EADS Ein Konzern als "Wahlkampf-Geisel"

Vom neuen Mitglied im Verwaltungsrat der Airbus-Mutter EADS erwartet sich Frankreichs Wirtschaftsminister Thierry Breton eine straffere Führungsstruktur. In jedem Fall dürfte Michel Pébereau für eine Stärkung der französischen Interessen sorgen. Konzernchef Louis Gallois sorgt sich, dass der Konzern weiter politisiert wird.

Paris/Hamburg - Airbus braucht in den kommenden Jahren "unter fünf Milliarden Euro" externer Finanzmittel. Die Kapitalerhöhung sei aber "nicht dringlich", denn die Kassen seien noch voll, sagte Airbus-Chefs Louis Gallois am Dienstag im französischen Rundfunk. "Der Verwaltungsrat schließt aber eine Kapitalerhöhung nicht aus". Die privaten Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler  wollen sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligen. Der französische Staat ist dazu bereit.

Konzernkreise beziffern den externen Finanzbedarf dagegen auf bis zu sieben Milliarden Euro. Die Unternehmensmutter EADS  will für zehn Milliarden Euro das Langstreckenflugzeug A350 entwickeln. Der Hauptteil der Kosten soll in den Jahren 2010 bis 2013 anfallen. "EADS hat kein Finanzproblem" und "verfügt bis 2010 über ausreichende Barmittel", erklärte der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton, der auch ein wichtige Personalie bei Airbus bekanntgab.

Experten schätzen, dass EADS derzeit zwei Milliarden Euro in der Kasse hat. Das von einem Auftrags- und Produktionsrekord profitierende Unternehmen hat auch hohe Verschuldungskapazitäten.

Gallois verspricht Sozialplan

Bei der Sanierung von Airbus soll es keine Entlassungen ohne Sozialplan geben, bekräftigte Gallois. Der Abbau von 10.000 Stellen in Europa in den kommenden vier Jahren werde über Frühruhestandsregelungen oder freiwillige Austritte geschehen, sagte er dem französischen Radiosender RTL.

Am Vortag hatten in Frankreich 20.000 Airbus-Mitarbeiter gegen das Sparprogramm Power 8 demonstriert. In dem Interview signalisierte Gallois Verhandlungsbereitschaft über die Umsetzung des Plans. Am 14. März werde es ein Treffen mit Arbeitnehmervertretern geben. "Es gibt einen Prozess, wir nehmen uns die notwendige Zeit." Der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) hat Airbus-Mitarbeiter in ganz Europa für den 16. März zum Protest aufgerufen. Reagiere der Konzern nicht, komme es zum "totalen Streik", sagten Gewerkschafter.

Pébereau soll Führungssystem umbauen

Pébereau soll Führungssystem umbauen

Wirtschaftsminister Breton bestätigte am Mittwoch, dass der französische Staat den Präsidenten der Großbank BNP Paribas , Michel Pébereau, als seinen Vertreter in den EADS-Verwaltungsrat schicken wird. Dieser Platz ist vakant, seit Gallois Airbus-Chef wurde.

Der Verwaltungsrat soll an diesem Donnerstag in Amsterdam die Bilanzzahlen 2006 billigen. Dem "Figaro" zufolge hat Pébereau die dezidierte Aufgabe, den Aktionärspakt sowie das bisher duale Führungssystem von Grund auf zu reformieren. Der Bankmanager hat Erfahrungen in deutsch-französischen Kooperationen (BNP-Dresdner Bank) und war vehement für ein Bündnis der Börsen von Frankfurt und Paris eingetreten.

"Pébereau wird zur Stabilität von EADS beitragen", sagte Breton am Mittwoch in einem Radiointerview mit Europe 1. Bereits im Jahr 2005 hatte Breton Pébereau mit der Bildung einer Kommission beauftragt, die Frankreichs Schulden untersuchen sollte.

Airbus darf nicht Wahlkampf-Geisel werden

Das französische Lager wird mit der Personalie und dem vorgegebenen Auftrag gegenüber dem deutschen Lager gestärkt, wenn es um Maßnahmen zur Restrukturierung des Kapitals der (EADS) und seiner Airbus-Sparte geht.

Pébereau ist Non-Executive Chairman der Pariser Bank BNP Paribas SA. Er ersetzt den ehemaligen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Noel Forgeard bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern. Franzosen und Deutsche haben je vier Aktionärsvertreter im "Board".

Bankmanager Pébereau hat Erfahrungen in deutsch-französischen Kooperationen (BNP-Dresdner Bank) und hatte vehement für ein Bündnis der Börsen von Frankfurt und Paris gekämpft.

Gallois nahm Großaktionär Arnaud Lagardère gegen den Vorwurf in verschiedenen Medien erhobenen Vorwurf in Schutz, nur Jahr für Jahr hohe Dividenden zu kassieren, sich aber nicht um EADS zu kümmern. Lagardère verteidige im Verwaltungsrat aktiv die französischen Interessen.

Zum Vorschlag des Premierministers Dominique de Villepin, EADS solle auf Dividenden verzichten und das Geld lieber investieren, sagte Gallois, eine solche Entscheidung sei Sache der Aktionäre. Es sei "nicht anormal", dass sich die Politik für Airbus interessiere, denn das Unternehmen sei "durch politischen Willen entstanden". Doch Airbus dürfe nicht "Geisel des Wahlkampfes" werden.

Hubschrauber-Geschäft brummt

Hubschrauber-Geschäft brummt

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rief die Politik im Streit um die Anteilseigner bei EADS zur Zurückhaltung auf: Auch wenn jetzt im französischen Wahlkampf "Forderungen nach Veränderungen" kämen, "sollte man an den Eigentumsstrukturen zumindest in den nächsten drei Jahren nichts ändern, sagte BDI-Chef Jürgen Thumann der "Frankfurter Rundschau" (Mittwochausgabe). Die bisherige Gesellschafterstruktur bei EADS habe sich bewährt. "Auf mittlere Sicht sollten die beteiligten Länder gemeinsam ihre Anteile und damit ihren Einfluss verringern", forderte Thumann.

Freude macht dem Airbus-Konzern die Tochter Eurocopter. Der Hubschrauberhersteller hat bei einer Branchenmesse Anfang März mehr Aufträge erhalten als jemals zuvor. Insgesamt seien 112 Maschinen bestellt worden, das Unternehmen mit. Dabei handle es sich um 88 feste Bestellungen und Optionen auf 24 weitere Hubschrauber. Die meisten Aufträge seien von Kunden aus Nordamerika eingegangen.

Die Hubschraubersparte macht bei EADS etwa zehn Prozent des Umsatzes aus. Den weitaus größeren Teil bringt die Flugzeugtochter Airbus, die wegen Lieferschwierigkeiten beim Riesen-Flugzeug A380 derzeit in einer Krise steckt.

Bundesregierung beharrt auf "Power 8"

Die Bundesregierung wies Spekulationen zurück, das gerade erst beschlossene Airbus-Sanierungsprogramm "Power8" könnte wieder aufgeschnürt werden. "Wir gehen davon aus, dass jetzt dieses Konzept weiterverfolgt und umgesetzt wird", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Er reagierte damit auf Forderungen französischer Politiker nach Verhandlungen über die Umsetzung des Plans. "Power 8" biete "bei allen Härten die Chance, dass Airbus sich am Markt so positioniert, dass es zukunftsfähig ist", sagte Steg.

Zurückhaltend äußerte er sich zum Vorstoß der französischen Regierung, sich an einer etwaigen Kapitalerhöhung bei der Airbus-Mutter EADS beteiligen zu wollen oder ihren Anteil aufzustocken. Ob das Unternehmen noch in diesem Jahr eine entsprechende Initiative ergreife "kann ich nicht beurteilen. Ich kann es nicht ausschließen", sagte Steg.

Er betonte, dass Änderungen am Aktionärspakt, der die deutsch-französische Machtbalance festschreibt, nur mit Zustimmung der Anteilseigner erfolgen könnten. Der Grundgedanke der Partnerschaft sei jedoch das Erfolgsrezept und solle beibehalten werden, sagte Steg .

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, vwd, reuters