HSH Nordbank Eroberung des Hinterlands

Die fünftgrößte Landesbank will 2007 erstmals jenseits einer Milliarde Euro beim Betriebsergebnis landen, die Eigenkapitalrendite von 15 auf 15,5 Prozent erhöhen und bis Jahresende börsenfähig sein. Bei der Neuausrichtung der HSH Nordbank liegt der Fokus nicht mehr nur auf Schiffen.
Von Christian Buchholz

Hamburg - Während der Bilanzpressekonferenz am Dienstag trat HSH-Nordbank-Chef Hans Berger optimistisch auf. Zwar gebe es weiterhin "einen hohen Finanzierungsbedarf für Schiffe, aber scharfen Wettbewerb unter den finanzierenden Banken". Das Neugeschäft wuchs bei dem weltgrößten Schiffsfinanzierer im Vergleich zu 2005 um 2,7 auf 10 Milliarden Euro, ein Plus von 37 Prozent.

Nachdem für 2006 ein Betriebsergebnis von 945 Millionen ausgewiesen wurde, will Berger im laufenden Jahr die Milliardenmarke überschreiten: "Wir gehen davon aus, dass das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge jenseits der Milliardengrenze liegen wird", sagte er. Gleichzeitig soll die Eigenkapitalrendite von derzeit 15 Prozent um einen halben Prozentpunkt steigen. Kontinuierlich solle die Ziffer 2010 dann 17 Prozent erreichen. Mit der 2006 erzielten Eigenkapitalquote zählt die HSH Nordbank zusammen mit BayernLB und LB Baden-Württemberg zu den renditestärksten Landesbanken.

Berger wies aber ausdrücklich darauf hin, dass es Handlungsbedarf bei der Ausrichtung des Finanzinstituts gebe. So wurde anhand eines Schaubilds nach einer Auswertung von McKinsey deutlich, dass "alle Landesbanken in dem Zeitraum 2000 bis 2005 deutliche Fortschritte bei der Verbesserung der operativen Eigenkapitalrenditen" hätten. "Unübersehbar" sei aber auch, dass sie noch "unter dem Schirm von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung" gegenüber wichtigen Wettbewerbern zurückgefallen seien. 2006, erstmals ohne den erwähnten Schirm, hätten sich die Zahlen "sicher nicht signifikant verbessert".

Mehr Glieder der Wertschöpfungskette erreichen

Daher gelte es "an einer Schärfung der Geschäftsmodelle" zu arbeiten, erklärte Berger. So müsse die HSH anstreben, Angebote entlang der gesamten Wertschöpfungskette ihrer Kunden zu entwickeln. Die bestehenden Kundenbeziehungen wie etwa zu Reedereien und Charterern müssten zum Ausbau des Geschäfts genutzt werden.

Dabei solle der Blick "auch auf die Häfen und das Hinterland" gerichtet werden. Neue Kunden könnten beispielsweise unter den Terminalbetreibern zu finden sein oder auch in hafennahen Industriearealen. Dasselbe gelte im Luftfahrtbereich, wo die Bank auf diesem Weg den Bereich Flugzeugfinanzierung weiter ausschöpfen könnte.

Während der Geschäftsbereich Transportation (inklusive Schifffahrt) sowie der Immobiliensektor weltweit vorangetrieben werden soll, will die HSH in Nordeuropa "mit fester Verankerung in der Region" ihre Marktanteile als Geschäftsbank ausweiten.

Die operativen Erträge der Landesbank legten um 3 Prozent auf 2,172 Milliarden Euro zu, wobei der Provisionsüberschuss mit 35 Prozent den deutlichsten Zuwachs verzeichnete. Mit rund 424 Millionen Euro machen die Provisionen nunmehr knapp ein Fünftel der operativen Erträge aus. Im Jahr 2005 hatte der Anteil noch bei 15 Prozent gelegen.

Börsenfähig bis Jahresende

Börsenfähig bis Jahresende

Bis Dezember will die Bank aus Hamburg die Börsenfähigkeit erlangt haben. Die offenen Positionen des Chief Operating Officers (COO) und des Finance Chief Officers (CFO) sollen laut Berger "zeitnah" besetzt werden. Im Dezember hatte der für das Kapitalmarktgeschäft zuständige Vorstand Eckehard Dettinger-Klemm, seinen Hut genommen. Sein Nachfolger wurde Jochen Friedrich, der von der DZ-Bank kam.

Wann die HSH an die Börse gehen will, ließ Berger offen. Auch ob die Akquisition der zum Verkauf stehenden Landesbank Berlin (LBB) einen Einfluss auf die Entscheidung haben könne, ließ Berger offen. Er verwies auf eine Verschwiegenheitserklärung. Die HSH hatte neben drei weiteren Landesbanken und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband Interesse an der LBB bekundet. Auch die Commerzbank , die HypoVereinsbank  sowie Finanzinvestoren sollen Interesse an der LBB mit ihrer Tochter Berliner Sparkasse angemeldet haben.

Die HSH Nordbank gehört der Stadt Hamburg (35 Prozent), dem Land Schleswig-Holstein (20 Prozent), den Sparkassen Schleswig-Holstein (18 Prozent) sowie einem Konsortium um den US-Investor J.C. Flowers (26,58 Prozent).

Charterraten bei Bulkern stark gestiegen

Flowers hatte im Oktober die Anteile der WestLB an der HSH übernommen, wodurch erstmals einem privaten Investor eine wesentliche Beteiligung an einer Landesbank gelungen war. Durch den Einstieg des US-Investors verspricht sich Berger Impulse bei der Expansion der HSH Nordbank: "Flowers kann uns bei unseren internationalen Aktivitäten unterstützen, beispielsweise durch Kooperationen mit Banken, an denen Flowers ebenfalls Beteiligungen hält." Der neue Investor werde aber "mit Sicherheit keine Kurskorrektur" bei der Strategie der Bank vornehmen.

Zur Marktentwicklung erklärte die HSH, das robuste Wachstum der Weltwirtschaft habe für gute durchschnittliche Auslastungsraten in der Seeschifffahrt gesorgt. Starke Orderaktivitäten in allen Märkten hielten die Schiffspreise das ganze Jahr auf hohem Niveau. Die Charterraten auf den großen Märkten blieben im ersten Halbjahr ebenfalls relativ hoch. Ab Jahresmitte 2006 sanken die Charterraten im Containerschiffsmarkt im Jahresdurchschnitt um 22 Prozent, was der Branche - insbesondere den Fondsanbietern - derzeit Schwierigkeiten macht. Im Zehnjahresschnitt sei aber immer noch ein "recht auskömmliches Niveau" erreicht, so die HSH Nordbank.

Ein positiveres Bild bot sich bei den Massengutfrachtern (Bulkern). Hier stiegen im Jahresverlauf "aufgrund veränderter Handelsströme" die Charterraten um mehr als 70 Prozent. Das Charterratenniveau bei den Tankern veränderte sich kaum.

Mit Material von vwd, reuters und dpa

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