erklärt, die die spanische Energie-Regulierungsbehörde CNE aufgestellt hatte. Vor dem EuGH ist wegen CNE mittlerweile eine Klage der Kommission gegen die spanische Regierung anhängig.

Die ungewöhnlich kurze Frist für eine Reaktion von nur sieben Werktagen sei angemessen und zeige die Dringlichkeit des Falls, sagte der Sprecher. "Die spanische Regierung hat reichlich Gelegenheit gehabt, die Entscheidungen der Kommission zu hinterfragen und sie umzusetzen." Das Ultimatum habe auch nichts mit dem jüngsten Einstieg des italienischen Versorgers Enel bei Endesa zu tun. "Die Kommission ist da völlig neutral. Das ist Sache des Marktes."

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa, dow jones und dpa-afx