DaimlerChrysler Leiden in Detroit

DaimlerChrysler lässt seine Handlungsoptionen in Bezug auf die US-Tochter Chrysler einem Zeitungsbericht zufolge von der US-Bank JP Morgan prüfen. An der Börse zog die Aktie am Donnerstag erneut kräftig an, nachdem mehrere Großbanken das Kursziel deutlich angehoben hatten.

Detroit/Washington - Die Zeitung "Detroit News" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, DaimlerChrysler  habe JP Morgan beauftragt, die weiteren Handlungsoption bezüglich der US-Sparte auszuloten. Am Mittwoch hatte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche keine Antwort auf die Frage gegeben, ob im Zusammenhang mit Chrysler bereits eine Investmentbank beauftragt worden sei. Der Konzern schließt eine Trennung von seiner verlustreichen Tochter inzwischen nicht mehr explizit aus.

An der Börse legten die Aktien des Autobauers am Donnerstag erneut kräftig zu, nachdem einige Großbanken das Kursziel deutlich angehoben hatten. Zwischenzeitlich stiegen die Papiere um knapp 6 Prozent auf 54,51 Euro.

Verheerende Auswirkungen befürchtet

Zahlreiche Analysten hatten sich nach den Sanierungsplänen für Chrysler positiv geäußert und die Titel zum Kauf empfohlen. Die Schweizer Großbank UBS  hob beispielsweise das Kursziel für die Aktien von DaimlerChrysler von 45 auf 53 Euro an, die Deutsche Bank  schlug knapp 20 Euro drauf - von 54 auf 73 Euro. Dresdner Kleinwort stufte das Kursziel von 47 auf 65 Euro hoch, JP Morgan erhöhte von 55 auf 60 Euro.

Die US-Gewerkschaft der Beschäftigten in der Automobilindustrie UAW befürchtet unterdessen durch den geplanten Stellenabbau bei Chrysler "verheerende" Auswirkungen für die Arbeiter, deren Familien und die Standorte. "Chryslers jüngste Verluste gehen nicht auf das Konto von UAW-Mitgliedern, dennoch müssen sie leiden", sagte der UAW-Präsident Ron Gettelfinger.

Die Gewerkschaft wolle sich dafür einsetzen, dass ihre entlassenen Mitglieder wieder in dem Unternehmen beschäftigt werden könnten, sobald der Autobauer in die Gewinnzone zurückkehre. Nach einem Milliardenverlust bei Chrysler im vergangenen Jahr will der Konzern bis 2009 in den USA und Kanada 13.000 Stellen streichen.

Juristischer Sieg für DaimlerChrysler

Juristischer Sieg für DaimlerChrysler

Die Laune bei den amerikanischen Beschäftigten von DaimlerChrysler wurde zudem durch eine weitere gestern verkündete Entscheidung getrübt: Erhalten die rund 132.000 Mitarbeiter des Autobauers in Deutschland doch für das vergangene Jahr einen Bonus von jeweils 2000 Euro.

Die freiwillig gezahlte Erfolgsbeteiligung fällt damit doppelt so hoch wie im Vorjahr aus. Die Mercedes-Pkw-Gruppe und die Nutzfahrzeug-Sparte hätten bessere Ergebnisse als 2005 abgeliefert, begründete das Unternehmen die Aufstockung der Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter.

Unterdessen scheiterten Anleger am Donnerstag mit ihrer Schadenersatzklage gegen den Konzern wegen der angeblich verspätet veröffentlichten Rückzugsmitteilung von Ex-DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp. Der ehemalige Chef von DaimlerChrysler hatte vor neun Jahren die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler als eine "Hochzeit im Himmel" gefeiert.

Nach Ansicht der Richter hat der deutsch-amerikanische Autobauer den Rückzug Schrempps rechtzeitig bekannt gegeben. Vor dem Beschluss des Aufsichtsrats sei DaimlerChrysler nicht verpflichtet gewesen, die Öffentlichkeit im Wege einer Ad-hoc-Mitteilung zu informieren, dass Gespräche über ein vorzeitiges Ausscheiden von Schrempp stattgefunden hätten, hieß es.

Die Unterlegenen wollen nun vor den Bundesgerichtshof ziehen. Nach der Bekanntgabe des Rücktritts von Schrempp von der Konzernspitze am 28. Juli 2005 war der Kurs der DaimlerChrysler-Aktie an der Börse in die Höhe geschnellt.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

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