Airbus "Ein Unternehmen ist das nicht"

Vor dem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Freitag verschärft sich der Ton in der Airbus-Krise. Frankreich begreife den Mutterkonzern EADS als Staatsunternehmen, kritisierte Bundestagspräsident Norbert Lammert. Eine "politische Flankierung" sei deshalb auch auf deutscher Seite gerechtfertigt.

Hamburg - "Ich mache mir um den Standort Hamburg für die überschaubare Zukunft keine Sorgen", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bei einer Versammlung des Wirtschaftsrates der Hamburger CDU. Jedoch bestehe kein Zweifel daran, dass sowohl das Werk in Hamburg als auch Airbus als Ganzes "keine wirtschaftliche Perspektive" habe, "wenn alles so bleibt, wie es ist."

Der deutsch-französisch dominierte Flugzeugbauer habe einen Nachteil, so Lammert: "Ein Unternehmen ist es nicht. Ich empfehle dringend, eines daraus zu machen."

Lammert, der von 1995 bis 1998 als Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt fungierte, forderte eine "voll integrierte Unternehmensstruktur" für den europäischen Flugzeugbauer. Ohne das Problem nationaler Streitigkeiten direkt zu erwähnen, sprach er von "Relikten, die sich mittelständische Unternehmen nicht leisten können." Der Luftfahrtmarkt sei stabil - darauf sei die aktuelle Airbus-Krise jedenfalls nicht zurückzuführen.

Außerdem äußerte Lammert Enttäuschung über die Tatsache, dass DaimlerChrysler  seinen Anteil am Airbus-Mutterkonzern EADS von 22,5 auf 15 Prozent reduziert hat - während der andere Großeigner Frankreich EADS  "immer noch als Staatsunternehmen betrachtet." Jahrelang habe der deutsche Autokonzern alle möglichen Bereiche in sich vereint, nun sei die "Umkehrung eines monströsen Ehrgeizes" erkennbar: "Mit bemerkenswertem Kleinmut" verabschiede sich DaimlerChrysler aus einer Branche, die in 30 bis 50 Jahren "zu den Spannendsten gehören wird."

In Bezug auf eine mögliche Unterstützung für Airbus seitens der Bundesregierung sagte Lammert: "Eine angemessene politische Flankierung ist absolut gerechtfertigt." Auf Nachfrage von manager-magazin.de, ob Frankreich bislang eine aggressivere Industriepolitik als Deutschland betreibe, erklärte der Bundestagspräsident: Er erkenne auf französischer Seite zumindest einen "ausgeprägten politischen Gestaltungswillen". Darin bestehe ein Risiko.

"Nachvollziehbar und begründet" seien daher Bemühungen des Hamburger Senats, "dass politische Interessen sich nicht gegenüber ökonomischen Interessen durchsetzen".

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