Mittwoch, 29. Januar 2020

Iran-Kriegsszenario Dramatische Folgen für die Finanzmärkte

2. Teil: Die drei Angriffsszenarien

Die drei Angriffsszenarien

Zwar halten die Autoren der Studie "Attacking Iran", die im Januar veröffentlicht wurde, einen bevorstehenden Angriff für unwahrscheinlich. Zu geschwächt seien die Regierungen der Iran-Gegner USA und Israel, zu groß die Hoffnung auf einen friedlichen Regimewechsel. Andererseits sehen Robertson und Cliffe auch Argumente für Militäraktionen gegen den Iran: Die Bedrohung der Existenz Israels durch den Iran beispielsweise. Oder die Furcht, die islamische Republik könnte bald über eigene Atomwaffen verfügen.

Gottfried Heller, Chef der Fiduka Depotverwaltung in München, sieht drei mögliche Varianten eines Angriffs auf den Iran. Szenario 1: Die USA starten gezielte Bombenangriffe von ihren Flugzeugträgern aus - ähnlich wie im Irak-Krieg - und zerstören so die iranischen Atomanlagen.

Szenario 2: Israel, das sich in seiner Existenz bedroht sieht, bombardiert strategische Ziele im Iran und erhält Flankenschutz von den Flugzeugträgern der USA. Ein ähnlicher Angriff erfolgte bereits Anfang der 80er Jahre, als die Israelis im Irak einen Atomreaktor zerstörten.

Szenario 3: Die USA eröffnen neben dem Irak einen zweiten Kriegsschauplatz und marschieren in den Iran ein. "Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt", so Heller, "ist gleich null." Anders in den ersten beiden Fällen: Zu 30 bis 40 Prozent könne man davon ausgehen, dass Israel oder die USA iranische Anlagen bombardieren.

Dow Jones: Irak-Krieg frühzeitig einkalkuliert
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Dow Jones: Irak-Krieg frühzeitig einkalkuliert
Die zentralen Risiken eines militärischen Angriffs sind spätestens seit dem Irak-Krieg bekannt: Anstieg des Ölpreises, Absturz der Aktienkurse, Schwäche des Dollars. Doch der dritte Golfkrieg taugt nur bedingt zum Präzedenzfall. Damals hatten Kriegsrhetorik und militärische Bündnispolitik der USA bereits Monate zuvor auf eine baldige Attacke hingedeutet. Finanzinvestoren, Händler und Manager rechneten fest mit einem Angriff und kalkulierten ihn frühzeitig ein. Ergebnis: Als die Vereinigten Staaten im März 2003 die ersten Bomber losschickten, zeigte der Dow-Jones-Kurs schon wieder steil nach oben (siehe Chart). Der Ölpreis sank auf unglaubliche 24 Dollar pro Fass.

"Ein schneller Überraschungsangriff auf die iranischen Nuklearanlagen könnte eine viel stärkere Marktreaktion hervorrufen, als wir sie im Fall des Iraks gesehen haben", heißt es in der ING-Studie. Fraglich ist auch, ob die Händler an den Finanz- und Rohstoffmärkten noch an die Mär vom schnellen Präventivkrieg glauben.

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