Protest gegen Sanierung Aufmarsch der Airbus-Arbeiter

Als Reaktion auf den geplanten Verkauf des Airbus-Standorts in Varel hat die Belegschaft am Donnerstag vor dem Werk protestiert und die Tore blockiert. Insgesamt haben 2500 Mitarbeiter von Airbus in Laupheim und Varel ihre Arbeit niedergelegt. Die Arbeit soll vorerst bis Freitag ruhen.

Berlin/Varel/Laupheim - Man habe die versammelten Mitarbeiter noch einmal genau über die Beschlüsse informiert, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jürgen Blümel. Die Arbeit solle vorerst bis Freitag ruhen.

Das Werk im niedersächsischen Varel soll den Sparplänen von Airbus zufolge verkauft werden. Derzeit sind dort rund 1.300 Menschen beschäftigt. Unterdessen berieten in Hamburg der Airbus-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall über das weitere Vorgehen. Über ihre Pläne wollten die Arbeitnehmervertreter am Nachmittag (15.00 Uhr) auf einer Pressekonferenz informieren.

Auch die Airbusmitarbeiter im baden-württembergischen Laupheim wollen für den Verbleib ihres Werkes bei dem Flugzeugbauer kämpfen.

Unterdessen hat die Europäische Union nach Aussagen von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot vor, den angeschlagenen Flugzeugbauer zu unterstützen. Die Kommission wolle Airbus mit Forschungs- und Entwicklungsprogrammen helfen, sagte er in einem Radio-Interview am Donnerstag. Airbus zahle einen sehr hohen Preis für schlechte Unternehmensführung, fügte Barrot hinzu.

"Streiks sind möglicherweise ein Mittel"

Der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes, Peter Scherrer, hat der Politik vorgeworfen, nicht genügend für den Erhalt von Stellen beim Flugzeugbauer Airbus gekämpft zu haben.

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Wenn die Politik das getan hätte, dann wäre es nicht zu einem so massiven Stellenabbau gekommen", sagte Scherrer am Donnerstag im Deutschlandfunk. Die Gewerkschaften hielten sich Streiks gegen die am Mittwoch verkündeten Sanierungspläne bei Airbus offen. "Streiks sind möglicherweise ein Mittel, um Fehlentscheidungen abzuwenden."

Bereits nach Verkündung der Pläne war es zu Arbeitsniederlegungen in Deutschland und Frankreich gekommen, die bis Freitag andauern sollen. Die Gewerkschaften hielten das Sparprogramm "Power 8" grundsätzlich für falsch, betonte Scherrer. Von einem Erfolg könne angesichts des Abbaus von 10.000 Stellen keine Rede sein.

So sei schleierhaft, wie Airbus durch den Abbau von Jobs in der Produktion künftig Flugzeuge schneller ausliefern wolle. Ein Unternehmen lasse sich nur nach vorne bringen, "wenn man gute, qualifizierte Arbeitskräfte behält".

Abbau von Produktionsstellen fragwürdig

Abbau von Produktionsstellen fragwürdig

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche wertete es als positiv, dass der Konzern angekündigt habe, sich Zeit für die Umsetzung zu nehmen. "Das bedeutet für mich, dass noch Hoffnung besteht auf Einwirkung", sagte der FDP-Politiker im selben Sender. Für sein Land sei wichtig, die niedersächsische Kompetenz bei der Kunstfasertechnologie auszubauen und die Standorte eventuell umzuorientieren.

Auch Hirche bezeichnete das Sanierungskonzept in Teilen als unlogisch. So seien die Zeitarbeiter ursprünglich eingesetzt worden, um die Produktion zu erfüllen und die Zeitverzögerungen aufzuholen. "Von daher leuchtet mir noch nicht ein, was der Konzern gewinnen will, wenn er in der Produktion Arbeitsplätze abbaut."

Bremens Bürgermeister ist erleichtert

Auslöser der Krise waren technische Probleme und daraus resultierende Lieferverzögerungen beim neuen doppelstöckigen Airbus A380, die dem Flugzeugbauer rote Zahlen bescherten. Das Sanierungsprogramm soll Milliarden einsparen. Von den 10.000 wegfallenden Stellen entfallen rund 3700 aus Deutschland und 4300 aus Frankreich. Der Rest geht zu Lasten von Spanien und Großbritannien. Verkauft werden sollen die deutschen Werke in Varel und Laupheim sowie eine Fabrik im französischen Saint-Nazaire. Für die Werke im niedersächsischen Nordenham, im französischen Meaulte und Filton in Großbritannien sollen Partner gesucht werden.

Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) zeigte sich dagegen erleichtert, dass die Flügelfertigung weiter in der Hansestadt bleiben soll. "Die Flügelausrichtung ist die Kernkompetenz des Standorts und damit entscheidend für die Zukunft", sagte Böhrnsen dem "Tagesspiegel" vom Donnerstag. Bremen hatte befürchtet, dass im Rahmen der Umstrukturierung des Flugzeugbauers die Flügelfertigung nach England abgezogen wird.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters