Volkswagen Der Wolfsburger Frieden

Die Volkswagen-Großaktionäre Porsche und Niedersachsen haben ihren Machtkampf beigelegt. "Porsche und das Land Niedersachsen werden in Zukunft an einem Strang ziehen", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff am Mittwoch vor einer VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg.

Wolfsburg - Das Land werde künftig mit zwei, Porsche mit drei Mitgliedern im VW-Aufsichtsrat vertreten sein. "Dass der größte Aktionär den Aufsichtsratsvorsitz beanspruchen kann, das akzeptieren wir", betonte Wulff.

Wulff hatte sich in der Vergangenheit zunächst gegen eine weitere Amtszeit von Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piëch gesperrt. Zwischen dem Land Niedersachsen und der Porsche AG gebe es jenseits des VW-Gesetzes Gemeinsamkeiten, sagte der CDU-Politiker vor rund 18.000 Beschäftigten des Wolfsburger Stammwerkes. "Das VW-Gesetz ist in seiner Bedeutung überschätzt worden", meinte er. Das VW-Gesetz verstößt nach Auffassung des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen Europarecht, weil es das Land Niedersachsen bevorzugt. Ein Aus für das Gesetz, das die Stimmrechte jedes VW-Aktionärs auf maximal 20 Prozent beschränkt, ist daher absehbar.

Das Land habe Porsche als verlässlichen Partner bei VW, sagte Wulff weiter. Porsche habe durch seinen Einstieg den Zugriff von Finanzinvestoren auf das Unternehmen verhindert und verfolge mit seinem Engagement strategische Ziele. Nach Angaben von Regierungssprecher Olaf Glaeseker hatte es mehrere Gespräche von Wulff mit Piëch gegeben.

Wulff unterstrich die wirtschaftliche Bedeutung von VW als mit Abstand größtes niedersächsisches Unternehmen. "Niedersachsen und VW - das ist eine Einheit", sagte er. Das Land werde seine VW-Anteile nicht verkaufen und auf Hauptversammlungen immer mindestens die Sperrminorität haben, um eine Zerschlagung oder Aufspaltung des Autokonzerns zu verhindern.

Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh hatte Wulff zuvor aufgefordert, auch bei einem Fall des VW-Gesetzes die Landesanteile weiter zu halten. Jeder niedersächsische Ministerpräsident müsse unabhängig von der politischen Couleur ein ureigenstes Interesse am Erhalt der VW-Arbeitsplätze haben, sagte er.

Martin Winterkorn sagte in seiner ersten Ansprache als VW-Vorstandsvorsitzender vor der Wolfsburger Belegschaft, er wolle den Konzern und die Marke Volkswagen noch zukunftsfähiger und stärker machen. Das Jahr 2007 habe beim Absatz für das Unternehmen positiv begonnen, allerdings gebe es noch großes Aufholpotenzial in den beiden wichtigen Regionen China und USA. "Wir werden innovativer, kostengünstiger und kämpferischer unsere Position verteidigen und ausbauen", erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Der Golf bleibe das Herzstück von VW, aber zur Zukunftssicherung seien neue Antriebstechnologien nötig, betonte Winterkorn. Daher sei nicht nur ein großer Hybridmotor für den Touareg und den Audi Q7 in der Planung, sondern auch ein kleinerer für Fahrzeuge der Golf-Klasse.

manager-magazin.de mit Material von ap