EADS Sparprogramm einstimmig beschlossen

Der Verwaltungsrat des EADS-Konzerns hat die Sanierungspläne für den angeschlagenen Flugzeugbauer Airbus genehmigt. Am Mittwoch soll das Programm Power 8 den Arbeitnehmervertretern vorgestellt werden.

München/Amsterdam - Nach monatelangem Tauziehen will der Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS  an diesem Mittwoch die Beschäftigten über sein drastisches Sanierungsprogramm für die angeschlagene Flugzeugtochter Airbus informieren. Die Pläne für die Neuorganisation von Airbus sollten zunächst mit dem Europäischen Betriebsrat und danach mit den anderen Arbeitnehmervertretungen besprochen werden, teilte EADS am Montagabend in Amsterdam mit. Der Verwaltungsrat habe das Programm Power 8 einstimmig gebilligt.

Details wollte ein EADS-Sprecher gegenüber manager-magazin.de nicht bekannt geben. Nach französischer Gesetzgebung seien zuerst die Mitarbeiter zu konsultieren. Die Fakten zu Power 8 wollen EADS und Airbus folglich erst im Anschluss an die Information der Arbeitnehmervertretungen bekannt geben. Ob dies ebenfalls bereits am Mittwoch geschehen soll, wurde zunächst nicht bekannt.

Der Verwaltungsrat habe dem Management von EADS und Airbus seine uneingeschränkte Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne zugesichert, hieß es. "Das Board hat eine gute Entscheidung für Airbus getroffen", erklärte der Sprecher.

Das Sanierungsprogramm solle Airbus besser auf die Herausforderungen der Dollarschwäche, der finanziellen Auswirkungen der A380-Verspätungen und des zukünftigen Investitionsbedarfs vorbereiten, erklärte das Unternehmen. Der Plan werde 2010 zu einem Beitrag beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Goodwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten von 2,1 Milliarden Euro führen. Auch ein zusätzlicher Cashflow von fünf Milliarden Euro soll in den Jahren 2007 bis 2010 erreicht werden.

In Brüssel treffen sich bereits am Dienstag die bei EADS vertretenen Gewerkschaften. Sie wollen über den bevorstehenden Konzernumbau und den damit verbundenen Abbau von Arbeitsplätzen diskutieren. Arbeitnehmer fürchten, dass der Konzern ein Fünftel der 55.000 Stellen streichen und sich von Werken wie Nordenham und Varel in Niedersachsen trennen will. Einen Magazinbericht, wonach im Rahmen von Power 8 auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 von 35 Stunden ohne Lohnausgleich im Gespräch ist, wies EADS als Spekulation zurück.

"Im Sinne von Airbus handeln"

"Im Sinne von Airbus handeln"

EADS  steckt wegen Lieferschwierigkeiten beim Großraumjet A380 und hoher Entwicklungskosten für den A350 in der Krise. Die Bilanz für 2006, die durch rote Zahlen bei Airbus verhagelt wurde, will EADS am 9. März vorstellen.

Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm bereits am 20. Februar veröffentlicht werden sollen. Doch wegen strittiger Fragen um die Airbus-Standorte hatte EADS die Bekanntgabe verschoben. Einen Disput mit Berlin lösten Äußerungen von Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin aus, dass 10.000 Stellen europaweit bei Airbus wegfallen sollen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatten sich daraufhin bei einem Treffen am vergangenen Freitag für eine faire Lastenverteilung bei der Airbus- Sanierung ausgesprochen. Zuletzt galt nicht mehr so sehr der Arbeitsplatzabbau als umstritten, als vielmehr die Aufteilung der Produktionsstandorte mit zukunftsträchtigen Technologien.

Beim Sanierungskonzept ist vor allem die Aufteilung der Arbeiten am jüngsten Modell A350 sowie dem Verkaufsschlager von Airbus, A320, zwischen Deutschland und Frankreich umstritten. Politiker aus beiden Ländern haben ein ausgewogenes Konzept gefordert. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) pocht auf den Erhalt von technischen Fähigkeiten in Deutschland. Airbus müsse eine europäische Erfolgsgeschichte bleiben und dürfe kein französisch gesteuertes Unternehmen werden, sagte er.

Der französische Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy forderte die Politiker auf, ihre von nationalen Interessen getriebene Haltung zur Airbus-Sanierung aufzugeben und darüber nachzudenken, was das Beste für das Unternehmen sei. "Es wird Zeit, im Sinne von Airbus zu handeln und nicht im Sinne von Frankreich, Deutschland, Spanien oder irgendeinem anderen Anteilseigner des Unternehmens."

manager-magazin.de mit Material von dpa, dow jones und reuters