EADS/Airbus Frankreich erhebt sich

Frankreichs Gewerkschafter nehmen den Sanierungsplan für den Flugzeugbauer Airbus nicht an, weil er die deutschen Werke des Unternehmens bevorteile. Prompt kündigt der französische Premierminister Dominique de Villepin an, noch heute mit dem Airbus-Management reden zu wollen. Allerdings nur mit den französischen Airbus-Managern.

Hamburg - Die französische Gewerkschaft Force Ouvrière will die Verlagerung der Produktion des Airbus A320 von Toulouse nach Hamburg verhindern und dafür notfalls die Flugzeugfertigung blockieren.

Die neue deutsch-französische Arbeitsteilung bei Airbus sei unannehmbar, sagte der Chef von FO-Airbus, Julien Talavan, der Pariser Finanzzeitung "La Tribune". "Wir sind bereit, die Fertigung der Flugzeuge zu blockieren."

"Bisher war die Aufgabenverteilung annähernd ausgeglichen", sagte Talavan. "Toulouse fertigt derzeit 17 A320 und Hamburg 17 bis 19 A318, A319 und A321. Toulouse wird seine Produktion auf 14 senken müssen." Hamburg werde also als einziger Standort von der Aufstockung der Produktion der A320-Familie auf bis zu 45 Maschinen profitieren.

Das Nachfolgemodell solle ganz nach Hamburg kommen. "Die französischen Werke verlieren auch Kompetenzen, die nach Deutschland verlagert werden: Die Stromgeneration und die Verantwortung für den Rumpf, der drei Viertel der Beschäftigung in der Produktion ausmacht."

Talavan verlangte das Festhalten der EADS-Tochter Airbus an den Werken Méaulte und Saint-Nazaire Ville und politischen "Druck auf die Europäische Zentralbank zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der Wechselkurse von Euro und Dollar". Die ganze Energie, die in den Sanierungsplan "Power8" fließen solle, müsse "für die Regelung der Probleme bei der Fertigung des A380 verwendet" werden.

Für diesen Dienstag haben die französischen Gewerkschaften zu einem Aktionstag gegen "Power8" aufgerufen. Dabei sollen neben den Airbus-Werkern auch die Beschäftigten der Zulieferbetriebe demonstrieren, deren Arbeitsplätze nach Einschätzung der FO noch stärker gefährdet sind als die von Airbus.

Merkel gegen russische Partner

Merkel gegen russische Partner

Der französische Premierminister Dominique de Villepin kündigte unterdessen an, noch heute mit der französischen Führungsspitze des EADS-Konzerns über die geplanten Stellenstreichungen bei der Tochter Airbus zu reden. Am Vormittag wolle er mit Airbus-Chef und EADS-Co-Chef Louis Gallois sowie mit dem EADS-Chairman Arnaud Lagardere telefonisch in Kontakt treten, kündigte Villepin bei einem Besuch einer Landwirtschaftsmesse am Montag an.

Die Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten, Ségolène Royal, will bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein Moratorium bei der Umsetzung von "Power8" werben und im Tauziehen um die Sanierung alle Kräfte in Frankreich sammeln. "In Deutschland hat sich eine Einheit gebildet", sagte sie am Montag. Das müsse auch in Frankreich geschehen. Die internen politischen Gräben müssten überwunden werden.

Zugleich bekräftigte Royal den Vorstoß von acht betroffenen Regionen, nach dem Vorbild mehrerer Bundesländer als Aktionäre bei der Airbus-Mutter EADS einzusteigen. Die Regierung müsse so schnell wie möglich die verfassungsgemäßen Voraussetzungen dafür schaffen. Darüber hinaus sprach sich Royal dafür aus, dass Paris seine Beteiligung bei EADS ausbaut. "Der Staat muss aufhören zu denken, dass der Markt alleine alles regeln" könnte, sagte sie in Paris. Zudem forderte sie staatliche Unterstützung für die Entwicklung neuer Airbus-Flugzeuge, damit das Unternehmen konkurrenzfähig bleibe.

Auch ihr Mitbewerber um die französische Präsidentschaft, Nicolas Sarkozy, sieht Rettungsbedarf. Airbus sei ein europäischer Erfolg und ein technologisch fortschrittliches Unternehmen, das man nicht niedergehen lassen könne, betonte er. Und fügte hinzu: "Wir haben Alstom gerettet, als ich mich darum gekümmert habe. Warum dann nicht auch Airbus."

Dem Sparprogramm "Power8" zufolge werden bei Airbus in den nächsten vier Jahren 10.000 Stellen wegfallen, davon 3700 in Deutschland. Die Werke in Varel und im baden-württembergischen Laupheim werden womöglich verkauft. Für das Werk in Nordenham wird ein Partner gesucht.

Der Airbus-Betriebsrat im niedersächsischen Werk Varel (Kreis Friesland) hat deshalb ersatzweise von Airbus Investitionen gefordert, um die Produktionsstätte zukunftsfähig zu machen. Ein Verkauf habe keine Vorteile, sagte der stellvertretende Betriebsrat Jürgen Blümel am Montag im Bayerischen Rundfunk. "Wir sind hocheffizient aufgestellt, wir sind hoch motiviert und haben die flexibelsten Arbeitszeiten", sagte Blümel.

Als möglicher Partner für Airbus insgesamt wurde zuletzt auch die russische Flugzeugindustrie genannt. Dagegen hat sich allerdings bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgesprochen. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Merkel, sie sei zwar "grundsätzlich" dafür, dass sich Russland auch in Europa wirtschaftlich engagiere. Allerdings sollten bei EADS "derzeit keine weiteren Anteilseigner in den Aktionärspakt" mit aufgenommen werden.

Gleichwohl unterstütze sie eine engere industrielle Kooperation im Flugzeugbau, "so wie EADS es schon begonnen hat", sagte Merkel.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und vwd

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