MAN Das große Gehen

Im Ringen um eine Lkw-Allianz baut Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seine Machtposition bei MAN weiter aus. Mit dem Einzug Piëchs ins Kontrollgremium des Nutzfahrzeugherstellers geben fünf Aufsichtsräte ihre Posten ab.

München - Der Aufsichtsrat von MAN  beschloss am Dienstag, Piëch bei der Neuwahl des Kontrollgremiums am 10. Mai als Kandidaten vorzuschlagen. Piëch strebt laut Branchenkreisen den Chefsessel im Aufsichtsrat des Münchner Lastwagen- und Maschinenbauers an. Auch zwei Vertraute des VW-Patriarchen stellen sich zur Wahl: der Chef der VW-Nutzfahrzeugsparte, Stephan Schaller, sowie der Vorstandsvorsitzende von Audi , Rupert Stadler.

Der bisherige MAN-Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz, der den Vorsitz möglicherweise für Piech räumen muss, stellt sich wieder zur Wahl für das Kontrollgremium. Neben Piëch, Schaller und Stadler nominierte der scheidende MAN-Aufsichtsrat den BayernLB-Vorstand Stefan Ropers und den früheren Münchner-Rück-Vorstand Heiner Hasford als neue Mitglieder.

Fünf bisherige Aufsichtsräte werden das Gremium verlassen: Der Aufsichtsratschef von Continental , Hubertus von Grünberg, legte seinen Aufsichtsratssitz bei MAN zugunsten von Stadler sofort nieder, der Aufsichtsratschef von BMW , Joachim Milberg, sowie Herbert Demel, Klaus Eberhardt und Hanns-Helge Stechl kandidieren nicht mehr für den neuen MAN-Aufsichtsrat.

Milberg will offenbar Interessenkonflikte vermeiden, wenn Vertreter des BMW-Konkurrenten VW in dem MAN-Gremium das Sagen haben. Demel war 1994 von Piëch zum Chef von Audi  gekürt und drei Jahre später nach Brasilien strafversetzt worden.

Interessenskonflikte befürchtet

Interessenskonflikte befürchtet

Die Wolfsburger, die sowohl bei MAN als auch bei Scania  größter Einzelaktionär sind, wollen das geplante Lkw-Bündnis voranbringen. Am Mittwoch teilte VW mit, seinen Anteil bei Scania auf mehr als 20 Prozent erhöht zu haben, was den Angaben zufolge 35,31 Prozent der Stimmrechte entspricht.

In die Dreier-Fusion möchte VW auch das eigene Nutzfahrzeuggeschäft in Brasilien einbringen. Vergangene Woche hatte der Konzern seinen Anteil an MAN auf 29,9 Prozent aufgestockt, um mehr Einfluss zu haben. Die turnusgemäße Neuwahl des MAN-Aufsichtsrats auf der Hauptversammlung kommt VW dabei zugute. Die zehn Vertreter der Kapitalseite werden für fünf Jahre neu bestimmt.

Beim schwedischen Lastwagenbauer Scania soll Martin Winterkorn Chefaufseher werden. Der neue VW-Vorstandschef, der ebenfalls als Vertrauter Piechs gilt, löst auch hier Bernd Pischetsrieder ab, seinen Vorgänger an der VW-Spitze.

Mit dem Einzug der VW-Vertreter in die Aufsichtsräte der beiden Nutzfahrzeugkonzerne MAN und Scania befürchten Aktionärsschützer Interessenkonflikte. "Das ist eine Dreieckskonstellation, die nicht glücklich ist", erklärte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Wenn sie in konkurrierenden Unternehmen im Aufsichtsrat sind, können sie schwer gleichzeitig den Interessen beider Unternehmen dienen. Da sind Interessenkonflikte sehr wahrscheinlich."

Der Einzug von VW-Vertretern in die Kontrollgremien der beiden Lkw-Bauer verstoße aber offenbar nicht gegen die Empfehlungen des Coporate Governance Kodex, sagte der Sprecher weiter. "Bei konkurrierenden Unternehmen im selben Markt ist das immer schwierig." Im Grunde könne fast jede strategische Entscheidung des einen Unternehmens das andere beeinflussen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa-afx