Konjunkturgutachten Private sollen ran

Die Bundesregierung ändert das Verfahren für die Gutachten zur wirtschaftlichen Entwicklung. Ab Herbst soll die Gemeinschaftsdiagnose offen ausgeschrieben werden. Künftig könnten sich dann nicht mehr nur von Bund und Ländern finanzierte Institute beteiligen, sondern auch private und ausländische Einrichtungen.

Berlin - Die Bundesregierung will ihre jahrzehntelange Vergabepraxis für die halbjährlich erteilten Konjunkturgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute radikal ändern. Schon ab Herbst 2007 soll der Auftrag für die Gemeinschaftsdiagnosen europaweit ausgeschrieben werden, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Freitag sagte.

Jeweils im Frühjahr sollen die Gutachter neben der üblichen Prognose für das laufende und das nächste Jahr auch eine Mittelfristschätzung abgeben. Die halbjährlichen Expertisen sollen unmittelbar nach ihrer Erstellung mit dem Ministerium diskutiert werden. Kurz darauf legt die Regierung ihre Wachstumsprognose vor.

Der Sprecher bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Handelsblatt". Seit Jahrzehnten werden die beiden Gemeinschaftsgutachten von den sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstituten angefertigt. Das sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung, das Institut für Weltwirtschaft, das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv, das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle an. Zuletzt gab es in der Regierung heftige Kritik an den hohen Schwankungen der Institutsprognosen.

Von dem geänderten Vergabeverfahren für die Gutachten erhofft sich das Wirtschaftsministerium mehr Wettbewerb zwischen den Forschern und damit "besser fundierte" Ergebnisse der Analysen. Künftig können sich auch privat finanzierte und ausländische Institute an der Ausschreibung für die Gutachten beteiligen. Zudem soll die Zahl der beteiligten Einrichtungen von sechs auf unter fünf reduziert werden.

Der Auftrag für die Frühjahrs- und Herbstgutachten wird dem "Handelsblatt" zufolge für drei statt wie bislang ein Jahr vergeben. Zudem soll ein "stiller Beobachter" aus dem Wirtschaftsministerium an den Beratungen der Gutachter teilnehmen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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