EADS/Airbus Frankreich stellt Doppelspitze in Frage

Die Regierung in Paris hat angekündigt, sich an einer Kapitalerhöhung beim Mutterkonzern EADS beteiligen zu wollen. Damit steht das deutsch-französische Führungsmodell zur Disposition. Der französische Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy fordert, sein Land solle die industrielle Führung erhalten.

Hamburg/Paris - Die Reihe der Proteste gegen den Umbau des europäischen Flugzeugbauers Airbus geht weiter. Am heutigen Dienstag haben die französischen Gewerkschaften zu einem landesweiten Aktionstag gegen das Sanierungskonzept "Power8" aufgerufen, mit dem das angeschlagene Unternehmen aus der Krise fliegen möchte. Die deutschen Gewerkschaften haben einen europaweiten Aktionstag am 16. März angeregt.

Frankreich hat unterdessen seinen Führungsanspruch beim Airbus-Mutterkonzern EADS  angemeldet. Die französische Regierung kündigte an, sie sei bereit, sich "zusammen mit den anderen Aktionären" an einer Kapitalerhöhung bei EADS zu beteiligen. In diesem Fall müsse aber auch das Führungsmodell mit den deutsch-französischen Doppelspitzen überprüft werden, verlangte Premierminister Dominique de Villepin.

"Es wäre vielleicht nötig, ernsthaft über die Möglichkeit zu diskutieren, nur noch einen Verantwortlichen zu haben", sagte Finanzminister Thierry Breton. In den nächsten Monaten werde allerdings noch keine Kapitalerhöhung stattfinden. Der Grund dafür liege in den ausreichenden Barbeständen der EADS. "EADS hat keine finanziellen Probleme", sagte Breton dem Radiosender "France Inter". Der Zeitpunkt werde in ein, zwei oder drei Jahren kommen, wenn das Unternehmen Kapital zur Entwicklung neuer Flugzeuge benötige.

Dagegen berichtet das "Handelsblatt" EADS wolle bei der Hauptversammlung am 4. Mai eine Kapitalerhöhung beschließen. Unter Berufung auf Unternehmenskreise hieß es am Montag, der Konzern wolle damit in diesem Jahr zwei bis drei Milliarden Euro für die A350 einsammeln.

Unterdessen hat sich der französische Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy für ein Ende der deutsch-französische Parität beim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ausgesprochen. "Wir sollten mit dieser französisch-deutschen Gleichheit aufhören und einfach die besten Leute nehmen, um die besten Entscheidungen zu treffen", sagte er am Montag nach einem Treffen mit Vertretern der Airbus-Gewerkschaften.

Ein einziger Hauptaktionär solle die industrielle Führung bei dem Konzern innehaben und etwa über das Management entscheiden können. Derzeit liegt die industrielle Führung bei EADS bei den Großaktionären DaimlerChrysler und dem französischen Medienkonzern Lagardere. Der französische Staat ist mit 15 Prozent an EADS beteiligt, sein Einfluss ist jedoch begrenzt. Zur Überwindung seiner Krise will Airbus 10.000 Stellen streichen und sechs seiner 16 Werke ganz oder teilweise verkaufen.

Auch Opposition fordert französische Vormacht

Auch Opposition fordert französische Vormacht

Die Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler  wollen sich auf ihre Kerngeschäfte Medien und Auto konzentrieren. Damit stünde der Aktionärspakt zur Disposition, der aktuell 57,9 Prozent des Kapitals bündelt. DaimlerChrysler stellt 22,47 Prozent, von denen 7,5 Prozent ohne Stimmrecht an Bundesländer und Banken abgegeben werden. Spanien stellt 5,48 Prozent und die Franzosen 29,95 Prozent, wovon Lagardère 7,5 Prozent über Wandelanleihen auf Termin abgetreten hat und weitere 7,5 Prozent abgeben will. Der Pakt schreibt vor, dass die Regierungen sich aus der Unternehmensführung heraushalten, selbst wenn sie - wie Frankreich und Spanien - Großaktionäre sind.

Nicht nur die aktuelle Regierung in Paris, auch die französische Opposition pocht auf eine aktive Rolle bei EADS und Airbus. Die Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten, Ségolène Royal, will an diesem Dienstag bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein Moratorium bei der Umsetzung von "Power8" werben. Merkel hatte den Sanierungsplan bisher gelobt. Die Bundesregierung betont weiterhin, dass die Führungsstrukturen mit der dominierenden Rolle von Deutschen und Franzosen nach einem möglichen Einstieg neuer Investoren nicht verändert werden dürften. "Wir sollten derzeit keine weiteren Anteilseigner in den Aktionärspakt von EADS dazu nehmen", sagte Merkel der "Süddeutschen Zeitung" (Montag).

Widerstand in der Belegschaft

Vergangene Woche hatte sich der Außenminister des Öl-Emirats Katar mit dem französischen Regierungschef Villepin getroffen, um über einen EADS-Einstieg zu reden. Die staatliche russische Bank VTB hatte vergangenes Jahr über die Börse bereits eine Beteiligung von gut fünf Prozent erworben.

Der Widerstand in der Airbus-Belegschaft gegen die Einschnitte durch das Sanierungsprogramm "Power 8" bleibt unterdessen hart. In den drei deutschen Werken Varel, Nordenham und Laupheim lief die Arbeit am Montag nach mehrtägiger Unterbrechung nur schleppend wieder an. Nach Berichten aus der Belegschaft sind viele Beschäftigte verbittert über die harten Maßnahmen des Sanierungsplans "Power8" und wollten "Dienst nach Vorschrift" machen. Die Gewerkschaften planen einen europaweiten Aktionstag, als Termin ist der 16. März im Gespräch. Bei dem Termin handele es sich um einen deutschen Vorschlag, der noch mit den Gewerkschaften in Frankreich, Spanien und Großbritannien abgestimmt werden müsse, hieß es.

Die französische Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) will die Verlagerung der Produktion des Airbus A320 von Toulouse nach Hamburg verhindern und dafür notfalls die Flugzeugfertigung blockieren. Die neue deutsch-französische Arbeitsteilung bei Airbus sei unannehmbar, sagte der Chef von FO-Airbus, Julien Talavan, der Pariser Finanzzeitung "La Tribune". Für diesen Dienstag haben die französischen Gewerkschaften zu einem landesweiten Aktionstag gegen "Power8" aufgerufen.

Am Montag traf der Europa-Betriebsrat in Toulouse mit dem Airbus- Management zusammen. Die Arbeitnehmervertreter erhofften sich von den Gesprächen mehr Details zu den Sanierungsmaßnahmen. Es ist immer noch unklar, wie sich der geplante Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen auf die einzelnen Werke verteilen soll.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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