Airbus-Streit Entscheidung bis zum 9. März

EADS wird seine Entscheidung im Streit um das Airbus- Sanierungsprogramm und den geplanten Wegfall von Tausenden Stellen bis zum 9. März bekannt geben. Bereits an diesem Freitag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac einen Kompromiss in diesem Konflikt suchen.

Paris/Hamburg - "Der EADS-Aufsichtsrat wird seine Entscheidung gegen Ende Februar treffen", sagte ein EADS- Sprecher am Donnerstag. Am 9. März legt EADS  seine Jahresbilanz für 2006 vor. An diesem Freitag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac auf Schloss Meseberg nahe Berlin nach einem Kompromiss im Airbus-Streit um die Verteilung der Sanierungslasten suchen.

Chirac sei an einer schnellen Lösung "in einem Geist der Partnerschaft" interessiert, teilte das Präsidialamt am Donnerstag in Paris mit. In der Bundesregierung hieß es, bei dem Treffen Chiracs und Merkels seien aber keine Beschlüsse zu erwarten. Gleichzeitig kursierten am Donnerstag weitere Gerüchte um Werksverkäufe in Deutschland. Sie wurden vom Airbus-Mutterkonzern EADS als "Spekulation" zurückgewiesen.

Ursprünglich hätte das Airbus-Sparprogramm am 20. Februar veröffentlicht werden sollen. Doch wegen strittiger Fragen um die Airbus-Standorte hatte EADS die Bekanntgabe verschoben. Einen Disput mit Berlin lösten Äußerungen von Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin aus, dass 10.000 Stellen europaweit bei Airbus wegfallen sollen.

Dem Vernehmen nach ist nicht mehr so sehr der Arbeitsplatzabbau umstritten als vielmehr die Aufteilung der Produktionsstandorte mit zukunftsträchtigen Technologien. Hierauf dürfte sich vor allem auch das Interesse Chiracs und Merkels richten. Bei der Zukunftstechnik geht es - wie im Fall des neuen Langstreckenjet A350 - auch um neue Werkstoffe auf Kohlefaserbasis, hier wollen Berlin und Paris einen Kompromiss anstreben, der auch die Frage des Standortes für die künftige A320-Produktion einschließt. Für die Verfahren mit den neuen Werkstoffen ist zum Beispiel auch der Airbus-Standort in Stade bislang weltweit führend.

Werke in Varel und Nordenham gelten als gefärhdet

Die Gewerkschaften befürchten in Deutschland die Gefährdung von Werken speziell Varel und Nordenham in Niedersachsen. Vom Sanierungsprogramm "Power 8" sollen nach einem Bericht des Bremer "Weser Kurier" (Donnerstag) 3700 Mitarbeiter in Deutschland betroffen sein. Airbus beschäftigt hier zu Lande rund 23.000 Mitarbeiter.

Am härtesten werde es Varel und Nordenham mit 3500 Beschäftigten treffen, die angeblich verkauft werden sollen, schreibt die Zeitung. Für das größte deutsche Airbus-Werk in Hamburg, aber auch für Bremen und Stade wolle Airbus eine Bestandsgarantie geben. Das Blatt beruft sich auf Koalitionskreise. Betriebsbedingte Kündigungen werde es ebenso wenig geben wie Massenentlassungen. Airbus habe zugesichert, dass der Stellenabbau sozial abgefedert werde.

Merkel und Chirac wollen weitere Eskalation abwenden

Gerüchte auch um Werke in Buxtehude und Laupheim

Die "Financial Times Deutschland" schrieb am Donnerstag auch die Werke Buxtehude (Niedersachsen) und Laupheim (Baden-Württemberg) mit zusammen 1500 Beschäftigten stünden auf der Verkaufsliste. Die beiden Werke sollten unter Regie eines Investors zu einem Kompetenzzentrum Kabinenausstattung werden.

Merkel und Chirac wollen weitere Eskalation abwenden

Chirac und Merkel wollen nach ihrem Treffen dem Vernehmen nach eine Erklärung abgeben, um eine weitere Eskalation im Airbus-Streit abzuwenden. "Man wird das Thema prinzipiell ansprechen", hieß es. "Die beiden werden aber sicherlich nicht das Unternehmen neu ordnen." Wie das Präsidialamt in Paris weiter mitteilte, geht es dem Präsidenten auch um eine "gerechte Verteilung der Anstrengungen in der Sorge um Arbeitsplätze". Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) lehnt einen "Schrumpfkurs" bei Airbus ab. Stattdessen sollten die "Wachstumspotenziale" genutzt werden, forderte er am Rande des EU-Arbeitsministerrats in Brüssel. Ein möglicher Stellenabbau müsse "in gerechter Weise geschehen".

"Alle Zahlen über einen angeblichen Stellenabbau und alle Namen von Werken, die angeblich betroffen sind, sind und bleiben Spekulation", sagte ein EADS-Sprecher in München. "Das Board of Directors hat bislang keine Entscheidung getroffen. Wer auch immer neue Spekulationen in die Welt setzt, spielt in unverantwortlicher Weise mit den Ängsten der Mitarbeiter."

Der Chef der niedersächsischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Holger Ortel, wies darauf hin, dass laut EADS-Co-Chef Thomas Enders alle vier Airbus-Länder in die Überlegungen bei der Restrukturierung einbezogen werden sollen. Neben Deutschland und Frankreich sind dies auch Spanien und Großbritannien.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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