KarstadtQuelle Turnaround angekündigt

Beinahe hätte KarstadtQuelle bereits im vergangenen Jahr den Break-even erreicht, erklärte Vorstandschef Thomas Middelhoff. Nun ist das Ziel auf dieses Jahr verschoben - ebenso wie der Börsengang von Neckermann. Die Aktie soll im Frühjahr 2008 starten. Vorher wird die Thomas-Cook-Aktie in London gelistet werden.

Essen - Nach der Expansion in der Touristik-Sparte will der Essener KarstadtQuelle-Konzern  nun auch sein Warenhausgeschäft kräftig ausbauen. "Wir werden in den kommenden zwei Jahren rund 470 Millionen Euro in die Warenhäuser investieren", kündigte Konzernchef Thomas Middelhoff bei einem Gespräch am Rande einer Veranstaltung in Hongkong an. Beim Versand als dem Sorgenkind des Konzerns rechne man noch in diesem Jahr mit der Ertragswende.

"Es gibt einen Megatrend hin zu einer Rückbesinnung zu den Innenstädten", zeigte sich der Konzernchef überzeugt. Mit künftig etwa zehn Warenhäusern in der Sparte "Premium" und derzeit noch 82 Häusern unter der einheitlichen Dachmarke "Karstadt" sowie 32 Sporthäusern wolle das Unternehmen in den jeweiligen Regionen eine führende Position im Handel einnehmen. Dabei schloss Middelhoff aber nicht aus, dass man sich im Laufe dieses Prozesses von weiteren Häusern trennen könne.

Im operativen Geschäft strebe man Renditen von bis zu 10 Prozent bei den Premium-Häusern an. Für die Karstadt-Häuser rechne man mit einer so genannten Ebitda-Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von acht Prozent. Mit der Stärkung von so genannten Eigenmarken wolle das Unternehmen dabei seine Erträge steigern. Ziel sei es, den Anteil der 53 Eigenmarken am Umsatz von derzeit 23 Prozent auf 50 Prozent mehr als zu verdoppeln.

Neue Waren schneller in die Regale

Mit der Eröffnung eines eigenen Design-Zentrums für Textilien in Hongkong werde dabei die Umsetzung von neuen Trends für die Eigenmarken des Unternehmens deutlich beschleunigt. Während die Umsetzung der Trends bislang zwischen vier und sechs Monate in Anspruch genommen habe, sollen die neuen Waren künftig nach nur sechs bis acht Wochen in den Regalen liegen. Unterstützt werde Karstadt dabei von dem chinesischen Partner Li und Fung, der etwa für die Auswahl der Fabriken und die Beschaffung der Stoffe verantwortlich sei.

Der Versandhandel von Neckermann und Quelle sei "gut" ins Jahr gestartet, so Middelhoff. Bereits im vergangenen Jahr sei die nun für 2007 erwartete Trendwende greifbar nahe gewesen. Man habe den Break-even im vergangenen Jahr fast erreicht, im laufenden Jahr werde KarstadtQuelle den Turnaround schaffen.

Quelle verzeichnete seinen Angaben zufolge im vierten Quartal 2006 mehr Kunden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Trend habe sich Anfang 2007 fortgesetzt. Mit steigenden Umsätzen bei Quelle rechnet Middelhoff aber zeitversetzt erst im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres.

Banken bremsen Börsengang

Banken bremsen Börsengang

Quelles stationäre Filialen, die Quelle-Technik-Center, haben sich als besonders verlustträchtig erwiesen. "Quelle hat 70 Prozent ihres Geldes im stationären Bereich verloren", sagte Middelhoff, der diese Entwicklung durch eine Kooperation mit der Verbundgruppe ElectronicPartner stoppen will. ElectronicPartner soll künftig die Quelle Technik-Center betreiben. "In ein bis zwei Jahren sollte sich das Problem der Technik-Center erledigt sein", sagte er.

Der ursprünglich noch für dieses Jahr geplante Börsengang von Neckermann werde in das Frühjahr 2008 verschoben. Dabei schwebe ihm die Ausgabe von Neckermann-Gratisaktien an die Holding-Aktionäre vor, die für drei Jahre auf eine Dividende verzichtet hätten, sagte Middelhoff.

"Die beratenden Banken empfehlen uns einen Börsengang im ersten Quartal 2008, damit wir die Ergebnisentwicklung 2007 mitnehmen können und auch die Budgetzahlen 2008 in die Bewertung mit einfließen", sagte Middelhoff. "Dies wird zu einer deutlich besseren Bewertung führen", fügte er hinzu.

Thomas Cook auf Wachstum in Asien einrichten

Schneller wird der Börsengang von Thomas Cook erfolgen. Erst vor wenigen Wochen hat der Essener Konzern die Übernahme des ausstehenden 50-Prozent-Anteils an Thomas Cook von der Deutschen Lufthansa  abgeschlossen und kurz darauf die Übernahme des britischen Touristikkonzerns MyTravel  angekündigt. Der fusionierte Konzern soll als Thomas Cook plc an der Londoner Börse gelistet werden. "Der Börsenprospekt wird derzeit erstellt und soll Anfang April veröffentlicht werden", sagte Middelhoff.

KarstadtQuelle wird 52 Prozent an der Thomas Cook plc halten, dieser Anteil ist nach gegenwärtigen Börsenkurs der in London gelisteten MyTravel derzeit rund 1,6 Milliarden britische Pfund, umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro wert.

Middelhoff sieht vor allem in Asien ein großes Wachstumspotenzial für Thomas Cook. Im Nahen Osten arbeite der nach der Tui nunmehr zweitgrößte Touristikkonzern Europas bereits mit einem strategischen Partner zusammen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, vwd

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