DaimlerChrysler Absage an Auktionsverfahren

Der DaimlerChrysler-Konzern will seine verlustreiche US-Tochter Chrysler nicht versteigern. Die Optionen schlössen "nicht die Form eines Auktions-Prozesses" ein, erklärte ein Konzernsprecher. Auch zu einem Verkauf an einen chinesischen Autobauer ging Konzernchef Dieter Zetsche auf Distanz.

Genf - Der deutsch-amerikanische Autokonzern DaimlerChrysler  hat eine Versteigerung seiner verlustreichen US-Tochter ausgeschlossen. Die Optionen für die US-Tochter schlössen "nicht die Form eines Auktions-Prozesses" ein, sagte ein DaimlerChrysler-Sprecher am Mittwoch auf dem Autosalon in Genf.

DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hatte Mitte Februar angekündigt, alle Optionen zu prüfen, um die Zukunftsaussichten für Chrysler und den Konzern zu verbessern.

Damit hatte er erstmals eine Abtrennung oder einen Verkauf von Chrysler offen in Erwägung gezogen, was der DaimlerChrysler-Aktie kräftigen Auftrieb gab. Die Zeitung die "Welt" zitierte Zetsche am Mittwoch in diesem Zusammenhang mit den Worten: "Alle Optionen beinhalten auch die Option des Status quo."

Spekulationen um eine Abspaltung der defizitären US-Tochter oder einen Verkauf an einen chinesischen Autobauer dämpfte der DaimlerChrysler-Chef. "Die Chrysler Group ist sehr integriert", sagte Zetsche der "New York Times". Die technischen Produktionsabläufe und Plattformen seien nicht entsprechend der Marken getrennt, eine Auftrennung wäre daher schwierig. Analysten hatten zuvor spekuliert, DaimlerChrysler könnte den US-Autobauer in seine Einzelmarken Chrysler, Jeep, Dodge und Plymouth aufspalten und diese dann einzeln veräußern.

"Maximale Flexibilität"

Maximale Flexibilität

Einer Abspaltung des Finanzierungs- und Leasinggeschäfts von Chrysler stehe der Konzernchef dagegen aufgeschlossen gegenüber, berichtete die Zeitung weiter. Es gebe verschiedene Modelle, wie ein Autobauer sein Finanzierungsgeschäft organisieren könne. Eine Möglichkeit sei ein von der Muttergesellschaft unabhängiger Finanzierer. Er wünsche sich "maximale Flexibilität", wurde Zetsche zitiert.

Auf Distanz ging der Topmanager auch zu einem möglichen Verkauf der US-Tochter an einen chinesischen Autobauer, über den zuletzt spekuliert wurde. "Es gibt Möglichkeiten, die wir in Betracht ziehen, und andere, bei denen wir dies weniger tun", sagte er laut "Handelsblatt" am Rande des Autosalons in Genf. Früheren Medienberichten zufolge sollen drei chinesische Autobauer, darunter Chery, an einem Einstieg bei Chrysler interessiert sein.

Unterdessen fordert der Autobauer in den USA offenbar Zugeständnisse der Gewerkschaften bei den Gesundheitskosten. Laut einem Bericht der "Financial Times" drohte der Autobauer, sich in dieser Frage ansonsten mit den anderen zwei großen US-Autobauern zu verbünden. Die enormen Gesundheitskosten spielen bei Chrysler eine nicht unerhebliche Rolle.

Manager-magazin.de mit material von reuters, dow jones und dpa