DaimlerChrysler Schweres Geschütz

Der Exklusiv-Bericht von manager-magazin.de über die Verhandlungen mit General Motors wird zum Thema auf der Jahrespressekonferenz von DaimlerChrysler. Doch Zetsche will den Fusionsplan öffentlich nicht kommentieren. Dennoch steht die neue Strategie bei Chrysler im Zentrum der Veranstaltung, die erstmals in den USA stattfindet.

Auburn Hills - Nach der Begrüßung durch Konzernchef Dieter Zetsche - "Wir haben viel zu erklären, deshalb fangen wir am besten gleich damit an" - spricht Thomas LaSorda über das umfangreiche Sanierungsprogramm der Chrysler Group, die er leitet.

Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg sei, das Geschäftsmodell neu zu gestalten, um langfristig erfolgreich am Markt sein zu können. Dafür seien "Erlössicherungs- und Kostenmaßnahmen" nötig. Ein großer Posten dabei: Um 1,5 Milliarden Dollar sollen die Materialkosten bis 2009 sinken. Um die Marktanteile kurzfristig zu erhöhen, will der Konzern noch in diesem Jahr acht neue Chrysler-Modelle auf den Markt bringen.

"Die potenzielle Veräußerung von Nicht-Kernbereichen" werde angestrebt, erklärt LaSorda weiter - ohne hier aber ins Detail zu gehen. 2007 sollen die Umstrukturierungskosten bei einer Milliarde Euro liegen. Der Jahresabsatz bis 2009 wird sich nach LaSordas Prognose seitwärts bewegen - zwischen 17 und 17,3 Millionen Fahrzeugen jährlich.

Unser derzeitiges Geschäftsmodell ist produktorientiert. Insgesamt müssen wir aber globaler agieren und nicht nur auf die internen Ressourcen bauen - sondern auch auf externe Partner. 2006 habe es zehn neue Produkte gegeben - ein Höchstwert bei Chrysler, so der Markenchef. "Genauso rasant soll es in den nächsten Jahren weitergehen", verspricht er. Neben den acht neuen Modellen soll es fünf komplett überarbeitete geben. Die Zahl der Motorenvarianten - LaSorda spricht explizit die verschiedenen Sechszylinder an - soll verringert werden.

Im Dodge Durango soll der erste Hybridmotor - eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor - 2008 verbaut werden. Minivans auf dem US-Markt werden in Kooperation mit Volkswagen  verkauft, Kleinlastwagen vertreibt Chrysler in Mexiko vom Partner China Motor in Taiwan. "Bündnisse wie diese werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen", erklärt LaSorda.

Gegen 16 Uhr deutscher Zeit beginnt Zetsche seine Rede. Mercedes-Benz soll eine Umsatzrendite von 7 Prozent erreichen, die Lkw-Sparte sogar "mindestens 7 Prozent".

Zetsche kommt noch einmal darauf zu sprechen, dass er in Sachen Verkauf und Bündnisse "alle Optionen prüfe", bitte aber um Verständnis, dass er sich "zu Details derzeit nicht äußern" könne.

Die Fixkosten bei Mercedes seien um 7 Prozent gesenkt worden, die Qualität bei der Marke ist laut Zetsche von 2005 auf 2006 um 25 Prozent gestiegen. Diese Quote sei ermittelt worden aus der Erhebung von Fehlern pro hundert Fahrzeuge, gemessen über ein Jahr, erläutert Zetsche.

Freude über Mercedes-Zahlen

Freude über die Mercedes-Zahlen

Nach einer kleinen Lobrede für den Zweisitzer Smart, der im ersten Quartal 2008 auch auf den US-Markt kommen soll, kommt Zetsche auf die Lkw-Sparte zu sprechen. Hier will der Vorstandschef die "zyklischen Effekte des Geschäfts" - gemeint ist das kurzfristige Schwanken von Quartalen mit hohen Gewinnen zu Quartalen mit hohen Verlusten - künftig stärker vermeiden. Die größte "supersaubere" Lkw-Flotte, die derzeit auf den Straßen unterwegs sei, stamme von Mercedes - 40.000 Diesel-Laster mit der "führenden Umwelttechnologie Bluetech".

Zu DaimlerChrysler  Financial Services erklärt Zetsche, dass die Effizienz noch weiter ausgebaut werden soll, "trotz schwieriger Bedingungen am Finanzmarkt". 18,2 Prozent Eigenkapitalrendite hat die Sparte laut Zetsche 2006 erreicht.

Um 16.12 Uhr deutscher Zeit spricht Finanzchef Bodo Uebber. Hohe Materialkosten und ein schwacher Dollar, "beziehungsweise die Kosten für Währungssicherungsprogramme" nennt Uebber als allgemeine Belastungen für das Geschäft. Von einer "Strukturverschiebung" auf dem US-Markt sei aber Chrysler besonders stark betroffen gewesen - auch dies sei zu einer hohen Belastung für die Bilanz geworden.

Uebber verzieht bei der Präsentation der Zahlen zwar kaum eine Miene, klingt aber durchaus erfreut, als er über die Entwicklung bei der Mercedes Car Group berichtet. Das vor drei Jahren gestartete Sanierungsprogramm "Core" habe dazu geführt, dass der Gewinn der Gruppe auf 2,4 Milliarden Euro 2006 gestiegen sei - während 2005 an dieser Position noch ein Minus von einer halben Milliarde Euro gestanden habe.

Uebbers Ausblick: "Wir erwarten anhaltendes Wachstum - aber es wird langsamer vorangehen als 2006." Uebber bekräftigt, dass 2,5 Prozent Umsatzrendite 2009 erreicht werden sollen.

Gegen 16.30 Uhr beginnt die Fragerunde: Erste, naheliegende Frage - "Wie werden Sie Ihre Mitarbeiter nun, trotz des Stellenabbaus, noch motivieren, Herr LaSorda?" LaSorda spricht von sozial verantwortlichen Programmen. Zetsche sagt, es sei besser für die Zukunft der Chrysler Group und die Mitarbeiter, jetzt den großen Schritt zu machen.

Die Frage nach General Motors

Kein Kommentar zu Verhandlungen mit GM

Die Frage nach Rabatten für Chrysler in den nächsten Wochen: LaSorda antwortet ausweichend. Er spricht von 488.000 Autos auf Halde, für den Februar sähen die Zahlen aber vielversprechend aus.

Zetsche antwortet auf die Frage, warum DaimlerChrysler noch vor Kurzem erklärt habe, eine Trennung käme nicht infrage. Der Vorstandschef erklärt, dass es vor einigen Monaten noch nicht die Optionen gegeben habe, die sich nun eröffnet hätten. Detaillierter erläutert er den Punkt nicht.

Eine Nachfrage - kann es einen Spin-off geben? Zetsche wiederholt: "Wir halten uns alle Optionen offen."

Frage: Was war mit der Konsolidierung der einzelnen Marken gemeint? LaSorda antwortet, der Konzern verfüge über 32 Marken derzeit - und er strebe eine Reduzierung um 10 bis 20 Prozent an.

Zetsche erklärt, dass die Zusammenarbeit zwischen Daimler und Chrysler künftig weder stark intensiviert noch abgeschwächt werden soll. Das bestehende, gute Niveau der Zusammenarbeit solle vielmehr erhalten bleiben, erklärt Zetsche. Das klingt rätselhaft und zieht sofort die Nachfrage einer US-TV-Reporterin nach sich.

Es gebe keinen Zeitplan für das Ziehen der strategischen Optionen, erklärt Zetsche. Die Frage, ob eine Investmentbank für die Durchführung der erwähnten Option beauftragt sei, will Zetsche nicht kommentieren.

Frage: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen Daimler und Chrysler über die Jahre bewertet? Zetsche: "Aus der Fusion haben beide Konzerne viel Nutzen gezogen - und das soll auch in Zukunft so bleiben." Ausdrücklich erwähnt Zetsche, dass auch das Chrysler-Know-how Mercedes geholfen habe und es kein einseitiger Informationsfluss gewesen sei.

Um 17.15 Uhr fragt eine Reporterin bei Zetsche mit Verweis auf den Exklusiv-Bericht von manager-magazin.de nach, ob er Näheres zu den Verhandlungen mit General Motors  sagen könne. Antwort: "Wie gesagt: Ich möchte und will hier zu dem Thema keine weiteren Details nennen."

Um 17.22 Uhr endet die Pressekonferenz.