Samstag, 7. Dezember 2019

TXU Übernahme für 44 Milliarden Dollar

Die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts und Texas Pacific Group kaufen den größten texanischen Stromproduzenten TXU für 44 Milliarden Dollar - und stemmen damit die bislang größte Übernahme in der Branche. Der Kaufpreis entspricht etwa dem Marktwert von Bayer.

Austin - Hierzu schmiedeten die Investoren auch eine ungewöhnliche Allianz mit Umweltschützern: Sie verwarfen im Namen des Klimaschutzes die Pläne der alten Betriebsführung, zahlreiche neue Kohlekraftwerke zu bauen. Das brachte den Finanzinvestoren die Unterstützung der Umweltschutzgruppen.

Kohlekraftwerk: Finanzinvestoren wollen bei Umweltschützern punkten
Beteiligungsfirmen sammelten allein im vergangenen Jahr weltweit mehr als 400 Milliarden Dollar von ihren Investoren ein, so viel wie nie zuvor. Üblicherweise kaufen sie Betriebe, um sie nach drei bis fünf Jahren mit Gewinn weiter zu verkaufen. So erwirtschaften sie Renditen, von denen Sparbuchinhaber nur träumen können: 20 Prozent und mehr pro Jahr sind die Regel.

Zuletzt gerieten in Deutschland sogar Großkonzerne wie Continental Börsen-Chart zeigen oder Tui ins Visier von Private Equity. Zum Vergleich: Der jetzt gezahlte Kaufpreis für TXU entspricht ungefähr der Marktkapitalisierung von Bayer und liegt nur knapp unter dem Marktwert von Volkswagen und Lufthansa zusammen.

Aufschlag von 15 Prozent

Die Investoren um Kohlberg Kravis Roberts und die Texas Pacific Group zahlen für die rund 460 Millionen TXU-Aktien zusammen 31,8 Milliarden Dollar, wie TXU am Montag in Philadelphia mitteilte. Zusätzlich übernehmen sie die Schulden der Firma. Die Aktionäre der Stromfirma erhalten damit auf den Schlusskurs vom Freitag einen Aufschlag von gut 15 Prozent - entsprechend schoss der Aktienkurs am Montag in die Höhe.

Die Investoren machten der Öffentlichkeit die Übernahme vor allem mit einem besseren Umweltschutz schmackhaft: Anstelle von elf geplanten Kohlekraftwerken werde TXU nun lediglich drei bauen und mehr in erneuerbare Energien investieren. Dadurch werde jährlich ein Kohlendioxid-Ausstoß von 56 Millionen Tonnen verhindert.

Die Umweltschutzgruppe Environmental Defense erklärte: "Dies ist eine der bedeutsamsten Entwicklungen in Amerikas Kampf gegen die globale Erwärmung." TXU gewann zudem eine Reihe von Prominenten für das Projekt: Sie heuerten etwa den ehemaligen US-Außenminister James Baker als Berater an.

Expansion wäre teuer gekommen

Die Finanzinvestoren sprechen sich allerdings nicht nur aus Liebe zum Umweltschutz gegen den massiven Ausbau der Kohlekraftwerke aus: Die Expansion hätte voraussichtlich rund elf Milliarden Dollar verschlungen und wäre damit den neuen Besitzern teuer zu stehen gekommen. Auch die Unterstützung von TXU-Kunden dürfte den neuen Firmenherren sicher sein: Sie versprachen Preissenkungen von zehn Prozent.

Unter anderem die an dem Kauf von TXU beteiligte Texas Pacific Group selbst hatte mit ihrer umstrittenen Übernahme des sauerländischen Badarmaturenherstellers Grohe 2005 den damaligen SPD-Chef Franz Müntefering zu seiner Kritik an den "Heuschrecken" veranlasst. Die bislang größte Übernahme der Branche ging erst vor wenigen Wochen in den USA über die Bühne: Die Private-Equity-Firma Blackstone übernahm dabei den Immobilienfonds Equity Office Properties für 39 Milliarden Dollar.

Die Branche erlebt derzeit einen rasanten Aufschwung. Das Volumen der Transaktionen, an denen Finanzinvestoren beteiligt waren, erreichte im vergangenen Jahr 660 Milliarden Dollar und verdoppelte sich damit im Vergleich zu 2005. Im vergangenen Jahr hatte die Branche bei jeder fünften Übernahme ihre Finger im Spiel.

manager-magazin.de mit reuters

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