Konsum Mehrwertsteuer verdirbt Kauflaune

Die Mehrwertsteuererhöhung verdirbt den deutschen Verbrauchern die Kauflaune: Im Februar sank die Anschaffungsneigung laut GfK erneut um elf Punkte auf den niedrigsten Wert seit mehr als eineinhalb Jahren. Die Zuversicht der Verbraucher auf einen starken und nachhaltigen Aufschwung steigt jedoch.

Nürnberg - Die Kauflaune der Deutschen ist wegen der höheren Mehrwertsteuer erneut gesunken. Der monatlich ermittelte Indikator für das Konsumklima fiel für März auf 4,4 von revidiert 4,9 Punkten, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Montag mitteilte. Die Verunsicherung der Konsumenten über die Folgen der Steuererhöhung sei noch nicht gewichen, hieß es zu der Umfrage unter 2000 Verbrauchern. Deren Konjunkturzuversicht nahm zugleich deutlich zu und lässt den Forschern zufolge auf ein wieder besseres Konsumklima hoffen.

Die Anschaffungsneigung fiel im Februar auf minus 16 von minus 5,1 Punkten. Allein dieser Rückgang sei verantwortlich für die Schwächephase des Konsumklimas, hieß es. Sie könnte aber bereits im Frühjahr mit der Aufgabe der Kaufzurückhaltung der Verbraucher überwunden werden.

Dafür sprechen der GfK zufolge die anhaltende Besserung auf dem Arbeitsmarkt und stabile Energiepreise. Zudem würden die Verbraucher erkennen, dass die höhere Steuer nur die Hälfte des Konsums betreffe und es nur verhaltene Preiserhöhungen gebe. Die Forscher rechnen für 2007 weiter mit einem Plus beim privaten Konsum von einem knappen halben Prozent.

Rasant zugelegt hat die Zuversicht der Verbraucher in einen starken und nachhaltigen Aufschwung. Die Konjunkturerwartungen legten auf 53,3 von 37,5 Punkten zu und erreichten damit den höchsten Stand seit August 2000.

Für die euphorische Stimmung sind den Forschern zufolge vor allem die guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt verantwortlich. Die Beschäftigtenzahl war im vierten Quartal mit 39,7 Millionen auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Die Verbraucher bekunden wie die vom ZEW befragten professionellen Anleger und Analysten zunehmend Vertrauen in die Aufschwung.

Auch die Einkommenserwartungen stiegen auf 2,9 von minus 5,1 Punkten. Die bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt schüre auch die Hoffnung auf steigende Einkommen. Der Indikator liege nun wieder über seinem langjährigen Durchschnitt.

Psychologische Belastung

Psychologische Belastung

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer belastet nach Einschätzung der GfK die Verbraucher vor allem psychologisch. "Tatsächlich hat die Mehrwertsteuerhöhung bisher nicht die befürchtete Preiserhöhungen zur Folge gehabt", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Zwar haben die Januarwerte beim Preisindex auch von den gesunkenen Energiepreisen profitiert." Der Handel habe die Steuererhöhung nur zum Teil weiter gegeben. Unterm Strich seien die Auswirkungen daher insgesamt sehr moderat geblieben.

Die Chancen, dass sich die zuletzt leicht gesunkene Anschaffungsneigung bald stabilisieren kann, sind daher relativ gut", sagte Bürkl. Die nach wie vor robuste Konjunktur und die Besserung am Arbeitsmarkt sprächen zudem für eine positive Entwicklung.

"Das Phänomen der gefühlten Inflation beim Verbraucher war bei der Euro-Einführung ähnlich", erklärte Bürkl weiter. Auch damals sei aus Angst vor Preiserhöhungen die Konsumneigung deutlich gefallen. Allerdings sei das Niveau der Konsumneigung derzeit mit minus 16 Punkten wesentlich höher als damals mit minus 50 Punkten. Der Rückgang bei der Anschaffungsneigung sei aber auch wegen des zum Jahresende 2006 erreichten hohen Niveaus so deutlich ausgefallen.

"Wir hatten am Ende des letzten Jahres eine mehrwertsteuerbedingte Übertreibung bei der Konsumneigung", sagte Bürkl. "Daher ist die Korrektur zu Jahresanfang nach unten größer ausgefallen."

manager-magazin. de mit Material von reuters, dpa-afx und dpa