DaimlerChrysler Möglicher Chrysler-Coup treibt die Aktie

Berichte in US-Medien bestätigen zwei Tage nach der Meldung von manager magazin, dass DaimlerChrysler mit General Motors über einen Verkauf der US-Tochter verhandelt. Die Aktie setzt erneut zu einem Kurssprung an.

Detroit - Die Hinweise auf Gespräche zwischen der General Motors  (GM) und Wettbewerber Chrysler Group über einen Kauf der angeschlagenen DaimlerChrysler-Tochter verdichten sich. Am Freitag berichtete auch die Fachpublikation "Automotive News" unter Berufung auf nicht näher genannten Quellen in Deutschland und den USA, dass zwischen Vertretern von GM und DaimlerChrysler  auf hochrangiger Führungsebene Gespräche stattfänden.

Dabei sei zwar auch die Kooperation bei einem großen SUV erörtert worden, doch dürfte eine mögliche Vereinbarung weit über eine Allianz in der Produktionsentwicklung hinausgehen, werden die Informanten zitiert. Weder GM noch der Stuttgarter Konzern wollten zu dem Bericht Stellung nehmen.

manager-magazin.de berichtete bereits am Mittwoch, dass über den Verkauf von Chrysler an GM Gespräche geführt werden. Konzernchef Dieter Zetsche wollte die Meldung während der Jahrespressekonferenz des Konzerns, die in Auburn Hills stattfand, nicht kommentieren.

Kursplus von mehr als 15 Prozent in drei Tagen

Seitdem ist die Aktie in den USA von 64,50 Dollar auf zeitweise mehr als 74 Dollar gestiegen. Am Freitag gegen 19.30 Uhr MEZ lag das Tagesplus der Aktie bei mehr als vier Prozent. Im Dax hatte DaimlerChrysler bis Handelsschluss Xetra ein Plus von 1,3 Prozent erreicht.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters zitierte "eine mit der Situation vertraute Person", die die Berichte von manager-magazin.de und "Automotive News" am Freitag bestätigte.

DaimlerChrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche, der Chrysler selbst fünf Jahre lang geführt hatte, prüft für die defizitäre US-Tochter alle Optionen und schließt damit erstmals seit der Fusion vor rund neun Jahren einen Verkauf nicht mehr aus.

Die Aktie von DaimlerChrysler zog auf die Nachricht hin um fast zwei Prozent an und schloss 1,3 Prozent fester bei 54,12 Euro. GM-Papiere wurden in New York mit einem Abschlag von 0,2 Prozent bei 36,37 Dollar gehandelt.

Opels BR-Chef warnt GM vor dem Deal

Opels BR-Chef warnt GM vor dem Deal

Der Betriebsratschef der GM-Tochter Opel, Klaus Franz, warnte den Mutterkonzern vor einer Übernahme von Chrysler. Das wäre ein "Desaster", sagte er "Automotive News Europe". Chrysler habe nicht die richtige Modellpalette. Er hoffe, dass GM seine Lektion aus den schlechten Erfahrungen mit dem Ex-Partner Fiat  gelernt habe.

Chrysler und GM fahren derzeit Verluste ein und kämpfen mit hohen Rabatten um die Gunst der Käufer. Diese geben aber immer mehr kompakten, verbrauchsarmen Fahrzeugen den Vorzug, wie sie hauptsächlich von der japanischen Konkurrenz angeboten werden. Die "New York Times" berichtete am Freitag unter Berufung auf Firmenkreise berichtet, die beiden Konzerne verhandelten über die mögliche Lieferung des von GM produzierten Geländewagens Chevrolet Tahoe an Chrysler. Als Zeitrahmen für die Gespräche seien sechs Monate vereinbart worden.

Auch das "Wall Street Journal" berichtete am Freitag über eine Allianz zwischen der vor einer weiteren Sanierungsrunde stehenden DaimlerChrysler-Tochter und dem weltgrößten Autobauer.

Absatz-Verdopplung außerhalb der USA

Ob eine Vereinbarung gelinge, sei jedoch ungewiss, zitierte die Finanzzeitung Unternehmenskreise. Es sei unwahrscheinlich, dass die Kooperation der beiden Autobauer über die Zusammenarbeit bei einigen Projekten hinausgehe.

Der unter Erfolgsdruck stehende Chrysler-Chef Tom LaSorda will unter anderem durch Allianzen und Kooperationen 2008 wieder schwarze Zahlen schreiben. Zugleich soll der marginale Absatz außerhalb Nordamerikas ausgeweitet werden. Das Chrysler-Ziel, den jährlichen Absatz außerhalb Nordamerikas von etwa 200.000 Fahrzeugen zu verdoppeln, müsse erhöht werden, sagte der seit 2005 amtierende Chrysler-Chef dem "Wall Street Journal".

Mehr als 90 Prozent der 2,7 Millionen im vergangenen Jahr verkauften Chrysler-Autos gehen an Kunden in den USA, Kanada und Mexiko. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern will Chrysler Produktions- und Vertriebskosten sparen. In China will Chrysler nun auch Autos der Marke Dodge verkaufen. Bisher waren dort nur die die Marken Chrysler, Jeep und Mercedes erhältlich.

Dazu werde ein landesweites Händlernetz auf dem nach den USA weltweit zweitgrößten Fahrzeugmarkt aufgebaut, kündigte DaimlerChrysler an. Verkaufsstart soll im laufenden Jahr sein.

Außer Überkapazitäten plagen Chrysler auch hohe Kosten für Pensionszusagen und Gesundheitszuschüsse. GM und der ebenfalls rote Zahlen schreibende US-Autobauer Ford haben der US-Gewerkschaft UAW Zugeständnisse abgerungen und produzieren damit zu günstigeren Kosten als Chrysler.

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters

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