Sonntag, 8. Dezember 2019

Übernahmen Das Schuldenspiel der Firmenjäger

Firmenjäger sind im Kaufrausch, die Übernahme eines Dax-Konzerns ist nur eine Frage der Zeit. Angetrieben von billigem Geld und satten Renditen, gehen Investoren immer riskantere Finanzierungen ein - auf Kosten der Unternehmen, die immer höhere Schulden bedienen müssen. Schon eine kleine Konjunkturdelle kann das Spiel kippen.

Hamburg - ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen war nur ein Deal von vielen. Knapp sechs Milliarden Euro haben die Private-Equity-Investoren Permira und KKR im vergangenen Jahr für den deutschen Fernsehsender bezahlt. Bei den internationalen Firmenjägern ist Deutschland ein beliebtes Revier: Rund 50 Milliarden Euro haben Finanzinvestoren im Jahr 2006 ausgegeben, um sich an deutschen Unternehmen zu beteiligen. Das ist so viel Geld wie nie zuvor.

Schwere Last: Firmenjäger kaufen auf Pump - die Schulden müssen die Unternehmen schultern
Doch von Abkühlung keine Spur. "2007 könnte ein neues Rekordjahr werden", sagt Joachim Spill, Leiter des Bereichs Transaktionsberatung bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Nicht nur die Kaufpreise steigen, auch die Übernahmeziele werden größer: Die Übernahme eines Dax-Konzerns ist nach dem gescheiterten Übernahmeversuch von Continental im vergangenen Herbst nur noch eine Frage der Zeit, meint Spill: "Wahrscheinlich kommt es schon in diesem Jahr dazu."

50 Milliarden Euro im Jahr 2006, vielleicht 70 Milliarden Euro im Jahr 2007. Im Beteiligungsgeschäft in Deutschland geht es um immer mehr Geld - das allerdings nicht von den Firmenjägern auf den Tisch gelegt, sondern zum großen Teil in Form von Schulden an die betroffenen Unternehmen weitergereicht wird.

Übernahme auf Pump gehört zu den Prinzipien des Private-Equity-Geschäfts: Ein Übernahmerekord ist damit auch ein Verschuldungsrekord. Selbst diejenigen, die an dem Schuldenspiel glänzend verdienen, warnen inzwischen vor einer bösen Überraschung.

Kaufrausch auf Pump - Schuldenlast steigt

Er sehe "wachsende Risiken" durch eine Liquiditätsblase an den Kreditmärkten, warnte zum Beispiel der Europa-Chef der Beteiligungsgesellschaft KKR, Johannes Huth, anlässlich des jüngsten Eigenkapitalforums in Frankfurt. Übernommene Firmen würden derzeit mit Schulden belastet, die mehr als fünfmal so hoch seien wie der jeweilige operative Jahresgewinn. KKR selbst ziehe die Obergrenze bei 4,5. Im Klartext: Kreditgeber und Investoren gehen inzwischen Verschuldungsrisiken ein, bei denen selbst einem Schwergewicht wie KKR bange wird.

"Die Kaufsummen steigen, und der Kreditanteil steigt auch", sagt Matthias Volkmer, Analyst im European-Leverage-Finance-Team bei Fitch Ratings. Gab es 2002 in Westeuropa noch 104 gemeldete kreditfinanzierte Übernahmen im Wert von rund 33 Milliarden Euro, waren es 2005 bereits 184 Übernahmen im Wert von 75 Milliarden Euro. Nebeneffekt: Die Schuldenlast der betroffenen Unternehmen ist in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden - und dieser Trend nimmt inzwischen bedrohliche Ausmaße an.

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