Dresdner Bank Münchener Vorgaben

Die Dresdner Bank hat im vergangenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis in Rekordhöhe abgeliefert, auch die Vorsteuerrendite ist kräftig gestiegen. Dem Münchener Mutterkonzern Allianz reicht das nicht - er hat die Zielmarke schon wieder angehoben.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Es ist schon fast eine gute Tradition. Die Mutter Allianz  in München liefert kurz vor der Bilanzpressekonferenz der Tochter Dresdner Bank in Frankfurt überraschende Erklärungen ab. Die muss dann der Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter in Frankfurt abarbeiten. Zum Beispiel die Sache mit der Allianz Bank.

Kurz vor Walters öffentlichem Auftritt hat Allianz-CEO Michael Diekmann laut überlegt, dass er sich auf lange Sicht auch eine Bank unter eigenem Namen vorstellen könne. So sollen bis 2009 rund 1000 der Allianz-Agenturen mit Bankberatern ausgestattet werden. "Da steht jetzt auch Dresdner Bank drauf, aber dass in zehn Jahren dort Allianz Bank steht, das kann ich mir schon vorstellen", sagte Diekmann.

Walter hat an diesem Montag also wieder einmal keinen einfachen Job. Da hilft nur noch die Detailarbeit. Der Banker zurrt die Aussagen seines Chefs bezüglich der geplanten Mini-Bankfilialen fest. In Deutschland gibt es derzeit rund 11.000 Allianz-Agenturen und 900 Dresdner-Bank-Filialen. In diesem Jahr sollen bereits 100 der Allianz-Agenturen in eine Mini-Bankfiliale umgerüstet werden, in denen ein Bankberater die Produkte der Dresdner Bank verkauft. In rund zehn Jahren könnten in diesen Agenturen, in denen ein Bankberater in den Räumen der Allianz arbeitet, unter dem Namen "Allianz Bank" laufen, meint er. Aber eine komplette Umbenennung der Dresdner Bank in Allianz Bank schließt Walter aus.

Gleichwohl bleibt die Frage, was von der Eigenständigkeit rund sechs Jahre nach der Übernahme durch den Münchener Versicherer noch übrig ist. Selbstständige Expansionspläne kann die Dresdner Bank beispielsweise nicht schmieden. In Deutschland, betont der ehemalige Deutschbanker Walter, setze er ganz auf organisches Wachstum. Dementsprechend ist die Dresdner Bank beim Rennen um die Landesbank Berlin wie schon zuvor bei anderen zum Verkauf stehenden Retailbanken nicht mit dabei. Während die Konkurrenz sich durch Übernahmen wie die der Norisbank im Privatkundengeschäft stärkt, muss sich die Dresdner Bank auf die Verzahnung mit den Allianz-Agenturen beschränken. Auch im Ausland gibt es keine Pläne für ein Wachstum durch Akquisitionen.

"Wir werden auch künftig liefern"

"Wir werden auch künftig liefern"

Eine Beschränkung seiner Handlungsmöglichkeiten sieht Walter dennoch nicht. Es sei keine Eingrenzung, wenn sich sein Haus im Consumer-Banking zusammen mit der Allianz auf den Weg mache. "Wenn es die Dresdner Bank allein in all den Jahren nicht geschafft hat, eine Rendite von mehr als 3 Prozent zu erwirtschaften, dann wird sie das jetzt auch nicht ohne die Allianz  hinkriegen", bricht es dann aus ihm heraus.

Plänen, wenigstens die anderen Bankaktivitäten im Allianz-Konzern im Haus der Frankfurter zusammen zu führen, erteilt er eine Absage. Die rechtlichen Schwierigkeiten seien zu hoch, erklärt Walter. Außerdem sei die jetzige so genannte funktionale Steuerung "smarter".

Für Gesprächsstoff im Vorfeld von der Bilanzpressekonferenz haben nicht nur Diekmanns Äußerungen zum Namen der Dresdner Bank gesorgt, sondern auch seine Zweifel am Erreichen der Kostenziele: Das Drücken der Kostenquote auf unter 70 Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren brauche wohl etwas länger.

Die Dresdner Bank hat im vergangenen Geschäftsjahr nach harter Sanierung die Kostenquote von 91,4 auf 79,6 Prozent gedrückt. Jetzt muss Dresdner-Bank-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld ran. Der sieht dies das Ganze als ein Missverständnis an. Nach wie vor gelte, dass die Bank ab dem Jahr 2010 die besagten 70 Prozent erreichen müsse.

Dass die Münchener Mutter die Ziellatte öffentlichkeitswirksam im Vorfeld von Walters Präsentationen nach oben setzt, daran dürfte sich der Banker schon gewöhnt haben. Dieses Mal hatte Allianz-Vorstand Helmut Perlet kurz vor der Bilanzpressekonferenz das Ziel für die durchschnittliche Rendite auf das Risikokapital (RoRAC) auf über 15 Prozent bis zum Jahr 2009 erhöht. 2006 erwirtschaftete die Dresdner Bank zwar 13,2 Prozent, inklusive der Restrukturierungskosten jedoch nur 9,2 Prozent. Walter ficht dies nicht an. "Ich bin überzeugt davon, dass wir auch künftig liefern werden", meint er. Egal, was die Münchener Mutter vorgibt.