Strommarkt Deutsche Bank für Zerschlagung

Die Deutschen Bank unterstützt die EU-Forderung nach Abspaltung der Stromnetze aus dem Eigentum der Energiekonzerne. Wettbewerb statt "Monopolrenditen" fordern die Analysten des Geldhauses in einer Studie.

Frankfurt am Main - Die Analysten der Deutschen Bank haben sich für eine eigentumsrechtliche Entflechtung der Energiekonzerne stark gemacht. In einer am Montag veröffentlichten Studie unterstützten die Branchenexperten des Geldhauses Forderungen der EU-Kommission nach einer Trennung von Netz und Vertrieb beziehungsweise Erzeugung.

"Dass die Versorger beides kontrollieren, ist derzeit das Kardinalproblem im europäischen Energiemarkt", sagte Josef Auer, Senior Economist im Energieteam von Deutsche Bank Research, am Montag in Berlin.

"Ideal wäre eine vollständige Trennung der Stromerzeugung von den Netzen", sagte er bei der Vorstellung der Studie. "Bis dato ermöglichen die Leitungsmonopole den Stromkonzernen, die Konkurrenten klein und die Preise hoch zu halten", hieß es weiter. Politisch durchsetzbar ist nach Meinung Auers allerdings maximal ein unabhängiger Netzbetreiber. Ein solcher würde zugleich auch eine kostenträchtigere Regulierung bedeuten.

Ausgangsposition "alles andere als harmonisch"

Derzeit fehle noch ein echter Energie-Binnenmarkt in der EU, was unter anderem zu "Unterinvestitionen und Versorgungsengpässen" führe, kritisierte Auer. "Mit Marxismus hat das nichts zu tun", sagte Auer gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Es geht uns einfach um mehr Wettbewerb - im rein marktwirtschaftlichen Sinne."

Der Branchenexperte spricht in seiner Marktanalyse auch davon, dass "Monopolrenditen" erwirtschaftet wurden. "Die jahrzehntelange Akkumulation von Kapital - auch für den Ausbau der Netze - kam nicht zuletzt deshalb zustande, weil in Deutschland kein Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten stattfand." Insofern erscheine die Eigentumsfrage "in einem anderen Licht".

Erfolg der Initiative beim EU-Gipfel bleibt fraglich

Nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter sind von dem in dieser Woche stattfindenden EU-Gipfel keine Weichenstellungen für eine Besserung zu erwarten. Angesichts des politischen Kalenders mit anstehenden Wahlen in verschiedenen Ländern sei die Ausgangsposition "alles andere als harmonisch", sagte Walter.

Er erwarte keine strategischen Energie-Entscheidungen von dem Gipfel - allenfalls ein Verständnis dafür, dass sich die derzeitige Situation im Energiebereich nicht noch weiter verschlechtern dürfe.

Nach Einschätzung der Deutschen-Bank-Analysten kommt der Vorstoß der EU-Kommission für eine umfassende neue Energiepolitik dennoch "zur rechten Zeit". Es habe zuletzt "dramatische Entwicklungen" auf dem Energiemarkt gegeben. Sie zeigten, dass der heutige Energiemix in Europa nicht nachhaltig und mehr Umweltschutz nötig sei. Auch sei die Wettbewerbsfähigkeit im Stromsektor noch längst nicht erreicht. "Es ist höchste Zeit zu handeln", so Analyst Auer.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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