Airbus Bischoff und Gallois streiten über Zukunft des Hamburger Werkes

Unstimmigkeiten über die Produktionsstandorte für den A350 gaben laut Airbus-Chef Louis Gallois den Ausschlag dafür, dass die Vorstellung des mit Spannung erwarteten Sanierungsprogramms verschoben wurde. Nach Informationen von manager-magazin.de war der Co-Chef des Verwaltungsrats bei der Konzernmutter EADS, Manfred Bischoff, aber über einen anderen Plan entsetzt - und blockte ihn umgehend.
Von Christian Buchholz und Andreas Nölting

Hamburg/Toulouse - Im engsten Führungskreis hatte EADS-Co-Chef Louis Gallois am vergangenen Sonntag seinen Plan für das Sanierungsprogramm Power 8 vorgetragen. Während des Treffens habe sich Gallois sehr schnell den Ärger des deutschen Vertreters an der Spitze des EADS-Aufsichtsrats, Manfred Bischoff, auf sich gezogen, berichten Insider gegenüber manager-magazin.de. Das Treffen sei schließlich ergebnislos vertagt worden.

Differenzen soll es dabei nicht nur über die Produktionsverteilung für das Zwölf-Milliarden-Euro-Projekt A350 gegeben haben, wie Gallois es in einer anschließenden Pressemitteilung verbreiten ließ: "Die Sitzung wird in den nächsten Tagen fortgesetzt, um eine Einigung über die länderübergreifende Aufteilung der industriellen Arbeitspakete für das Langstreckenflugzeug A350 XWB zu erzielen."

Bischoff, der als Vertreter von Großaktionär DaimlerChrysler  bei EADS  im Verwaltungsrat sitzt, stieß ein anderer Punkt sauer auf: Das Problem A320. Seit Jahren schon bemängeln Analysten und Flugzeugexperten, dass drei Modelle der A320-Familie in Hamburg endmontiert werden - die A318, A319 und A321 -, das mit Abstand meistverkaufte Modell A320 aber in Toulouse. Im Sinne eines Sparprogramms hatten die deutschen Manager bei EADS erwartet, dass die Produktion des A320 zu seinen Geschwistermodellen nach Hamburg-Finkenwerder verlegt werde. So war es offenbar auch vorab besprochen worden.

Vorgespräch mit Gallois ohne Wirkung

Gallois' Plan sah aber das genau nicht vor, die A320-Produktion sollte unangetastet in Toulouse bleiben. Das allerdings erzürnte Bischoff. Der Deutsche sei "entsetzt" gewesen, erzählen Insider. Wenn schon der Standort Hamburg beim Riesenflugzeug A380 nur mit Arbeiten wie Lackierung und einem Teil der Innenausstattung benachteiligt sei und die wichtigsten Teile des Projekts A350 in Frankreich konzentriert werden sollen - dann, so hatte Bischoff es erwartet, hätte Hamburg im Gegenzug den A320 bekommen - und damit gute Perspektiven für die Zukunft.

Bischoff, dem auch EADS-Co-Chef Thomas Enders zur Seite sprang, pochte energisch auf seine Forderung. Gallois zeigte sich ebenfalls unerbittlich, eine Einigung zeichnet sich bis heute nicht ab. Bischoff hatte sich nach Informationen von manager-magazin.de bereits zwei Wochen bevor es zu dem Disput mit Gallois kam, mit ihm über den Sanierungsplan Power 8 ausgetauscht. Einige Punkte, die er vorab als Bedingung für eine Zustimmung von deutscher Seite zum Sanierungskonzept gemacht habe, tauchten aber in Gallois Wunschplan nicht mehr auf, heißt es aus den Kreisen. Bischoff war insbesondere über das A320-Thema brüskiert und intervenierte.

Bei EADS hieß es allerdings, Bischoff habe sich mit Gallois nicht über die Zukunft des Hamburger Werkes gestritten: "Es hat am Sonntag im Board keinerlei strittige Diskussion über die A320 gegeben. Jede anders lautende Darstellung kann ich nur dementieren", so Enders gegenüber manager-magazin.de.

Die A320 ist das Modell in der Airbus-Flotte, das die längste Zeit ohne maßgebliche Veränderungen in der Luft ist. Allgemein wird erwartet, dass eine Überarbeitung oder sogar eine Neuentwicklung des Flugzeugs - der Konzern hat sich noch für keine der Alternativen ausgesprochen - die nächste Milliarden-Investition nach dem Projekt A350 wird. Bleibt die A320-Produktion in Frankreich, dürfte die Entwicklung des Nachfolgers in Toulouse angesiedelt werden. In Hamburg blieben dann nur noch die Feinarbeiten für die Angleichung der Geschwister an das neue Flaggschiff der A320-Familie.