Talanx Erst Zukäufe, dann Börsengang

Deutschlands drittgrößter Versicherer Talanx hat seine Bereitschaft zu milliardenschweren Zukäufen bekräftigt. Im Anschluss daran will das Unternehmen so rasch wie möglich an die Börse.

München - Firmenchef Herbert Haas sagte am Donnerstag bei einer Branchentagung in München, Interesse bestehe vor allem an Akquisitionen in Italien, Frankreich, Spanien und Osteuropa. "Wir schauen uns alles an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist." Gespräche würden immer wieder geführt. Vor allem Italien habe ein "enormes Potenzial bei der Altersvorsorge."

Dort kam der Talanx-Konzern, der ein Auge auf die Versicherungsgruppe der Banca Monte dei Paschi geworfen hatte, zuletzt allerdings doch nicht zum Zuge.

Zukäufe in Deutschland stünden dagegen nicht auf der Agenda, nachdem Talanx zuletzt das operative Geschäft des Kölner Rivalen Gerling übernommen hatte. "Wir wollen weg von der Deutschland-Lastigkeit", sagte Haas. Gerling müsse zunächst integriert werden.

Gemessen an den Prämieneinnahmen macht Deutschland in der Erstversicherung derzeit 71 Prozent aus. Haas möchte diesen Anteil auf 55 bis 60 Prozent reduzieren.

Rascher Börsengang nach Akquisition

Nach einer größeren Übernahme mit einem Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro werde Talanx "sehr rasch" an die Börse gehen, ergänzte der Vorstandschef. "Der Börsengang wird erfolgen, die Frage ist nur wann."

Derzeit habe das Unternehmen einen Wert von rund sechs Milliarden Euro und könnte durch eine Platzierung von Aktien bis zu sechs weitere Milliarden einnehmen.

Talanx ist Mehrheitseigentümer des weltweit viertgrößten Rückversicherers Hannover Rück . Dies werde auf absehbare Zeit auch so bleiben, versicherte Haas. In der Beteiligung schlummerten noch stille Reserven von 1,2 Milliarden Euro.

Talanx ist eine Finanz- und Managementholding, die zu 100 Prozent dem Versicherer HDI aus Hannover gehört. Im vergangenen Jahr hatte Talanx operativ rund 1,2 Milliarden Euro verdient.

manager-magazin.de mit reuters