Deutsche Telekom Obermann lagert 50.000 Mitarbeiter aus

Auf der Jahrespressekonferenz präsentierte Vorstandschef René Obermann die neue Strategie der Deutschen Telekom. Der Konzern will eine eigene Billigmarke anbieten, im Mobilfunkbereich international expandieren und Nebengeschäfte abstoßen. Der Markenname T-Com soll verschwinden. Börsianer sind von schlechten Zahlen enttäuscht.

Bonn - Die Deutsche Telekom  prüft weitere Sparmaßnahmen. Über die geplanten Einsparungen hinaus, werde nach weiteren Potenzialen gesucht, sagte Vorstandschef René Obermann am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz in Bonn. Bei der Prüfung werde keine Hierarchiestufe ausgelassen. Der Konzern will seine Kosten bis zum Ende der Dekade um 4,2 bis 4,7 Milliarden Euro senken, davon zwei Milliarden Euro in diesem Jahr.

49.000 bis 50.000 Mitarbeiter sollen in konzerneigene Gesellschaften ausgegliedert werden. Diese Zahlen nannte Konzernchef Obermann als Größenordnung. Bisher hatte er von mindestens 45.000 betroffenen Mitarbeitern gesprochen. Mit der Ausgliederung dieser Beschäftigten in eine neue Einheit mit dem Namen T-Service will die Telekom Personalkosten senken.

Die Telekom will ihr ausländisches Mobilfunkgeschäft durch Akquisitionen stärken. "Wir möchten unsere Expertise nutzen, um im Mobilfunk unter Berücksichtung strikter wirtschaftlicher Kriterien gegebenenfalls auch durch Zukäufe zu wachsen", sagte Obermann. Konkrete Ziele für die Entwicklung des Auslandsumsatzes wollte der Telekom-Chef auf Nachfrage nicht nennen.

Durch den Verkauf von Randbeteiligungen will das Unternehmen seinen finanziellen Spielraum für Akquisitionen erweitern. Auf dem Verkaufszettel befinden sich die Tochter Media & Broadcast, ein Dienstleister für die Medienindustrie, sowie die Festnetztöchter in Spanien und Frankreich. Geprüft werde zudem eine Veräußerung der Funktürme in den USA und Deutschland sowie ein Verkauf der verbliebenen Anteile an der Immobilientochter Sireo. Durch solche Verkäufe will die Telekom mindestens drei Milliarden Euro erlösen. Die Mittel sollten zur Unterstützung der neuen Strategie eingesetzt werden und nicht in den Schuldenabbau fließen, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick.

Für die ausländischen Mobilfunktöchter rechnet Obermann mit einem weiteren Kundenzuwachs. Zulegen soll vor allem die amerikanische Mobilfunktochter, deren Nutzerzahl bis 2008 um fünf Millionen auf über 30 Millionen klettern soll.

Eigene Billigmarke angekündigt

Eigene Billigmarke angekündigt

Darüber hinaus will die Telekom noch vor diesem Sommer mit einer Zweitmarke starten. Geplant seien einfache und günstige Angebote im Festnetz und Mobilfunk, sagte Konzernchef Obermann am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Bonn. Bis 2010 wolle die Telekom mit ihrer Zweitmarke einen Umsatz von einer Milliarde Euro erzielen.

Für die Geschäftskundensparte T-Systems strebt die Telekom eine strategische Partnerschaft an. Der Konzern sei entschlossen, das Geschäft "erfolgreich" weiterzuentwickeln, teilte Obermann mit. Der Telekom-Chef begründete die Suche nach einem Partner mit der schwachen internationalen Präsenz von T-Systems. Die in Frankfurt beheimatete Sparte steht zudem in Deutschland unter harten Wettbewerbsdruck, der die Margen schmälert.

Mit einem vereinfachten Markenauftritt, einer neuen Medienplattform und einem verbesserten Kundenservice will die Deutschen Telekom  Kunden zurückgewinnen. "Wir wollen mit unserer Strategie eine langfristig stabile positive Entwicklung des Konzerns erreichen", sagte Obermann.

Kernpunkt der neuen Strategie ist unter anderem ein Zwei-Marken-Auftritt. T-Home wird dabei künftig für Angebote zu Hause stehen und T-Mobile für Angebote unterwegs. Bislang waren im Festnetzgeschäft die Telekom-Produkte unter T-Com geführt worden. Im Privatkundenmarkt sollen bis Ende 2010 rund 1,5 Millionen Kunden für internetbasiertes Fernsehen gewonnen werden.

Dabei würden 50 Städte an das Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) der Telekom angeschlossen. Zusätzlich werden 750 weitere Städte mit einer aufgerüsteten DSL-Technologie (ADSL2+) erschlossen.

Weiterhin Kundenverlust beim Festnetz

Weiterhin Kundenverlust beim Festnetz

Ein weiterer Schwerpunkt zur Stärkung der Position auf dem deutschen Markt sei die Verbesserung des Kundenservices. Die Bündelung der Callcenter, der technischen Infrastruktur und des technischen Kundendienstes in eigenständige Einheiten des Konzerns (T-Service) diene der Verbesserung der Dienste. Hierdurch sollen möglichst viele Arbeitsplätze im Konzern erhalten werden.

Gleichzeitig rechnet die Telekom für das laufende Jahr mit einem unverändert hohen Verlust von Telefonanschlüssen. "In diesem Jahr ist das Ziel, eine Stabilisierung zu schaffen", sagte Obermann. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen über zwei Millionen Festznetzkunden an die Konkurrenz und die Mobilfunkanbieter verloren.

Aktien der Deutschen Telekom haben sich am Donnerstag nach Zahlen sehr schwach gezeigt. Die Titel des Konzerns fielen gegen 10.35 Uhr um 2,43 Prozent auf 13,23 Euro. Der Dax stieg hingegen um 0,44 Prozent auf 6745 Zähler.

Gerrit Rohleder von Equinet zufolge präsentierte der Telekomkonzern für 2006 Geschäftszahlen, die unter den Erwartungen des Analysehauses und des Marktes lagen. Die Kosten für die einmaligen Restrukturierungsmaßnahmen im Zuge des geplanten Konzernumbaus seien wesentlich höher als prognostiziert ausgefallen und führten im vierten Quartal zu einem Nettoverlust von 864 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund bestätigte der Equinet-Experte die Einschätzung der Telekom-Titel mit "Buy" und beließ das Kursziel bei 12,80 Euro.

Ein Händler sprach von Zahlen, die beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und bei der Dividende leicht unter den Erwartungen lagen. Zudem hätte der Konzern ohne den einmaligen Effekt der Streichung von 32.000 Jobs 18 Prozent weniger als in 2005 verdient, sagte der Börsianer. Andererseits sei die Dividendenrendite in Höhe von 5,31 Prozent unter den schwierigen Marktbedingungen "in Ordnung".

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters