Deutsche Telekom Verdi droht mit Streik

Telekom-Chef Obermann steuert auf Konfliktkurs mit Verdi. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen 60.000 Mitarbeiter in eigene Gesellschaften ausgegliedert werden. Bisher war nur von 45.000 die Rede. Dem Konzern steht eine Protestwelle ins Haus.

Hamburg - Die Deutsche Telekom  plant angeblich deutlich mehr Beschäftigte in neue Gesellschaften auszugliedern als bislang bekannt wurde. Nach Informationen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sollen rund 60.000 Beschäftigte von den Sparmaßnahmen des neuen Telekom-Chefs René Obermann betroffen sein. Das wären fast ein Drittel mehr als bisher geplant.

Die Gewerkschaft kündigte massiven Widerstand an. Für kommenden Mittwoch sei eine Protestkundgebung mit mehr als 10.000 Teilnehmern geplant. Man sei empört und wolle notfalls zum Streik aufrufen, sagte Ado Wilhelm, Verdi-Vertreter im Telekom-Aufsichtsrat. Besonders aufgebracht sei er über Pläne für die Mobilfunktochter T-Mobile. Den Mitarbeitern sei vor neun Monaten versprochen worden, dass sie vor Ausgliederungen sicher seien. Im Gegenzug hatten sie einer Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen zugestimmt.

Eine Telekom-Sprecherin nannte die Verdi-Zahl von 60.000 "aus der Luft gegriffen". Obermann hatte erklärt, das unter dem Namen "T-Service" laufende Outsourcing für das seit Jahren problematische Deutschlandgeschäft könne auch mehr Beschäftigte als die bislang bezifferten 45.000 Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com betreffen. Dort sollen die Bereiche technische Infrastruktur und der technische Kundendienst mit 35.000 Mitarbeitern in eigenständige Gesellschaften ausgelagert werden. Eine dritte Einheit soll aus den Call-Centern der T-Com mit 10.000 Mitarbeitern entstehen.

Nach den jüngsten Plänen soll aber offenbar auch der gesamte Kundenservice von T-Mobile Deutschland ausgelagert werden, wie aus einem Schreiben an die T-Mobile-Mitarbeiter hervorgeht. Betroffen sind laut Wilhelm rund 2700 Stellen. Es gebe auch Untersuchungen, ob Teile der Technik von T-Mobile ausgelagert werden könnten. Auch die Internetsparte T-Online sei betroffen. Dort bestehe die Absicht, zwei Call-Center in Oldenburg und Kiel mit insgesamt 700 Mitarbeitern auszugliedern.

Möglicherweise erstrecken sich die Pläne auch auf die Geschäftskundentochter T-Systems. Dort wird diskutiert, den Außendienst mit 1200 Beschäftigten in eine eigenständige Gesellschaft auszugründen. Zudem steht die hauseigene Unternehmensberatung Detecon mit 780 Beschäftigten auf dem Prüfstand. Sie wird als nicht mehr zum Kerngeschäft gehörig betrachtet. Das gilt nach übereinstimmenden Angaben auch für den Geschäftsbereich Media & Broadcast, der technische Dienstleistungen für Radio- und Fernsehsender erbringt. In dem Bereich sind rund 1200 Mitarbeiter tätig. Erwogen wird aber offenbar auch ein Verkauf.

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters und dow jones

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