Airbus Villepin bestätigt Abbau von 10.000 Stellen

Der französische Premierminister Dominique de Villepin hat den beabsichtigten Abbau von 10.000 Stellen beim Flugzeugbauer Airbus bestätigt. Am Freitag wollen Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin über die Airbus-Krise sprechen.

Paris - Bei dem europäischen Flugzeughersteller Airbus werden nach den Worten des französischen Ministerpräsidenten Dominique de Villepin insgesamt rund 10.000 Stellen wegfallen. In Deutschland beschäftigt Airbus rund 23.000 Mitarbeiter. Insgesamt sind es mehr als 50.000 Beschäftigte. Die Gewerkschaften befürchten die Trennung von ganzen Werken.

Der geplante Stellenabbau bei Airbus in Hamburg soll weniger als 1000 Stellen umfassen. Das schreibt die " Bild"-Zeitung (Dienstag). Die Betriebsräte hätten befürchtet, dass deutlich mehr Stellen wegfallen. Das Unternehmen wollte sich zu den Zahlen nicht äußern. "Es gibt noch keine Entscheidungen", sagte Airbus-Sprecher Tore Prang am Dienstag. Hamburg ist mit rund 12.000 Mitarbeitern der größte Airbus-Standort in Deutschland. Hier befindet sich die Endmontage für Kurz- und Mittelstreckenjets A318, A319 und A321. Außerdem erhalten die A380-Riesenjets hier ihre Innenausstattung.

Die "Bild" berichtet außerdem, der EADS-Konzern plane den Verkauf der niedersächsischen Airbus-Werke in Varel (Kreis Friesland) und Nordenham (Kreis Wesermarsch). Dort arbeiten insgesamt 3500 Beschäftigte. Die Betriebsräte beider Werke waren am Morgen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Arbeitszeit in deutschen Werken soll den Angaben zufolge von 37,5 auf 40 Stunden verlängert werden. In Deutschland gibt es eine Vereinbarung, die bis 2012 keine betriebsbedingten Kündigungen bei Airbus zulässt.

Villepin sagte am Dienstag am Rundfunk, er habe über die Probleme bei Airbus mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen. "Das ist eine Frage, die wir auf höchster Ebene angehen wollen", fügte Villepin an. Präsident Jacques Chirac und Merkel wollen die Airbus-Krise bei einem Treffen am Freitag auf Schloss Meseberg bei Berlin erörtern.

Er habe Merkel angerufen und das französische Bestreben übermittelt, "eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden", sagte Villepin weiter. In dem weitgehend deutsch-französischen Unternehmen "muss eine gerechte Verteilung zwischen den einen und den anderen gefunden werden", sagte Villepin.

"Der Anpassungsprozess des Unternehmens schließt Maßnahmen bei der Beschäftigung ein, die heikel sind", sagte Villepin. "In dem Plan sind 10.000 Arbeitsplätze vorgesehen", die wegfallen sollen. Man müsse jedoch darauf achten, auf welche Art und Weise dies geschehe. "Für jeden einzelnen muss eine Antwort gefunden werden", erklärte Villepin.

Streit zwischen Frankreich und DaimlerChrysler?

Streit zwischen Frankreich und DaimlerChrysler?

Villepins Angaben über den geplanten Jobabbau werden vom Management des Mutterkonzerns EADS nicht bestätigt. "Da weiß er vielleicht mehr als ich", sagte EADS-Co-Chef Tom Enders am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Hamburg. "Es sind noch keine Entscheidungen getroffen." Enders wollte nicht sagen, wann die Details des Airbus-Sanierungsprogramms Power 8 veröffentlicht werden. Er sei zuversichtlich, dass in den kommenden Tagen gute Gespräche geführt würden. Viele Befürchtungen und " Horrorszenarien" seien überzogen.

Unterdessen heißt es in einem Pressebericht, dass das geplante Sanierungsprogramm beim Flugzeugbauer Airbus wegen eines Streits zwischen DaimlerChrysler  und dem französischen Staat verschoben worden sei. Der deutsche Großaktionär sehe die Gefahr, dass Frankreich die Rumpfproduktion des geplanten Langstreckenjets A350 zu großen Teilen an sich ziehe, schreibt die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) ohne nähere Angabe von Quellen.

Außerdem gebe es Zweifel an den angepeilten Sparzielen. Daher habe der Autokonzern, der seine Beteiligung an der Airbus-Muttergesellschaft EADS auf 15 Prozent zurückfährt, dem Sanierungsprogramm Power 8 die Zustimmung verweigert.

EADS hatte am Montag überraschend die für Dienstag geplante Bekanntgabe des Restrukturierungsprogramms ausgesetzt. Begründet wurde die Aussetzung mit der Notwendigkeit weiterer Beratungen über die Arbeitsaufteilung für den A350.

Auf Seiten der Franzosen rege sich aber auch Unmut gegen DaimlerChrysler, da hinter dem Unternehmen die Bundesregierung vermutet werde, berichtet die Zeitung weiter.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters