Deutsche Bahn 1800 Bahnhöfe stehen zum Verkauf

Um drei Viertel will die Bahn die Zahl ihrer Bahnhöfe mit Empfangsgebäude reduzieren, nur 600 will der Konzern in Eigenregie weiter betreiben. Die Initiative "Allianz pro Schiene" fordert die komplette Streichliste und wirft dem Konzern vor, Kommunen und Länder nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Berlin - Die Deutsche Bahn hat den Vorwurf zurückgewiesen, bei dem geplanten Verkauf unrentabler Bahnhofsgebäude etwas zu verheimlichen. Von den 2400 Bahnhöfen mit Empfangsgebäude seien wegen Größe oder Lage nur etwa 600 wirtschaftlich zu betreiben, teilte das Unternehmen am Freitag in Berlin mit. Von den übrigen 1800 Immobilien will sie sich in den kommenden Jahren trennen, ein genauer Zieltermin wurde auch auf Nachfrage nicht genannt.

Die Bahn werde mit Unterstützung der Länder allerdings in diesem Jahr die Sanierung kleiner Stationen vorantreiben. Das Bündnis "Allianz pro Schiene" hatte dem bundeseigenen Konzern mangelnde Transparenz beim Verkauf vorgehalten.

"Politik und Bevölkerung haben Anspruch auf komplette Listen pro Bundesland mit den Bahnhofsgebäuden, die die DB abstoßen möchte", sagte der Geschäftsführer der Initiative, Dirk Flege. "Die Bahnhofsgebäude an den für Personenverkehr genutzten Strecken müssen den Kommunen in einem gemeinsamen und transparenten Verfahren zum Kauf angeboten werden."

Bahnhöfe im Schnitt 85 Jahre alt

In Fällen, in denen der Verkauf nicht gelingt, dürfte die Bahn, deren Empfangsgebäude ein Durchschnittsalter von 85 Jahren aufweisen, auch zu Abriss-Massnahmen greifen. Daneben ist der Abzug von Servicepersonal zu erwarten.

Die Bahn habe es versäumt, einen Hilferuf an alle Bundesländer und Kommunen auszusenden, um die Finanzierung nicht rentabler Empfangsgebäude sicherzustellen. Insgesamt betreibt die Bahn mehr als 5400 Bahnhöfe und Stationen, davon verfügen etwa 3000 nicht über Empfangsgebäude.

500 Millionen jährlich für Sanierungen

Die Bahn stellte die Lage als undramatisch dar. "Der Service für den Kunden hat bei der Bahn nach wie vor oberste Priorität", sagte eine Bahnsprecherin gegenüber manager-magazin.de. Dennoch dürfe man wirtschaftliche Erwägungen in bezug auf die Immobilien nicht außer Acht lassen.

Bereits vor fünf Jahren sei gemeinsam mit den Ländern im Rahmen eines Bahnhofentwicklungsprogramms eine bundesweite Sanierungsoffensive gestartet worden. Mit den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gebe es für die Jahre 2007 bis 2009 bereits Finanzierungsvereinbarungen zu dem Thema.

"Alle Kommunen angeschrieben"

"Alle Kommunen angeschrieben"

Der Konzern investiere jährlich rund 500 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung seiner Bahnhöfe und Stationen. An der Finanzierung der Bauarbeiten unter anderem im Erfurter Hauptbahnhof, im Lübecker Hauptbahnhof und am Eurobahnhof Saarbrücken seien auch der Bund und die Länder beteiligt.

Die Bahn entwickele seit einigen Jahren gemeinsam mit Partnern in den Ländern und Kommunen oder auch privaten Interessenten Konzepte für den Verkauf und die anschließende Nutzung der Empfangsgebäude. Erster Ansprechpartner seien immer die Kommunen. "Wir sprechen mit den Ländern, haben alle Kommunen angeschrieben", sagt der Vorstandschef der Bahntochter Station & Service, Wolf-Dieter Siebert.

Viele Beispiele zeigten, dass nach dem Verkauf neues Leben in die alten Gebäude einziehen kann, von denen viele aus der Gründerzeit der Bahn stammen. "Auch wenn das Empfangsgebäude verkauft wurde, bietet die Bahn weiterhin einen angemessenen Service an", versicherte Siebert.

Zur "Allianz pro Schiene" haben sich 15 Organisationen zusammengeschlossen, darunter die Umweltverbände BUND und NABU sowie Verkehrsclubs und die drei Bahn-Gewerkschaften.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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