Konjunktur Experten erwarten Steuersegen

Dank der guten Konjunktur sollen auch in diesem Jahr die Steuerquellen sprudeln. Experten erwarten zusätzliche Einnahmen in Milliardenhöhe. Bleibt es dabei, könnte die Staatskasse 2009 sogar ein Plus aufweisen - das erste Mal seit 40 Jahren.

Berlin - Steuerexperten erwarten für dieses Jahr auf Grund der Wirtschaftsentwicklung zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von mehreren Milliarden Euro und eine deutlich niedrigere Defizitquote für die öffentlichen Haushalte. Bei anhaltend guter Lage und einer weiterhin moderaten Ausgabenpolitik werde es 2009 sogar einen Haushaltsüberschuss geben, sagte Dieter Vesper vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Tritt die Prognose des Mitglieds des Arbeitskreises Steuerschätzung ein, wäre es dem Bericht zufolge das erste Plus in der Staatskasse seit 40 Jahren. Zuletzt schrieben Bund, Länder und Gemeinden 1969 schwarze Zahlen. Das Bundesfinanzministerium stellt bislang als frühesten Termin das Jahr 2011 in Aussicht.

Vesper sagte der "Financial Times Deutschland" und der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstag), er rechne im Vergleich zur Novemberschätzung mit Mehreinnahmen von mindestens acht Milliarden Euro. Davon dürften je 3,5 Milliarden auf Bund und Länder sowie eine Milliarde auf die Kommunen entfallen. Sein Kollege vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Heinz Gebhardt, sagte: "Das Steueraufkommen dürfte um mehr als sieben Milliarden Euro höher ausfallen, als der Arbeitskreis Steuerschätzung im November vergangenen Jahres prognostizierte."

Defizitquote fällt deutlich

Beide Institute gehen deshalb von einer deutlich niedrigeren Defizitquote aus. Während die Bundesregierung mit 1,5 Prozent rechnet, prognostizieren sowohl das DIW als auch das RWI rund 1 Prozent. "Möglicherweise wird 2007 sogar eine Null vor dem Komma stehen", sagte Vesper.

Im Januar waren die Steuereinnahmen um 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die Zuwachsrate gegenüber 2006 liegt damit fast doppelt so hoch wie der von den Steuerschätzern zu Grunde gelegte Wachstumspfad für das Gesamtjahr. Insbesondere die beiden wichtigen Einzelsteuern Lohn- und Mehrwertsteuer legten kräftig zu. Bund, Länder und Gemeinden nahmen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums gut 34 Milliarden Euro ein.

Der Experte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss, sagte dem "Handelsblatt" (Donnerstag): "Das Ergebnis der letzten Steuerschätzung könnte nun in diesem Jahr um rund vier Milliarden Euro übertroffen werden." Boss betonte, dass in den Januar-Daten die Steuererhöhung der Jahreswende noch nicht berücksichtigt sei, da das Umsatzsteueraufkommen überwiegend aus den Dezember-Umsätzen stamme. Die gute Entwicklung spiegle Vorzieheffekte im Zusammenhang mit der Steuererhöhung wider.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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