Airbus Bange Blicke nach Toulouse

Der Flugzeughersteller Airbus gibt am Dienstag Details zu seinem Sparprogramm bekannt. Allein in Deutschland sind bis zu 8000 Arbeitsplätze bedroht, Standortschließungen werden nicht ausgeschlossen.

Toulouse - Mit Angst um ihren Arbeitsplatz dürften rund 23.000 deutsche Airbus-Beschäftigte am Dienstag nach Toulouse blicken. Dort will die Leitung des angeschlagenen europäischen Flugzeugherstellers Einzelheiten zu dem Anfang Oktober angekündigten Sparprogramm "Power8" bekannt geben.

Gewerkschaften befürchten in Deutschland den Wegfall von bis zu 8000 Stellen. Als sicher gilt bislang zumindest, dass es die sieben deutschen Standorte in ihrer heutigen Form künftig nicht mehr geben wird.

Nicht bezweifelt wird, dass harte Einschnitte nötig sind, um nach dreimaligen Auslieferungsverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 und den Problemen beim Langstreckenflugzeug A350 auch langfristig gegen den amerikanischen Wettbewerber Boeing  bestehen zu können. Befürchtet wird hierzulande allerdings, dass diese Einschnitte zu Lasten Deutschlands gehen werden.

Schließlich hat sich das Gleichgewicht bei Airbus in der Vergangenheit Richtung Frankreich verschoben. Nachdem der Deutsche Christian Streiff im vergangenen Oktober nach nur drei Monaten das Handtuch an der Spitze von Airbus warf, übernahm der französische Co-Chef des Mutterkonzerns EADS , Louis Gallois, den Posten in Personalunion.

Ein Großteil der Spitzenpositionen bei Airbus sind von Franzosen besetzt. Zudem stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an, in deren Vorfeld Massenentlassungen tunlichst verhindert werden sollen.

So stiegen Bund und Länder indirekt beim Airbus-Mutterkonzern EADS ein, um einem weiteren Verlust des Einflusses auch bei der Flugzeugtochter vorzubeugen. Gemeinsam mit Banken übernehmen sie 7,5 Prozent der EADS-Anteile vom Autokonzern DaimlerChrysler. Damit halten Deutschland und Frankreich weiter beide mittelbar oder unmittelbar 22,5 Prozent an EADS.

Angst in Nordenham und Varel

Angst in Nordenham und Varel

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm stellte anschließend klar, die Regierung sei mit der gefundenen "Stabilität im Aktionärskreis" für die Gespräche um die Airbus-Sanierung "besser aufgestellt". Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) schlug nach der gefundenen Lösung mildere Töne an. Hatte er zuvor EADS noch indirekt mit dem Entzug deutscher Rüstungsaufträge gedroht, gab er nun als Ziel aus, "dass die deutschen Standorte nicht überdurchschnittlich zur Ader gelassen werden".

Glos erwartet "vom EADS-Management Entscheidungen, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus insgesamt langfristig gesichert wird, die aber gleichzeitig auch Zukunftschancen, technologisches Know-how und hochwertige Arbeitsplätze an den deutschen Standorten erhalten". Auch die Ministerpräsidenten der Länder vertreten diese Linie.

Standortschließungen sind dabei nicht ausgeschlossen. "Wir können es uns auf Dauer nicht mehr leisten, überall aus eigener Kraft soviel zu investieren, wie notwendig ist, um jeden Standort zu sichern", sagte Gallois in der vergangenen Woche. Befürchtet wird von Arbeitnehmern etwa die Trennung von einigen deutschen Standorten, zum Beispiel die Auslagerung der Komponentenwerke in Nordenham und Varel.

Gallois und EADS-Co-Chef Thomas Enders ließen sich bislang nicht in die Karten blicken. Enders sagte zwar eine faire und ausgewogene Belastung aller nationalen Konzernsteile zu, will aber zugleich sicherstellen, "dass notwendige Umstrukturierungen und Effizienzgewinne realisiert werden". Es ist gerade dieser Zusatz, der die deutschen Airbus-Mitarbeiter bangen lässt.

manager-magazin.de mit Material von ddp