Lkw-Sparte DaimlerChrysler rechnet mit Wachstumsdelle

Die Lastwagensparte von DaimlerChrysler will trotz eines Einbruchs der Lkw-Nachfrage im US-Markt im laufenden Jahr profitabel bleiben. Die Renditen auf Umsatz und Kapital der Sparte haben sich im vergangenen Jahr indes deutlich verbessert.

Stuttgart - "Wir rechnen zwar mit einem Gewinnrückgang gegenüber 2006, werden aber ein positives Ergebnis erzielen", bekräftigte der im Vorstand für die Truck Group verantwortliche Andreas Renschler am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Auch die US-Tochter Freightliner wird dem Manager zufolge zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte in einem Marktabschwung nicht in die roten Zahlen rutschen. Außerdem stellte er klar, dass sowohl die Truck Group als auch Freightliner die intern geforderte Mindestverzinsung im laufenden Jahr übertreffen werde. Der Stuttgarter Automobilhersteller hat für die Industriesparten eine Kapitalrendite von mindestens 11 Prozent vor Steuern (Return on Net Assets - Rona) als Zielwert festgesetzt.

Starker Absatzrückgang in den USA und Japan erwartet

Den westeuropäischen Lkw-Markt beurteilt DaimlerChrysler optimistischer als zuletzt. "Wir rechnen 2007 nun mit einer stabilen Nachfrage", so Renschler. Dies zeige sich auch im Auftragseingang. Zuletzt hatte die Sparte für Westeuropa einen leichten Rückgang prognostiziert.

In Nordamerika und Japan sieht Renschler im laufenden Jahr jedoch nach wie vor einen deutlichen Marktrückgang. "In der schweren Klasse 8 rechnen wir mit einer Abschwächung von bis zu 40 Prozent", bekräftigte Renschler frühere Prognosen. Für das Segment der mittelschweren Fahrzeuge der Klasse 5 bis 7 prognostiziert der Manager weiter einen Rückgang von 25 Prozent bis 27 Prozent. Schon im vierten Quartal rechnet die Sparte allerdings mit einer Erholung.

Im Jahr 2006 hatten strengere Emissionsnormen in Europa, den USA und Japan für vorgezogene Fahrzeugkäufe gesorgt, die nun fehlen. Weil die Lkw durch die Umweltauflagen teurer wurden, kauften viele Kunden vor den jeweiligen Stichtagen noch die günstigeren Fahrzeuge alter Bauart.

Umsatz- und Kapitalrendite zogen 2006 deutlich an

Im abgelaufenen Jahr profitierte die Lkw-Sparte von der guten Branchenkonjunktur, die für eine Auslastung an der Kapazitätsgrenze sorgte. Der Absatz legte um 1,4 Prozent auf die Bestmarke von 537.000 Lkw zu, wobei auf Freightliner allein 208.000 Einheiten entfielen. Aufgrund eines gestiegenen Anteils von höherwertigen Fahrzeugen stieg der Umsatz um 5 Prozent auf knapp 32 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 26 Prozent auf 2,020 Milliarden Euro und markierte den höchsten Gewinn, den der Automobilkonzern im Lkw-Geschäft jemals erzielt hat.

Mit einer Umsatzrendite von 6,3 Prozent machte die Sparte einen deutlichen Schritt in Richtung der Zielmarge von 7 Prozent, die Renschler im Durchschnitt über die branchenüblichen Geschäftszyklen ab 2008 erreichen will. Auch die Kapitalrendite verbesserte sich 2006 weiter: Der Rona vor Steuern (Return on Net Assets) stieg auf 24,1 Prozent von 21,0 Prozent im Jahr zuvor. Ab 2008 hat sich die Truck Group zum Ziel gesetzt, über die Zyklen hinweg eine durchschnittliche Kapitalverzinsung von mindestens 30 Prozent zu erreichen. Anhand der Verzinsung des Kapitals lässt sich erkennen, ob der Konzern beziehungsweise die einzelnen Geschäftsbereiche an Wert gewonnen haben.

In der Lkw-Sparte sind seit Frühjahr 2006 die gesamten Lkw-Aktivitäten des Konzerns gebündelt. Dazu gehört die Marke Mercedes-Benz mit dem Hauptmarkt Westeuropa und Lateinamerika, die auf den Heimatregion fokussierte US-Tochter Freightliner, die neben einer eigenen Marke auch schwere Trucks unter dem Label Western Star anbietet, sowie der japanische Lkw- und Bushersteller Fuso, an dem DaimlerChrysler 85 Prozent hält.

manager-magazin.de mit Material von dow jones newswires