Airbus Puttfarcken verteidigt Management

Die Airbus-Mitarbeiter in Laupheim, Varel und Nordenham werden Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken heute einen ungemütlichen Empfang bereiten. Rund 22.000 Beschäftigte werden heute in Betriebsversammlungen auf die Sparpläne reagieren - Puttfarcken will von Fehlern des Managements jedoch nichts wissen.

Varel - Airbus Deutschland-Chef Gerhard Puttfarcken besucht nach Angaben des Unternehmens heute die von der Herauslösung aus dem Konzern bedrohten Werken Laupheim, Varel und Nordenham. Er werde die Pläne erklären, um Verständnis werben und Fragen beantworten, hieß es.

Puttfarcken begründete die geplante Restrukturierung auch mit der Finanzierung wichtiger Projekte in der Zukunft, die sehr teuer seien. "Wir brauchen mehrere Schultern, auf denen wir diese Lasten verteilen können. Deswegen die Suche nach Partnern." Nach seiner Ansicht hinkt die Luftfahrt-Industrie bei Veränderungen hinterher.

Puttfarcken hat den Vorwurf von Managementfehlern im Unternehmen zurückgewiesen. Grund für den Abbau von Arbeitsplätzen und den Verkauf von Werken sei der Kapitalbedarf für Zukunftsprojekte, sagte er am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Viele Industrien hätten diese Veränderungen bereits hinter sich. "Wir in der Luftfahrtindustrie hinken da hinterher."

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee kündigte unterdessen Nachverhandlungen mit der Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS  an. "Die Politik wird Einfluss nehmen", sagte der SPD-Politiker. "Jetzt müssen wir alle Spielräume ausnutzen, um noch mehr Jobs zu erhalten." Das technologische Know-how bei Airbus dürfe nicht mit den Arbeitsplätzen verloren gehen.

Puttfarcken zeigte sich verhandlungsbereit. Es wäre falsch, wenn kein Verhandlungsspielraum mehr bestünde, sagte der Manager. Das Unternehmen sei am Anfang eines Prozesses, der auch einen Dialog mit Gestaltung zulasse.

Streiks am Dienstag in Frankreich

Frachtversion des A380 wird ausgesetzt

Unterdessen wurden am Donnerstag ein neuer harter Einschnitt bei Airbus bekannt. Der Flugzeugbauer hat alle Arbeiten an der Frachtflugzeugversion des Riesenairbus A380 bis auf weiteres gestoppt. Diese bleibe zwar ein wichtiger Teil des Programms, doch der Konzern habe beschlossen, sich in der aktuellen Situation auf die Passagierversion zu konzentrieren, sagte ein EADS-Sprecher.

Er sprach von einem vorübergehenden Aussetzen der Arbeiten. Die IG Metall Küste zeigte sich überrascht von dem Schritt. "Das wurde nicht mit den Arbeitnehmervertretern abgesprochen", sagte Gewerkschaftssprecher Heino Bade der Nachrichtenagentur AP.

Streiks am Dienstag in Frankreich

In Frankreich haben die Gewerkschaften für kommenden Dienstag zu einem Streik bei Airbus aufgerufen. Damit solle gegen das Sanierungsprogramm protestiert werden, hieß es nach einem Treffen von Vertretern der Gewerkschaftsdachverbände CGT, FO, CFDT, CFTC und CGC am Freitag in Toulouse. Die Beschäftigten aller französischen Airbus-Werke sollen am 6. März von 9.30 Uhr bis 14.30 Uhr die Arbeit niederlegen, wie eine CGC-Sprecherin mitteilte.

Airbus will sich im Rahmen des Programms "Power 8" von 10.000 Mitarbeitern trennen, davon 3700 in Deutschland. Auf Entlassungen will die Konzernführung aber verzichten und setzt stattdessen auf freiwilliges Ausscheiden und natürliche Fluktuation. Außerdem sollen Werke verkauft werden. Dagegen laufen Arbeitnehmervertreter Sturm. Der angekündigten Stellenabbau und Werksverkäufe würden so nicht akzeptiert, sagte die Vorsitzende der IG Metall Küste, Jutta Blankau. Sie kündigte einen europaweiten Aktionstag in zwei Wochen an.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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