Deutsche Bahn Bessere Schienen, längere Fahrzeiten

Die Deutsche Bahn sorgt mit ihrem Schienen-Sanierungsprogramm für Irritationen. Kunden müssen sich auf längere Fahrzeiten einrichten. Politiker und der Bundesrechnungshof werfen den Bahn-Managern vor, die Wartung ihres Schienennetzes über Jahre hinweg vernachlässigt zu haben.

Berlin - Reisende der Deutschen Bahn müssen sich im Fernverkehr vom Frühjahr an auf längere Fahrzeiten einstellen. Dann sollen umfangreiche Baumaßnahmen zur Instandhaltung des 34.000 Kilometer langen Schienennetzes beginnen. In der Hauptbauphase bis Oktober seien wichtige Strecken zum Teil für einige Wochen nur eingleisig befahrbar, kündigte Bahn-Vorstand Stefan Garber am Freitag in Berlin an.

Mit dem auf drei Jahre angelegten Programm ProNetz solle die Bahn fit gemacht werden. Es solle aber nicht zusätzliches Geld bereitgestellt werden. CDU, FDP und Grüne warfen dem Unternehmen vor, zu wenig für die Instandhaltung auszugeben. Sie sahen Vorwürfe des Bundesrechnungshofs bestätigt, die Bahn habe über Jahre hinweg die Wartung ihres Schienennetzes vernachlässigt. Nach Unterlagen des Konzerns will dieser bis 2011 zudem mehr als 4000 Stellen bei der Netztochter DB Netz abbauen.

"Wir haben kein marodes Schienennetz"

Über die Beeinträchtigungen im Reiseverkehr will die Bahn ihre Fahrgäste rechtzeitig informieren. Insgesamt gebe es 2007 über 3000 große Baumaßnahmen. Davon seien etwa 130 so gravierend, dass gesondert darauf hingewiesen werde, kündigte Garber an. In der Mehrzahl handele es sich um Teilsperrungen von einigen Tagen oder Wochen. So werde die Strecke Hamburg-Hannover mehrere Wochen lang halbseitig gesperrt, um 28 Kilometer Gleise auszuwechseln. Vollsperrungen werde es nicht geben.

"Es wird nicht weniger Züge geben, sondern Fahrzeitverlängerungen durch Umleitungen", sagte Garber. Der Vorstand wies entschieden Vorwürfe zurück, die Bahn vernachlässige die Instandhaltung. "Um es mal ganz klar zu machen: Wir haben kein marodes Schienennetz", sagte Garber. Es gebe keine Sicherheitsprobleme.

Er räumte aber ein, dass es bei den Instandhaltungsausgaben "keine wesentliche Steigerung der Mittel" gebe. Sie lägen 2007 etwa 20 bis 30 Millionen Euro über den 1,65 Milliarden Euro von 2006. Davon fließt allerdings nur ein Teil in das Schienennetz, da diese Mittel nach Lesart der Bahn auch Ausgaben für Bahnhöfe und im Energiebereich abdecken sollen.

"Von Sanierungsoffensive kann keine Rede sein"

Die Politik warf der Bahn dagegen vor, sie halte frühere Vereinbarungen mit dem Bund nicht ein. Im Jahr 2001 habe sie dem Bund Instandhaltungsausgaben von jährlich rund 1,6 Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren zugesagt, erklärten Experten von FDP und Grünen. Entgegen der Bahn-Darstellung beziehe sich diese Vereinbarung nur auf das Netz.

Stattdessen gebe die Bahn nach Garbers Angaben vor Mitgliedern des Verkehrsausschusses des Bundestages nur etwa 1,35 Milliarden Euro für die laufende Instandhaltung des Netzes aus. "Schon deswegen kann von einer jetzt eingeleiteten Sanierungsoffensive keine Rede sein", sagte FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich. Grünen-Bahnexperte Winfried Hermann monierte, der tatsächliche Sanierungsbedarf bleibe unklar.

Auch die CDU bescheinigte der Bahn, sie habe die Infrastruktur nicht sorgsam gepflegt. Die grundsätzlichen Vorwürfe des Bundesrechnungshofs, der Konzern habe die Wartung des Netzes vernachlässigt und weniger als dafür nötig ausgegeben, seien berechtigt, erklärte Unions-Verkehrsexperte Dirk Fischer. Der Steuerzahler müsse nun für teure Ersatzinvestitionen aufkommen, weil eine präventive Instandhaltung unterlassen worden sei.

Für solche Ersatzinvestitionen stellt der Staat jährlich 2,5 Milliarden Euro bereit. Mit dem Programm ProNetz werden nach Garbers Worten die Infrastrukturausgaben von 1,6 Milliarden Euro stärker auf den Oberbau konzentriert - also Schienen, Schwellen und Weichen. 2007 würden mehr als 2000 Weichen ausgetauscht, etwa 5500 Kilometer Schienen gewechselt und fast fünf Millionen neue Schwellen eingebaut.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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