BenQ Mobile Aus und endgültig vorbei

Die 3000 Jobs sind verloren, für die Fertigung gibt es keine Zukunft mehr: Der insolvente Handyhersteller BenQ Mobile steht vor der Liquidierung, weil jetzt auch der letzte potentielle Investor abgesprungen ist. In Kürze beginnt der Räumungsverkauf.

München - "Der letzte verbleibende Bieter ist Ende der Woche abgesprungen. Daher gibt es keine realistische Chance mehr auf einen Gesamtverkauf", sagte eine Sprecherin des Insolvenzverwalters Martin Prager. Branchenkreisen zufolge teilte Prager dem Gläubigerausschuss bereits mit, dass er demnächst mit dem Einzelverkauf der Anlagen und Besitzstände der ehemaligen Siemens-Handysparte beginnen werde. Von den Werkshallen bis zu den Schreibtischen soll nun alles verkauft werden.

Die Gläubiger werden wohl trotzdem große Verluste machen: Laut Insolvenzgutachten stehen einem geschätzten Vermögen von 310 Millionen Euro Verbindlichkeiten von 883 Millionen Euro gegenüber, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" an diesem Sonnabend.

Prager verhandelte bis zuletzt mit einer Reihe von Bietern und Interessenten, die zum Teil in der Öffentlichkeit anonym bleiben wollten. Die namentlich bekannten Bieter waren bereits vor einigen Wochen aus dem Rennen um den Handybauer ausgeschieden.

Eine deutsch-amerikanische Investorengruppe um den Manager Hansjörg Beha sowie der Hamburger Laptop-Hersteller Bacoc hatten ihre Angebote zurückgezogen. Die Offerte des US-Elektronikunternehmens Sentex Sensing Technology hatte der Gläubigerausschuss abgeschmettert. Nach dem Rückzieher von Bacoc hatten noch einige andere Firmen Interesse an BenQ Mobile, deren Produktion seit Wochen stillsteht.

Mitarbeiter bei Transfer-Gesellschaften

BenQ Mobile war Ende September mit 3000 Mitarbeitern überraschend zusammengebrochen, nachdem der taiwanische Elektrokonzern BenQ die Zahlungen an die ein Jahr zuvor von Siemens übernommene Tochter gestoppt hatte. Trotz einer Siemens-Mitgift von gut 400 Millionen Euro und eigenen Investitionen von mehr als 800 Millionen Euro war es den Asiaten nicht gelungen, das verlustträchtige Handygeschäft in die schwarzen Zahlen zu führen.

Die frühere Konzernmutter Siemens  war in der Öffentlichkeit nach der Pleite scharf kritisiert worden. Das Unternehmen richtete in der Folge einen Nothilfefonds für die Beschäftigten seiner einstigen Handy-Sparte ein und finanziert zum Großteil die beiden Transfergesellschaften, in denen die Mehrheit der ehemaligen BenQ-Mitarbeiter inzwischen angestellt ist. Die Transfergesellschaften zahlen noch bis Ende dieses Jahres den Lohn für die ehemaligen Mitarbeiter.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap