Airbus-Erklärung Bekenntnis von Merkel und Chirac

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Jacques Chirac haben gemeinsam eine faire Lastenverteilung bei der anstehenden Airbus-Sanierung gefordert. Laut einem französischen Zeitungsbericht soll der Verkauf von zehn Werken dazugehören.

Meseberg - Zugleich legten sie bei ihrem Spitzentreffen am Freitag in Meseberg bei Berlin ein Bekenntnis zu dem angeschlagenen Flugzeugbauer ab. Merkel und Chirac sicherten der Airbus-Führung Unterstützung für die anstehenden Sanierungsentscheidungen zu. Sie gingen davon aus, "dass dabei die Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Technologie und das Gleichgewicht der Kompetenzen in den betroffenen Staaten berücksichtigt werden", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Merkel und Chirac hätten "ihr gemeinsames Interesse an einer fairen Verteilung von Lasten und Zukunftschancen bekräftigt", hieß es weiter. "Sie vertrauen auf eine Entscheidung der Unternehmensführung, die die zugesicherte Balance sicherstellt".

Chirac sieht bei den ersten, allerdings noch nicht verabschiedeten Vorschlägen zur Sanierung Frankreich gegenüber Deutschland leicht im Nachteil. "Ich glaube, dass Frankreich etwas mehr bestraft wurde, was die Umwandlung von Arbeitsplätzen anbelangt, als das für Deutschland der Fall ist", sagte Chirac bei dem Treffen. "Aber der Unterschied ist nicht sehr groß", fügte er an.

In der französischen Presse wurde unterdessen über eine sich abzeichnende Lösung im Tauziehen um die Airbus-Sanierung berichtet. Der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" zufolge verzichtet Deutschland auf die Produktion des Zentralrumpfes des neuen A350. Im Gegenzug soll Frankreich einen größeren Beitrag zu den Einsparungen leisten.

Vier Werke weg, dies- und jenseits des Rheins

Am Streit über die Aufteilung beim Bau des Langstreckenjets und den künftigen Produktionsstandort für den A320 war am vergangenen Sonntag die Einigung des Vorstands der Konzernmutter EADS  auf das Sanierungsprogramm Power 8 gescheitert. Dem Bericht vom Freitag zufolge sollen in Frankreich und Deutschland je vier Werke verkauft oder ausgelagert werden. Nach den ursprünglichen Plänen von Airbus-Chef Louis Gallois wären nur zwei Standorte auf französischer Seite betroffen gewesen.

"Les Echos" schrieb ohne nähere Quellenangabe, in Deutschland stünden Buxtehude, Laupheim, Nordenham und Varel zur Disposition, in Frankreich Méaulte und Saint-Nazaire sowie zusätzlich Rochefort und Tarbes. Auch das britische Werk Filton sowie Puerto Real in Spanien seien betroffen.

EADS-Sprecher Michael Hauger hatte am Donnerstagabend eine Entscheidung über Power 8 um Ende Februar herum angekündigt.

Lokalpolitiker appellieren an Berlin

Am Freitagmorgen hatten sich noch einmal Politiker aus den niedersächsischen Regionen um Nordenham und Varel für ihre Standorte stark gemacht. In der "Oldenburger Erklärung", die an die Bundesregierung weitergeleitet wurde, sprachen sich insgesamt 17 Abgeordnete aus Bundestag und Landtag sowie Landräte und Bürgermeister der Region für die Absicherung und Stärkung der Werke aus, wie der Bürgermeister von Nordenham, Georg Raffetseder, sagte.

Damit sollte bekräftigt werden, wie wichtig es sei, die Werke nicht zu verkaufen. "Das Herauslösen aus dem Airbus-Werksverband würde bedeuten, dass die Standorte von innovativen und technologischen Entwicklungen abgeschnitten werden", sagte Raffetseder.

Die Werke wären von der Zukunft abgeschnitten, wenn sie auf den derzeitigen Werkstoff Aluminium festgelegt blieben und nicht an dem neuen Kunststoff CFK beteiligt würden. "Das wäre ein Sterben auf Raten", sagte Raffetseder.

manager-magazin.de mit Material von ap, vwd