Schuldenabbau Tui verkauft Schiffe und Hafenanlage

Der von Verlusten geplagte Reise- und Schifffahrtskonzern Tui hat zum Abbau seiner hohen Schulden sieben Containerschiffe und eine Hafenanlage verkauft. Die Verbindlichkeiten sinken damit um 620 Millionen Euro. Die Aktie profitiert von der Nachricht.

Frankfurt am Main - Tui  hatte bereits im Dezember angekündigt, mit Hilfe von Verkäufen den Schuldenstand von 3,5 Milliarden Euro um eine Milliarde zu verringern. Die sieben Schiffe seien zum Jahresende an ein Leasingunternehmen der HSH Nordbank veräußert worden. Die Tui-Reederei Hapag-Lloyd werde sie einschließlich der dazugehörigen Container allerdings mieten und weiterhin nutzen. Diese Transaktion bringe netto rund 320 Millionen Euro ein.

Wie bereits von Konzernchef Michael Frenzel angekündigt, hat sich das Unternehmen auch von 80 Prozent an einem Schiffsterminal im kanadischen Montreal getrennt, das Ende 2005 zusammen mit der Reederei CP Ships übernommen worden war. Käufer sei eine Tochter der Investmentbank Morgan Stanley. Hapag-Lloyd bleibe mit 20 Prozent beteiligt und werde auch künftig wichtigster Nutzer der Hafenanlage sein, erläuterte Tui. Deren Verkauf bringt netto 300 Millionen Euro.

Außerdem sollen Immobilien, wie etwa Hotels, verkauft werden, deren Besitz Tui nicht als zwingend notwendig erachtet. Zum Stand diese Pläne wollte sich das Unternehmen am Donnerstag nicht äußern.

Anleger reagierten positiv auf die Verkaufsmitteilungen. Die Tui-Aktie baute ihre Kursgewinn aus und notierte zeitweise fast drei Prozent über dem Vortag bei knapp 19 Euro. Händler erklärten den Kursgewinn darüber hinaus mit einer Studie von JP Morgan. Analysten der US-Investmentbank haben die Titel in einer Ersteinschätzung mit "Übergewichten" und einem Kursziel von 23 Euro bewertet.

Bei Finanzinvestoren in der Kritik

Der hannoversche Konzern steht insbesondere bei Finanzinvestoren im Kreuzfeuer der Kritik. Für 2006 wird das Unternehmen voraussichtlich einen Konzernverlust von bis zu einer Milliarde Euro bekannt geben. Die Schifffahrt dürfte dazu wegen der niedrigen Frachtpreise und der hohen Treibstoffkosten bis zu 100 Millionen Euro Verlust beigetragen haben. Der Großteil der Belastungen dürfte aus Abschreibungen auf die Touristikbeteiligungen in Großbritannien und Frankreich stammen.

Tui hatte mit den Zukäufen im Reisegeschäft seit Ende der 90er Jahre Schulden angehäuft, diese zeitweilig aber auf unter zwei Milliarden Euro gedrückt. Mit der Übernahme von CP Ships stiegen die Verbindlichkeiten aber wieder um fast zwei Milliarden Euro an.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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