HP Pelzer Firmengründer sorgt für Eklat

Als Spezialist für Dämmstoffe bemüht sich der Autozulieferer Pelzer eigentlich um leise Töne. Doch jetzt sorgte Firmengründer Helmut Pelzer für einen lauten Knall, der den Fortbestand des Unternehmens und damit die Belieferung der Autohersteller gefährden könnte.

Hamburg - Die Logos fast aller bekannten Automarken finden sich auf der Homepage des Automobilzuliefers HP Pelzer. Das 1969 gegründete Unternehmen aus Witten hat sich auf akustische Systeme und Verkleidungsteile von Fahrzeugen spezialisiert und beschäftigt in 30 Werken weltweit etwa 4000 Mitarbeiter.

Vor einigen Jahren rutschte das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, hohe Investitionen waren nötig. Banken bewilligten daraufhin Kredite in Höhe von rund 200 Millionen Euro, verabschiedeten sich aber schnell wieder. Der geschäftsführende Gesellschafter Helmut Pelzer musste sich um eine Refinanzierung kümmern.

Es fanden sich diverse Gläubiger, darunter die Bayerische Landesbank und einige Hedgefonds. Als dann aber die Geschäftszahlen der Pelzer Gruppe unerwartet schlecht ausfielen und bei Weitem nicht der Grundlage der Finanzierung entsprachen, steigerte sich die Schieflage bei Pelzer zu einer Dauerkrise.

Das Vertrauen der Gläubiger war erschüttert. Einigkeit herrschte nur noch darüber, dass die Zukunft lediglich mit frischem Geld gesichert werden könne. Rettung versprach die Beteiligungsgesellschaft MVB - ein Experte für Krisenunternehmen. Und siehe da: Man schien sich einig, im Dezember 2006 konnte der mehrheitliche MVB-Einstieg bei Pelzer vermeldet werden.

Auch Firmengründer Pelzer begrüßte den neuen Eigner zunächst freundlich. Man sei erfreut und überzeugt, mit dem neuen Investor auch in Zukunft Erfolg zu haben, hieß es in einer Pressemitteilung. MVB setzte Rolf Kusebauch und Norbert Schwella als Mitgeschäftsführer bei HP Pelzer ein. Beruhigt zeigte sich daraufhin auch die Automobilindustrie, man wähnte die Probleme bei dem Zulieferer nun in trockenen Tüchern.

MVB-Manager wieder abberufen

MVB-Manager wieder abberufen

Doch der Eklat folgte an diesem Mittwoch: Auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung entließ Helmut Pelzer die beiden Manager. "Kusebauch und Schwella wurden von ihren Ämtern wieder abberufen", so ein Unternehmenssprecher gegenüber manager-magazin.de.

Zuvor hatte Pelzer offenbar die vereinbarte Eigentumsübertragung der Firmenanteile blockiert, nachdem einer Nachforderung seinerseits über mehrere Millionen Euro durch MVB nicht stattgegeben wurde. Pelzers für den Kapitalzufluss so wichtige Unterschrift unter den Übernahmevertrag blieb aus.

Mit der Weigerung, sein Unternehmen in fremde Hände zu geben, stürzte er den Autozulieferer in eine Krise ungewohnten Ausmaßes: "Nun wird es für Pelzer sehr schwer, ohne Blessuren aus dieser Geschichte herauszukommen", sagte ein Insider gegenüber manager-magazin.de. Ohne ein Management, das das Vertrauen der Banken und Autokonzerne habe, könne das Aus für Pelzer schnell kommen.

Unruhe gibt es deshalb auch in der Belegschaft. Ein angedachter Streik fand jedoch zunächst nicht statt, um das Unternehmen nicht noch weiter zu destabilisieren. Wichtig sei es jetzt, die Kunden weiter zu beliefern, hieß es.

"Die Verhandlungen mit MVB laufen weiter", versucht der Konzernsprecher zu beschwichtigen. Doch die Angst vor einer Insolvenz der HP Pelzer Gruppe bleibt groß.