Hamburger Hafen Bahn soll bis zu 1,2 Milliarden Euro bieten

Die Deutsche Bahn bietet für den zum Verkauf stehenden Anteil am Hamburger Hafenbetreiber HHLA angeblich mehr als eine Milliarde Euro. Bahnchef Hartmut Mehdorn ist unterdessen zuversichtlich, Anfang kommenden Jahres ein Viertel der Aktien seines Konzerns an die Börse zu bringen.

Hamburg - Die Deutsche Bahn bietet für den zum Verkauf stehenden 49,9-Prozent-Anteil am Hamburger Terminalbetreiber HHLA einem Zeitungsbericht zufolge über eine Milliarde Euro. Das Unternehmen wolle zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro zahlen, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Montag unter Berufung auf das Umfeld des Verkäufers Hansestadt Hamburg.

Ein Bahnsprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Das "Hamburger Abendblatt" hatte am Freitag berichtet, der Hafenbetreiber Dubai World Ports habe mit 1,6 Milliarden Euro unter allen sechs verbliebenen Bietern für HHLA das beste Angebot abgegeben.

Das Angebotwäre für die deutsche Bahn bereits der zweite Versuch, sich in den Hamburger Hafen einzukaufen: Vor einem Jahr war ein Deal geplatzt, mit dem der Senat der Hansestadt die Deutsche Bahn dazu bewegen wollte, ihren Sitz von Berlin an die Elbe zu verlegen. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte der Bahn einen Einstieg beim Hafenbetreiber und der Hochbahn angeboten. Im Gegenzug hatte er am 25. November 2005 öffentlich den Umzug des Bahn-Konzernsitzes in die Hansestadt in Aussicht gestellt. Die Gespräche waren im Januar 2006 gescheitert.

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, zeigte sich unterdessen zuversichtlich, Anfang kommenden Jahres ein Viertel der Aktien des Unternehmens an die Börse zu bringen. Er sei zu "80, vielleicht 90 Prozent" sicher, dass der Gesetzgeber die dazu nötigen Voraussetzungen in der zweiten Jahreshälfte 2007 schaffen werde, sagte Mehdorn der "Financial Times". Das DB-Management bereite das Unternehmen auf einen Börsengang in der ersten Hälfte des kommenden Jahres vor.

Hamburg-Basel besonders betroffen

Hamburg-Basel besonders betroffen

Mehdorn ließ zugleich seine Bereitschaft erkennen, bis 2012 Chef der Bahn zu bleiben. "Wenn der Aufsichtsrat mich bitten sollte weiterzumachen, würde ich ganz bestimmt ernsthaft darüber nachdenken", zitiert ihn das Blatt

Laut einem Bericht des "Handelsblatts" rechnet der Konzern aufgrund von Sanierungsarbeiten am Netz zudem schon bald mit erheblichen Störungen ihres Schienenverkehrs. Die immer größer werdende Zahl schwerer Güterzüge habe den Verschleiß der Hauptstrecken derart beschleunigt, dass der Konzern jetzt in aller Eile eine Generalsanierung plane. Innerhalb von drei Jahren sollen rund fünf Milliarden Euro in das marode Netz gesteckt werden, zitiert das Blatt aus einem Strategiepapier der Bahn-Konzerntochter DB Netz AG. Ein Konzernsprecher wollte zunächst keine Stellung dazu nehmen. Er kündigte eine Pressekonferenz "für den kommenden Donnerstag oder Freitag" an.

Ab dem Frühjahr würden zahlreiche Baustellen bundesweit zu Einschränkungen und Verspätungen im Personen- und Güterverkehr führen, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Besonders betroffen sei die Nord-Süd-Route von Hamburg über Frankfurt nach Basel. Die Hauptstrecken in der alten Bundesrepublik seien zuletzt vor 30 Jahren umfassend erneuert worden. Diese Infrastruktur sei inzwischen im Wortsinn "abgefahren", zitierte das Blatt einen Bahn-Manager.

Die Generalsanierung der westdeutschen Infrastruktur sei deshalb nicht früher möglich gewesen, weil in den vergangenen Jahren überwiegend die noch weitaus marodere Infrastruktur Ostdeutschlands saniert werden musste. Um die Gleiserneuerung zügig mit großen Baumaschinen vornehmen zu können, würden selbst wichtige Fernverkehrsstrecken für mehrere Wochen nur eingleisig befahrbar sein. Während der Sperrzeiten müssten Züge umgeleitet oder zum Teil auch eingestellt werden, heißt es in dem Strategiepapier.

Das Papier der DB Netz nennt als "Haupt-Engpasskorridore" die Strecken Hamburg - Hannover, Bebra - Fulda - Frankfurt sowie Frankfurt - Karlsruhe - Basel. Dort führen innerhalb von 24 Stunden bis zu 375 Züge. Damit liege der Verkehr auf bestimmen Abschnitten bereits bis zu 35 Prozent über der berechneten Streckenkapazität.

Dennoch erwartet die Bahn, dass die Nachfrage auf den Kernstrecken des Netzes bis 2015 noch einmal um weitere 25 Prozent steigen werde.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa und reuters